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Ausgabe 24/99 |
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Was bringt das neue Jahrtausend? Diese Frage stellt sich mancher - doch beantworten kann sie sich nur jeder selbst. Wohl noch nie - jedenfalls, soweit wir über historische Aufzeichnungen verfügen - stand die Menschheit so am Abgrund wie heute: Klimakatastrophe, Umweltvernichtung, Übervölkerung, soziale Auflösung, Terrorismus und startbereite Atomwaffen ...
Ist es zugleich die Morgenröte eines neuen Zeitalters? Doch: Die Saat für das Morgen wurde gestern gelegt. Wer nach vorne blicken will, sollte also zunächst zurückschauen. Wo stand die Welt im Jahr 1000? Und wo steht sie heute? Vor 1000 Jahren wusste nur eine Minderheit von etwa 30 Millionen der damals auf der Erde lebenden 500 Millionen Menschen überhaupt etwas von einem besonderen Jahr. 30 Millionen - soviel römische Katholiken gab es damals schätzungsweise. Bereits die byzantinischen Christen zählten die Jahre anders. Auch heute feiern Juden, Muslime, Hinduisten und Buddhisten kein neues Jahrtausend - aber sie wissen darum. Denn die "westliche" Lebensart hat sich überall verbreitet. Vor 1000 Jahren war das so genannte christliche Abendland die "dritte Welt" von damals. In Konstantinopel, Bagdad, Angkor, Hangzhou und Kyoto standen große Städte inmitten von Zivilisationen mit hohem Lebensstandard. Im Abendland war um das Jahr 800 Kaiser Karl wohl der einzige in seinem Reich, der mehrere ständig beheizbare Räume in einem Steinhaus bewohnen konnte. Bis zum Jahr 1000 hatte sich daran nicht viel geändert. