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Wie Paulus die Lehre
des Christus verfälschte (Teil 2)
Die ersten
Christen lebten vegetarisch
Der Teil 2 dieser Studie ist wohl der umstrittenste.
Jahrhunderte lang hat man gelernt, die Bibel mit einer bestimmten - durch das
anthropozentrische (= "auf den Menschen zentrierte") Weltbild der Kirche
geformten - Brille zu lesen. Dadurch ist vor allem der Blick auf die
Mitgeschöpfe des Menschen, die Tiere, verloren gegangen. Dass sie genauso leiden
können wie Menschen, wird von der Kirche bestritten. Im 21. Jahrhundert rächt
sich nun Jahr für Jahr die sich immer noch steigernde Barbarei an diesen
Geschöpfen Gottes. Und der Mensch muss allmählich erkennen, dass seine Tyrannei
an der Mutter Erde und an allen ihren Lebensformen auf ihn selbst zurück fällt.
Eine der Wurzeln dieser Tragödie führt zu Paulus, dem kopflastigen
Schriftgelehrten, der in Bezug auf das Empfinden der Tiere genauso abgestumpft
war wie es die Kirchenführer noch heute sind. Um das damalige Geschehen
nachvollziehen zu können, werden auch antike Schriften außerhalb der Bibel
einbezogen.
Als die ersten Christen zusammenkamen, um in der Gemeinschaft zu essen und zu
trinken, mussten keine Tiere dafür sterben. Denn Jesus von Nazareth hatte seine
Nachfolger über das Empfinden der Tiere aufgeklärt und ihnen aufgetragen, keine Tiere zu
schlachten. Auch Mose hielt es bereits so. Doch die Priester verfälschten die durch Mose
gegebenen Gottesoffenbarungen und führten einen Kult mit grausamen Tieropfern in
Israel ein. Die Priester Israels schlachteten selbst und wachten darüber, welche Arten
von Fleisch das Volk wann essen durfte und welche nicht und wie alles zubereitet werden
musste.
Nur wenige Jahre nach seiner Zeit auf der Erde erging es Jesus ähnlich
wie Mose. Auch seine Botschaft wurde verfälscht, z. B. durch Saulus, der sich bald Paulus
nannte. Dieser wusste offenbar nichts von dem, was Jesus über die Tiere lehrte und wie
er
auch diese Geschöpfe Gottes liebte. Paulus lehrt, dass ein Christ alles, "was auf dem Fleischmarkt verkauft
wird" (1. Korintherbrief 10, 25), essen kann. Und andere Schreiber
des Neuen Testaments erzählen den Gemeinden sogar von den "unvernünftigen
Tieren, die von Natur aus nur dazu da sind, dass man sie jagt und vernichtet"
(2. Petrusbrief 2, 12).

"Das letzte Abendmahl", wie es
Lucas Cranach malte - Jesus, Judas, Luther, Melanchthon und protestantische
Fürsten verspeisen eine Ente
(Gemälde in der Schlosskirche in Dessau)
Paulus ist zwar Jude, erkennt aber die jüdischen Gebote und Gesetze, zu
denen auch die Speisevorschriften gehören, nicht mehr als Heilsweg zu Gott an. Zwar seien
sie von Gott gegeben und "gut", doch könne sie niemand erfüllen, so
Paulus. Deshalb macht
er sich frei davon und beruft sich dabei auf Christus. Doch das tut er zu
Unrecht. Denn Jesus hob nicht die
von Gott gegebenen Gebote
auf (vgl. Matthäus 5, 17). Er korrigierte mit seinem "Ich aber sage Euch" nur die Verfälschungen der
Gebote, und er vertiefte vieles, was bereits durch Mose und die anderen Propheten gegeben
wurde. Dass z. B. die Tiere "Übernächste" sind und Freunde des Menschen sein wollen, die
man nicht verspeisen soll, wie man in "apokryphen" Evangelien außerhalb der
Bibel auch nachlesen kann (siehe
Der Theologe Nr. 7 - Jesus und die
ersten Christen waren Vegetarier). Oder dass auch Tiere, wenn man sie quält und tötet, große
Schmerzen erdulden müssen. Dies spielt allerdings weder bei den jüdischen Vorschriften
noch bei Paulus eine Rolle.
