Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 24/99

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Wie Paulus die Lehre des Christus verfälschte (Teil 2)

Die ersten Christen lebten vegetarisch

Der Teil 2 dieser Studie ist wohl der umstrittenste. Jahrhunderte lang hat man gelernt, die Bibel mit einer bestimmten - durch das anthropozentrische (= "auf den Menschen zentrierte") Weltbild der Kirche geformten - Brille zu lesen. Dadurch ist vor allem der Blick auf die Mitgeschöpfe des Menschen, die Tiere, verloren gegangen. Dass sie genauso leiden können wie Menschen, wird von der Kirche bestritten. Im 21. Jahrhundert rächt sich nun Jahr für Jahr die sich immer noch steigernde Barbarei an diesen Geschöpfen Gottes. Und der Mensch muss allmählich erkennen, dass seine Tyrannei an der Mutter Erde und an allen ihren Lebensformen auf ihn selbst zurück fällt. Eine der Wurzeln dieser Tragödie führt zu Paulus, dem kopflastigen Schriftgelehrten, der in Bezug auf das Empfinden der Tiere genauso abgestumpft war wie es die Kirchenführer noch heute sind. Um das damalige Geschehen nachvollziehen zu können, werden auch antike Schriften außerhalb der Bibel einbezogen.

Als die ersten Christen zusammenkamen, um in der Gemeinschaft zu essen und zu trinken, mussten keine Tiere dafür sterben. Denn Jesus von Nazareth hatte seine Nachfolger über das Empfinden der Tiere aufgeklärt und ihnen aufgetragen, keine Tiere zu schlachten. Auch Mose hielt es bereits so. Doch die Priester verfälschten die durch Mose gegebenen Gottesoffenbarungen und führten einen Kult mit grausamen Tieropfern in Israel ein. Die Priester Israels schlachteten selbst und wachten darüber, welche Arten von Fleisch das Volk wann essen durfte und  welche nicht und wie alles zubereitet werden musste.

Nur wenige Jahre nach seiner Zeit auf der Erde erging es Jesus ähnlich wie Mose. Auch seine Botschaft wurde verfälscht, z. B. durch Saulus, der sich bald Paulus nannte. Dieser wusste offenbar nichts von dem, was Jesus über die Tiere lehrte und wie er auch diese Geschöpfe Gottes liebte. Paulus lehrt, dass ein Christ alles, "was auf dem Fleischmarkt verkauft wird" (1. Korintherbrief 10, 25), essen kann. Und andere Schreiber des Neuen Testaments erzählen den Gemeinden sogar von den "unvernünftigen Tieren, die von Natur aus nur dazu da sind, dass man sie jagt und vernichtet" (2. Petrusbrief 2, 12).

Abendmahl

"Das letzte Abendmahl", wie es Lucas Cranach malte - Jesus, Judas, Luther, Melanchthon und protestantische Fürsten verspeisen eine Ente (Gemälde in der Schlosskirche in Dessau)

Paulus ist zwar Jude, erkennt aber die jüdischen Gebote und Gesetze, zu denen auch die Speisevorschriften gehören, nicht mehr als Heilsweg zu Gott an. Zwar seien sie von Gott gegeben und "gut", doch könne sie niemand erfüllen, so Paulus. Deshalb macht er sich frei davon und beruft sich dabei auf Christus. Doch das tut er zu Unrecht. Denn Jesus hob nicht die von Gott gegebenen Gebote auf (vgl. Matthäus 5, 17). Er korrigierte mit seinem "Ich aber sage Euch" nur die Verfälschungen der Gebote, und er vertiefte vieles, was bereits durch Mose und die anderen Propheten gegeben wurde. Dass z. B. die Tiere "Übernächste" sind und Freunde des Menschen sein wollen, die man nicht verspeisen soll, wie man in "apokryphen" Evangelien außerhalb der Bibel auch nachlesen kann (siehe Der Theologe Nr. 7 - Jesus und die ersten Christen waren Vegetarier). Oder dass auch Tiere, wenn man sie quält und tötet, große Schmerzen erdulden müssen. Dies spielt allerdings weder bei den jüdischen Vorschriften noch bei Paulus eine Rolle.