Paulus ist als Jude auch römischer Bürger und isst wie die meisten
wohlhabenden römischen Bürger bedenkenlos Fleisch. Dies wird auch für das
Gemeinschaftsmahl in den von ihm betreuten Gemeinden übernommen. Die ersten Christen
treffen sich, so weit möglich, meist abends zum gemeinsamen Abendessen oder in besonders
feierlicher Form zum Abendmahl.
Paulus streitet mit Petrus
Bei einem Besuch von Petrus und anderen Abgesandten der Urgemeinde Jerusalem
in einer von Paulus gegründeten Gemeinde kommt es zum Konflikt. Die Jerusalemer
verweigern die Mahlgemeinschaft. Aus diesem Grund werden sie von Paulus zur Rede gestellt
und gescholten (Bibel, Galaterbrief 2). Den Hinweisen auf die Autorität der Apostel begegnet
Paulus selbstbewusst bzw. selbstherrlich mit den Worten: "Von denen aber, die das Ansehen hatten - was sie früher
gewesen sind, daran liegt mir nichts; denn Gott achtet das Ansehen der Menschen
nicht." (2, 6)
Paulus stellt den Konflikt so dar, als würden Petrus und seine Begleiter auf
der Einhaltung der jüdischen Speisevorschriften auch für nichtjüdische Nachfolger von
Jesus bestehen. Doch diese Darstellung muss angezweifelt werden, wenn man die
Berichte der apokryphen Schriften mit einbezieht (siehe
oben) Wahrscheinlicher ist demnach, dass sie überhaupt kein Fleisch essen
wollten; so, wie sie von Jesus aufgeklärt worden waren - noch dazu, wenn in diesem Rahmen
auch das Abendmahl gefeiert wurde, bei dem man sich bewusst macht, dass Christus
lebt und gegenwärtig ist. Das
gemeinsame Einhalten der jüdischen Speisevorschriften war vor diesem Hintergrund vielleicht ein
Kompromissvorschlag von Petrus und den anderen Jüngern an Paulus und dessen Anhänger.
Damit könnte einerseits Rücksicht auf jüdische Christen genommen werden
und andererseits dem ungezügelten
Fleischkonsum Einhalt geboten werden.
Reste an Achtung vor anderen
Lebensformen werden getilgt
Denn nach den Speisevorschriften des Alten Testaments sind manche Tiere, wie
z. B. Hase oder Schwein, vor Schlachtungen geschützt (siehe
hier). Und in dem jüdischen Gebot, keine Blutprodukte
zu essen, spiegelt sich immerhin noch ein Rest an Achtung vor anderen Lebensformen, die Mose den
Israeliten vermittelte (und die allerdings durch das Schächtgebot völlig
pervertiert wird). So schreibt auch die Apostelgeschichte im Neuen Testament, dass
man "den Heiden, die sich zu Gott bekehren", lediglich auferlegte, sich "von
Götzendienst, von Unzucht, von nicht ausgeblutetem Fleisch und von Blutgenuss"
(Apostelgeschichte
15, 5) zu enthalten. Es handelt sich hierbei also nicht um eine belanglose
Randerscheinung, was die Umgangsformen betreffend, wie es heute oft dargestellt
wird, sondern um etwas Wesentliches.
Doch
Paulus hielt - gelinde gesagt - nicht mehr viel von dieser Überlieferung (dem
"Dreck" nach Philipper 3, 8) und war innerlich ganz der "aufgeklärte" und
selbstbewusste Römer. Und so verhält er sich im Verlauf der Auseinandersetzung als
geschickter Diplomat und nicht
als einer, der sich selbst einmal infrage stellen lässt. Dabei betrachtet er es
als Fortschritt im Sinne der von ihm neu gelehrten "Freiheit", dass man gar
nicht zu wissen braucht, ob das beim
Mahl in den christlichen Gemeinden aufgetragene Fleisch zuvor bei Kulthandlungen heidnischen Göttern geweiht wurde. Er greift erst
ein, als einige Gemeindeglieder sowohl am gemeindlichen Abendmahl als auch an Kult-Mahlen anderer
Religionsgemeinschaften teilnehmen, und er erklärt schließlich die Unvereinbarkeit beider
Tischgemeinschaften. Immerhin ist er selbst bereit, auf Fleisch beim Mahl zu verzichten -
allerdings nicht der Tiere wegen, sondern aus "Rücksicht" auf die in seinen
Augen im Glauben "schwachen" Vegetarier; bzw. aus Rücksicht auf
diejenigen "Schwachen im Glauben", die Skrupel vor dem Verzehr von Fleisch
haben, das zuvor durch die Hände heidnischer Priester gegangen ist. In der
kirchlichen Theologie wird es heute jedoch so dargestellt, dass es nur um
kultische Fragen ging. In Wirklichkeit wird es jedoch beide
Motive für den Fleischverzicht, das kultische Motiv und das tierfreundliche,
gegeben haben. Ist von diesen beiden Seiten jedoch kein Ärger zu
erwarten, spricht aus der Sicht von Paulus nichts gegen das Fleischmahl.
Paulus setzt sich mit seinem Kurs durch, und seine Handschrift und die seiner
Schüler durchzieht bald das ganze Neue Testament. So schreibt der Paulusschüler Lukas in
seiner Apostelgeschichte z. B. auch, dass der Apostel Petrus eine
Gottesvision erhalten haben soll, in der es im Hinblick auf kultisch "unreine"
Tiere heißt: "Steh auf, Petrus, schlachte und
iss!" (10, 13) Und nachdem sich Petrus erst gewehrt habe, hätte die Stimme
gesagt: "Was Gott rein gemacht hat, das nenne du nicht verboten" (10,
15). Angeblich hatte Petrus in der Vision also zunächst die oben bereits genannten kultischen Bedenken
gegenüber dem Schlachten und
Essen bestimmter Tiere, und eine Stimme hätte sie ihm zu nehmen versucht. Im
unmittelbaren Zusammenhang geht es dann aber gar nicht um das Schlachten,
sondern um die Erkenntnis, dass es keine "unreinen" Menschen gibt.
Letztlich ist es eine doppelte Botschaft, die lautet: So wie es keine "unreinen
Tiere" gibt, so gibt es auch keine "unreinen" Menschen. Während dies für die
davon betroffenen Menschen jedoch ein Vorteil ist, da sie nicht mehr als
Menschen zweiter Klasse behandelt werden, bedeutet es für die bis dahin
"unreinen" Tiere in der Folge ein furchtbares Todesurteil.
Der Inhalt dieser Vision entspricht dabei ganz der
Lehre des Paulus, dass ein Christ alles, "was auf dem Fleischmarkt verkauft
wird", essen kann (1. Korintherbrief 10, 25). Von daher liegt es
nahe, dass es Paulus selbst gewesen sein könnte, der sich dieses Gleichnis
ausgedacht hat. Eine Gottesvision war es sehr wahrscheinlich nicht
(Mehr dazu siehe
Anmerkung).
Außerbiblischen Quellen zufolge
sind bei Petrus zudem ethische Bedenken gegenüber dem Schlachten anzunehmen und
keine kultischen. Vielleicht trifft aber auch beides zu. Das Tückische dieses
Gleichnisses besteht darin, dass eine bestimmte Wahrheit ("Die jüdischen
Kultvorschriften sind keine Gebote Gottes") mit einer Unwahrheit verknüpft wird
("Gott habe dem Menschen die Tiere zum Schlachten gegeben") - ein Gemisch, auf
das sich die Kirchen bis heute berufen. So trägt auch das biblische "Schlachte und iss" aus jenem Gleichnis bis heute
dazu bei, das Gewissen von Metzgern und Fleischessern abzutöten.
Der nächste Schritt in diese Richtung ist im
1. Timotheusbrief
der Bibel dokumentiert, den wahrscheinlich ein Paulusschüler verfasst hat. Dort ist von
Verführern die Rede, die gebieten, "Speisen zu meiden, die Gott geschaffen hat, dass
sie mit Danksagung empfangen werden von den Gläubigen und denen, die die Wahrheit
erkennen [damit ist wahrscheinlich das Essen von Fleisch gemeint]. Denn alles, was Gott
geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird;
denn es wird geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet" (4, 1-5).
Diese Bibelstelle wird heute von den Kirchen bevorzugt zur Rechtfertigung des
Fleischkonsums zitiert. Doch könnte ein Kannibale damit theoretisch genauso den
Verzehr von Menschenfleisch rechtfertigen, wenn man das vorausgehende Tischgebet nicht
vergisst.