Paulus ist als Jude auch römischer Bürger und isst wie die meisten wohlhabenden römischen Bürger bedenkenlos Fleisch. Dies wird auch für das Gemeinschaftsmahl in den von ihm betreuten Gemeinden übernommen. Die ersten Christen treffen sich, so weit möglich, meist abends zum gemeinsamen Abendessen oder in besonders feierlicher Form zum Abendmahl.

Paulus streitet mit Petrus

Bei einem Besuch von Petrus und anderen Abgesandten der Urgemeinde Jerusalem in einer von Paulus gegründeten Gemeinde kommt es zum Konflikt. Die Jerusalemer verweigern die Mahlgemeinschaft. Aus diesem Grund werden sie von Paulus zur Rede gestellt und gescholten (Bibel, Galaterbrief 2). Den Hinweisen auf die Autorität der Apostel begegnet Paulus selbstbewusst bzw. selbstherrlich mit den Worten: "Von denen aber, die das Ansehen hatten - was sie früher gewesen sind, daran liegt mir nichts; denn Gott achtet das Ansehen der Menschen nicht." (2, 6)

Paulus stellt den Konflikt so dar, als würden Petrus und seine Begleiter auf der Einhaltung der jüdischen Speisevorschriften auch für nichtjüdische Nachfolger von Jesus bestehen. Doch diese Darstellung muss angezweifelt werden, wenn man die Berichte der apokryphen Schriften mit einbezieht (siehe oben) Wahrscheinlicher ist demnach, dass sie überhaupt kein Fleisch essen wollten; so, wie sie von Jesus aufgeklärt worden waren - noch dazu, wenn in diesem Rahmen auch das Abendmahl gefeiert wurde, bei dem man sich bewusst macht, dass Christus lebt und gegenwärtig ist. Das gemeinsame Einhalten der jüdischen Speisevorschriften war vor diesem Hintergrund vielleicht ein Kompromissvorschlag von Petrus und den anderen Jüngern an Paulus und dessen Anhänger. Damit könnte einerseits Rücksicht auf jüdische Christen genommen  werden und andererseits dem ungezügelten Fleischkonsum Einhalt geboten werden.

Reste an Achtung vor anderen Lebensformen werden getilgt

Denn nach den Speisevorschriften des Alten Testaments sind manche Tiere, wie z. B. Hase oder Schwein, vor Schlachtungen geschützt (siehe hier). Und in dem jüdischen Gebot, keine Blutprodukte zu essen, spiegelt sich immerhin noch ein Rest an Achtung vor anderen Lebensformen, die Mose den Israeliten vermittelte (und die allerdings durch das Schächtgebot völlig pervertiert wird). So schreibt auch die Apostelgeschichte im Neuen Testament, dass man "den Heiden, die sich zu Gott bekehren", lediglich auferlegte, sich "von Götzendienst, von Unzucht, von nicht ausgeblutetem Fleisch und von Blutgenuss" (Apostelgeschichte 15, 5) zu enthalten. Es handelt sich hierbei also nicht um eine belanglose Randerscheinung, was die Umgangsformen betreffend, wie es heute oft dargestellt wird, sondern um etwas Wesentliches.

Doch Paulus hielt - gelinde gesagt - nicht mehr viel von dieser Überlieferung (dem "Dreck" nach Philipper 3, 8) und war innerlich ganz der "aufgeklärte" und selbstbewusste Römer. Und so verhält er sich im Verlauf der Auseinandersetzung als geschickter Diplomat und nicht als einer, der sich selbst einmal infrage stellen lässt. Dabei betrachtet er es als Fortschritt im Sinne der von ihm neu gelehrten "Freiheit", dass man gar nicht zu wissen braucht, ob das beim Mahl in den christlichen Gemeinden aufgetragene Fleisch zuvor bei Kulthandlungen heidnischen Göttern geweiht wurde. Er greift erst ein, als einige Gemeindeglieder sowohl am gemeindlichen Abendmahl als auch an Kult-Mahlen anderer Religionsgemeinschaften teilnehmen, und er erklärt schließlich die Unvereinbarkeit beider Tischgemeinschaften. Immerhin ist er selbst bereit, auf Fleisch beim Mahl zu verzichten - allerdings nicht der Tiere wegen, sondern aus "Rücksicht" auf die in seinen Augen im Glauben "schwachen" Vegetarier; bzw. aus Rücksicht auf diejenigen "Schwachen im Glauben", die Skrupel vor dem Verzehr von Fleisch haben, das zuvor durch die Hände heidnischer Priester gegangen ist. In der kirchlichen Theologie wird es heute jedoch so dargestellt, dass es nur um kultische Fragen ging. In Wirklichkeit wird es jedoch beide Motive für den Fleischverzicht, das kultische Motiv und das tierfreundliche, gegeben haben.  Ist von diesen beiden Seiten jedoch kein Ärger zu erwarten, spricht aus der Sicht von Paulus nichts gegen das Fleischmahl.