Fleisch
für die Theologen
Andersdenkende werden im 1.
Timotheusbrief der "teuflischen Lügenreden" bezichtigt.
Eine verhängnisvolle Auseinandersetzung nimmt ihren Lauf. Die ursprünglichen
Paulusgemeinden verfestigen sich, und einige Generationen später entsteht daraus eine
Staatskirche, die Abweichler in der Folgezeit immer häufiger hinrichten lässt - so wie
man Generationen zuvor das Schwein, das Schaf und den Ochsen töten ließ.
Während in der heutigen Gesellschaft das Gespür für das Leiden der Tiere
wächst und sich viele Menschen für das Ende der Massentierhaltungen,
der grausamen Tierversuche, der Tiertransporte, der Schlachtungen und der Jagd einsetzen, halten
sich die Kirchenführer weiter an Paulus.
Auch bei der gemeinsamen Unterzeichnung der "Rechtfertigungslehre"
("Allein der Glaube macht gerecht vor Gott") am 31.10.1999 in Augsburg wieder
das typische Bild: Es fährt ein LKW einer Metzgerei vor, voll mit Fleisch und Wurst, um
die Amtsträger aus dem Vatikan und vom Lutherischen Weltbund nach der Zeremonie zu
verköstigen - frei nach Paulus: "Alles, was auf dem Fleischmarkt verkauft wird, das
esst, und forscht nicht nach, damit ihr das Gewissen nicht beschwert." So halten sie
es seit nunmehr fast 2000 Jahren.

Wie
im frühen Urchristentum ernähren sich auch heute immer mehr Menschen "von dem,
was ihnen die Erde schenkt" (Das ist Mein Wort, S. 374).
Doch: Immer mehr Menschen wenden sich vom Schlachten und Verzehren der
Tiere ab. Sie sehen die Erde als ein Ganzes, als ihre Ernährerin, als einen
Teil ihres eigenen Lebens. Sie ernähren sich von dem, was die Erde Menschen und
Tieren bereitwillig schenkt, so wie es von Anfang an der Schöpfung geplant war
(1. Mose 1, 29-31), und sie bereiten es
auch entsprechend sorgsam zu, so wie es Jesus von Nazareth seinen Nachfolgern lehrte.
Christus klärt auf -
Das letzte Abendmahl
Weder von den
Aposteln noch von den Jüngern wurde angeordnet, ein Lamm zu schlachten.
Doch
sowohl Mir als auch den Aposteln und Jüngern wurden Teile eines zubereiteten Lammes als
Gabe der Liebe gereicht. Unsere Nächsten wollten uns damit beschenken, da sie es nicht
besser wussten. Ich segnete die Gabe und begann, das Fleisch zu mir zu nehmen. Meine
Apostel und Jünger taten es Mir gleich. Anschließend stellten sie Mir sinngemäß die
Frage: Wir sollen doch vom Fleischverzehr Abstand nehmen. So hast du uns befohlen. Nun
hast Du selbst Fleisch verzehrt.
Ich unterwies die Meinen: Der Mensch soll kein Tier mutwillig töten und
auch nicht das Fleisch von Tieren verzehren, die zum Fleischverzehr getötet wurden. Doch
wenn Menschen, die noch unwissend sind, Fleisch als Nahrung zubereitet haben und es dem
Gast zum Geschenk machen und ihm zum Gastmahl reichen, dann sollte der Gast die Gabe nicht
ablehnen. Denn es ist ein Unterschied, ob der Mensch aus Gier nach Fleisch dieses verzehrt
oder als Dank an den Gastgeber für seine Mühe.
Der Wissende sollte jedoch, wenn es ihm möglich ist und es die äußeren
Umstände und die Zeit erlauben, dem Gastgeber allgemeine Hinweise geben, ihn jedoch nicht
eines Besseren belehren wollen. Wenn die Zeit reif ist, wird auch der Gastgeber diese
allgemeinen Hinweise verstehen.