Paulus setzt sich mit seinem Kurs durch, und seine Handschrift und die seiner Schüler durchzieht bald das ganze Neue Testament. So schreibt der Paulusschüler Lukas in seiner Apostelgeschichte z. B. auch, dass der Apostel Petrus eine Gottesvision erhalten haben soll, in der es im Hinblick auf kultisch "unreine" Tiere heißt: "Steh auf, Petrus, schlachte und iss!" (10, 13) Und nachdem sich Petrus erst gewehrt habe, hätte die Stimme gesagt: "Was Gott rein gemacht hat, das nenne du nicht verboten" (10, 15). Angeblich hatte Petrus in der Vision also zunächst die oben bereits genannten kultischen Bedenken gegenüber dem Schlachten und Essen bestimmter Tiere, und eine Stimme hätte sie ihm zu nehmen versucht. Im unmittelbaren Zusammenhang geht es dann aber gar nicht um das Schlachten, sondern um die Erkenntnis, dass es keine "unreinen" Menschen gibt. Letztlich ist es eine doppelte Botschaft, die lautet: So wie es keine "unreinen Tiere" gibt, so gibt es auch keine "unreinen" Menschen. Während dies für die davon betroffenen Menschen jedoch ein Vorteil ist, da sie nicht mehr als Menschen zweiter Klasse behandelt werden, bedeutet es für die bis dahin "unreinen" Tiere in der Folge ein furchtbares Todesurteil. Der Inhalt dieser Vision entspricht dabei ganz der Lehre des Paulus, dass ein Christ alles, "was auf dem Fleischmarkt verkauft wird", essen kann (1. Korintherbrief 10, 25). Von daher liegt es nahe, dass es Paulus selbst gewesen sein könnte, der sich dieses Gleichnis ausgedacht hat. Eine Gottesvision war es sehr wahrscheinlich nicht (Mehr dazu siehe Anmerkung). Außerbiblischen Quellen zufolge sind bei Petrus zudem ethische Bedenken gegenüber dem Schlachten anzunehmen und keine kultischen. Vielleicht trifft aber auch beides zu. Das Tückische dieses Gleichnisses besteht darin, dass eine bestimmte Wahrheit ("Die jüdischen Kultvorschriften sind keine Gebote Gottes") mit einer Unwahrheit verknüpft wird ("Gott habe dem Menschen die Tiere zum Schlachten gegeben") - ein Gemisch, auf das sich die Kirchen bis heute berufen. So trägt auch das biblische "Schlachte und iss" aus jenem Gleichnis bis heute dazu bei, das Gewissen von Metzgern und Fleischessern abzutöten.

Der nächste Schritt in diese Richtung ist im 1. Timotheusbrief der Bibel dokumentiert, den wahrscheinlich ein Paulusschüler verfasst hat. Dort ist von Verführern die Rede, die gebieten, "Speisen zu meiden, die Gott geschaffen hat, dass sie mit Danksagung empfangen werden von den Gläubigen und denen, die die Wahrheit erkennen [damit ist wahrscheinlich das Essen von Fleisch gemeint]. Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird; denn es wird geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet" (4, 1-5). Diese Bibelstelle wird heute von den Kirchen bevorzugt zur Rechtfertigung des Fleischkonsums zitiert. Doch könnte ein Kannibale damit theoretisch genauso den Verzehr von Menschenfleisch rechtfertigen, wenn man das vorausgehende Tischgebet nicht vergisst.

Fleisch für die Theologen

Andersdenkende werden im 1. Timotheusbrief der "teuflischen Lügenreden" bezichtigt. Eine verhängnisvolle Auseinandersetzung nimmt ihren Lauf. Die ursprünglichen Paulusgemeinden verfestigen sich, und einige Generationen später entsteht daraus eine Staatskirche, die Abweichler in der Folgezeit immer häufiger hinrichten lässt - so wie man Generationen zuvor das Schwein, das Schaf und den Ochsen töten ließ.

Während in der heutigen Gesellschaft das Gespür für das Leiden der Tiere wächst und sich viele Menschen für das Ende der Massentierhaltungen, der grausamen Tierversuche, der Tiertransporte, der Schlachtungen und der Jagd einsetzen, halten sich die Kirchenführer weiter an Paulus.

Auch bei der gemeinsamen Unterzeichnung der "Rechtfertigungslehre" ("Allein der Glaube macht gerecht vor Gott") am 31.10.1999 in Augsburg wieder das typische Bild: Es fährt ein LKW einer Metzgerei vor, voll mit Fleisch und Wurst, um die Amtsträger aus dem Vatikan und vom Lutherischen Weltbund nach der Zeremonie zu verköstigen - frei nach Paulus: "Alles, was auf dem Fleischmarkt verkauft wird, das esst, und forscht nicht nach, damit ihr das Gewissen nicht beschwert." So halten sie es seit nunmehr fast 2000 Jahren.

Nahrung

Wie im frühen Urchristentum ernähren sich auch heute immer mehr Menschen "von dem, was ihnen die Erde schenkt" (Das ist Mein Wort, S. 374).

Doch: Immer mehr Menschen wenden sich vom Schlachten und Verzehren der Tiere ab. Sie sehen die Erde als ein Ganzes, als ihre Ernährerin, als einen Teil ihres eigenen Lebens. Sie ernähren sich von dem, was die Erde Menschen und Tieren bereitwillig schenkt, so wie es von Anfang an der Schöpfung geplant war (1. Mose 1, 29-31), und sie bereiten es auch entsprechend sorgsam zu, so wie es Jesus von Nazareth seinen Nachfolgern lehrte.                                                  

Christus klärt auf -
Das letzte Abendmahl

Weder von den Aposteln noch von den Jüngern wurde angeordnet, ein Lamm zu schlachten. Doch sowohl Mir als auch den Aposteln und Jüngern wurden Teile eines zubereiteten Lammes als Gabe der Liebe gereicht. Unsere Nächsten wollten uns damit beschenken, da sie es nicht besser wussten. Ich segnete die Gabe und begann, das Fleisch zu mir zu nehmen. Meine Apostel und Jünger taten es Mir gleich. Anschließend stellten sie Mir sinngemäß die Frage: Wir sollen doch vom Fleischverzehr Abstand nehmen. So hast du uns befohlen. Nun hast Du selbst Fleisch verzehrt.

Ich unterwies die Meinen: Der Mensch soll kein Tier mutwillig töten und auch nicht das Fleisch von Tieren verzehren, die zum Fleischverzehr getötet wurden. Doch wenn Menschen, die noch unwissend sind, Fleisch als Nahrung zubereitet haben und es dem Gast zum Geschenk machen und ihm zum Gastmahl reichen, dann sollte der Gast die Gabe nicht ablehnen. Denn es ist ein Unterschied, ob der Mensch aus Gier nach Fleisch dieses verzehrt oder als Dank an den Gastgeber für seine Mühe.

Der Wissende sollte jedoch, wenn es ihm möglich ist und es die äußeren Umstände und die Zeit erlauben, dem Gastgeber allgemeine Hinweise geben, ihn jedoch nicht eines Besseren belehren wollen. Wenn die Zeit reif ist, wird auch der Gastgeber diese allgemeinen Hinweise verstehen.