Zur selbstlosen Liebe gehören in dieser Welt auch Verständnis und
Toleranz. Lasst jedem Menschen den freien Willen, ob er eure allgemeinen Hinweise
verstehen und annehmen möchte oder nicht. Wenn ihr allezeit selbstlos denkt, sprecht und
handelt, dann bleibt ihr in der Liebe, und die Liebe wird euch segnen. was euch dann als
Gabe der Liebe gereicht wird, ist gesegnet.
(Christus in: Das ist Mein Wort, S. 809 f.;
Verlag DAS WORT; Tel.: 09391/504-135) |
*
Anmerkung: Diese Vision hat zwei Bedeutungsebenen. Im
Zusammenhang der Apostelgeschichte geht es zunächst gar nicht um das
Verhalten gegenüber den Tieren, sondern um das Verhalten gegenüber Menschen. Die
Vision soll für Petrus ein Gleichnis dafür gewesen sein, dass - so wie es
keine "unreinen" Tiere gibt - es keine "unreinen" Menschen
(!) gibt. Und so habe Petrus die Schlussfolgerung gezogen, sich von einem
römischen Hauptmann mit Namen Kornelius einladen zu lassen. Denn: "Gott hat mir
gezeigt, dass ich keinen Menschen meiden oder unrein nennen soll"
(Apostelgeschichte 10, 28). Das ist in der Tat eine urchristliche Botschaft.
Und wenn das die einzige Lektion aus diesem Gleichnis sein sollte, dann hätte es
damit auch seinen Zweck erfüllt.
Merkwürdig ist allerdings, dass Petrus diese "Lektion" noch nicht verstanden
haben soll, als er mit Jesus durch das Land gezogen ist. Denn Jesus hat zum
Beispiel einen Diener des römischen Hauptmanns von Kapernaum geheilt (Lukas
7, 1-9), und er hat seinen Jüngern auch bei vielen anderen Begegnungen klar
gemacht, dass es bei Gott die Unterscheidung in "reine" und "unreine" Menschen
bzw. kultische Barrieren im Umgang mit den Nächsten nicht gibt. So sind auch von
daher erhebliche Zweifel angebracht, ob Petrus in seiner Vision
tatsächlich unschuldige Tiere hätte schlachten sollen, um endlich zu verstehen,
dass alle Menschen gleich sind vor Gott.
Hier ist nun die zweite Bedeutungsebene angesprochen, das Verhalten gegenüber
den Tieren. Denn diese Petrus-Vision wird von Kirchenchristen ebenfalls mit
zur Rechtfertigung von unbeschränktem Fleischkonsum heran gezogen, wenn auch nur
am Rande. Der Inhalt dieser Vision entspricht dabei der Lehre des
Paulus, dass ein Christ alles, "was auf dem Fleischmarkt verkauft wird", essen
kann (1. Korintherbrief 10, 25). Doch die Vision für sich genommen rechtfertigt
jedoch noch keine Schlachtungen. Denn
auch Jesus hat in seinen Gleichnissen manchmal Geschichten aus dem Alltag der
Menschen erzählt, ohne dass das Verhalten der dort Handelnden damit
gerechtfertigt wird. Es diente nur als Rahmen, innerhalb dessen etwas
Bestimmtes erklärt werden soll; wie z. B. das "Gleichnis von den Talenten", wo
von einem "Fürst" erzählt wird, einem "harten Mann", der "nimmt", was er nicht
angelegt hat (Lukas 19, 11 f.). Dieser "harte Mann" darf hier keinesfalls mit
Gott verglichen werden und ist in diesem Gleichnis auch gar nicht als Vorbild
gedacht. Sondern es geht
ausschließlich um den Erkenntnisgewinn für die "Knechte", die ihre Talente nicht
vergraben, sondern vermehren sollen.
Während Jesus dieses Gleichnis mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit tatsächlich
erzählt hat, kann man bei der Petrus-Vision
jedoch davon ausgehen, dass sie keine echte Gottes- oder Christus-Vision ist. Sie
stammt entweder von Paulus oder - vergleichbar einem Traum - aus dem
Unterbewusstsein dessen, der sie empfangen hat.
Lesen Sie
auch:
"Der
Theologe", Ausgabe Nr. 5 - Wie Paulus die Lehre des Jesus veränderte
(der obige Aufsatz ist identisch mit dem 2. Teil dieser Ausgabe)
und
Ausgabe Nr. 7 - Jesus und die ersten
Christen waren Vegetarier |
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