Zur selbstlosen Liebe gehören in dieser Welt auch Verständnis und Toleranz. Lasst jedem Menschen den freien Willen, ob er eure allgemeinen Hinweise verstehen und annehmen möchte oder nicht. Wenn ihr allezeit selbstlos denkt, sprecht und handelt, dann bleibt ihr in der Liebe, und die Liebe wird euch segnen. was euch dann als Gabe der Liebe gereicht wird, ist gesegnet.

(Christus in: Das ist Mein Wort, S. 809 f.; Verlag DAS WORT; Tel.: 09391/504-135)


* Anmerkung: Diese Vision hat zwei Bedeutungsebenen. Im Zusammenhang der Apostelgeschichte geht es zunächst gar nicht um das Verhalten gegenüber den Tieren, sondern um das Verhalten gegenüber Menschen. Die Vision soll für Petrus ein Gleichnis dafür gewesen sein, dass  - so wie es keine "unreinen" Tiere gibt - es keine "unreinen" Menschen (!) gibt. Und so habe Petrus die Schlussfolgerung gezogen, sich von einem römischen Hauptmann mit Namen Kornelius einladen zu lassen. Denn: "Gott hat mir gezeigt, dass ich keinen Menschen meiden oder unrein nennen soll" (Apostelgeschichte 10, 28). Das ist in der Tat eine urchristliche Botschaft. Und wenn das die einzige Lektion aus diesem Gleichnis sein sollte, dann hätte es damit auch seinen Zweck erfüllt.
Merkwürdig ist allerdings, dass Petrus diese "Lektion" noch nicht verstanden haben soll, als er mit Jesus durch das Land gezogen ist. Denn Jesus hat zum Beispiel einen Diener des römischen Hauptmanns von Kapernaum geheilt (Lukas 7, 1-9), und er hat seinen Jüngern auch bei vielen anderen Begegnungen klar gemacht, dass es bei Gott die Unterscheidung in "reine" und "unreine" Menschen bzw. kultische Barrieren im Umgang mit den Nächsten nicht gibt. So sind auch von daher erhebliche Zweifel angebracht, ob Petrus in seiner Vision tatsächlich unschuldige Tiere hätte schlachten sollen, um endlich zu verstehen, dass alle Menschen gleich sind vor Gott.
Hier ist nun die zweite Bedeutungsebene angesprochen, das Verhalten gegenüber den Tieren. Denn diese Petrus-Vision wird von Kirchenchristen ebenfalls mit zur Rechtfertigung von unbeschränktem Fleischkonsum heran gezogen, wenn auch nur am Rande. Der Inhalt dieser Vision entspricht dabei der Lehre des Paulus, dass ein Christ alles, "was auf dem Fleischmarkt verkauft wird", essen kann (1. Korintherbrief 10, 25). Doch die Vision für sich genommen rechtfertigt jedoch noch keine Schlachtungen. Denn auch Jesus hat in seinen Gleichnissen manchmal Geschichten aus dem Alltag der Menschen erzählt, ohne dass das Verhalten der dort Handelnden damit gerechtfertigt wird. Es diente nur als Rahmen, innerhalb dessen etwas Bestimmtes erklärt werden soll; wie z. B. das "Gleichnis von den Talenten", wo von einem "Fürst" erzählt wird, einem "harten Mann", der "nimmt", was er nicht angelegt hat (Lukas 19, 11 f.). Dieser "harte Mann" darf hier keinesfalls mit Gott verglichen werden und ist in diesem Gleichnis auch gar nicht als Vorbild gedacht. Sondern es geht ausschließlich um den Erkenntnisgewinn für die "Knechte", die ihre Talente nicht vergraben, sondern vermehren sollen.

Während Jesus dieses Gleichnis mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit tatsächlich erzählt hat, kann man bei der Petrus-Vision jedoch davon ausgehen, dass sie keine echte Gottes- oder Christus-Vision ist. Sie stammt entweder von Paulus oder - vergleichbar einem Traum - aus dem Unterbewusstsein dessen, der sie empfangen hat.  

Lesen Sie auch: "Der Theologe", Ausgabe Nr. 5 - Wie Paulus die Lehre des Jesus veränderte (der obige Aufsatz ist identisch mit dem 2. Teil dieser Ausgabe) und Ausgabe Nr. 7 - Jesus und die ersten Christen waren Vegetarier

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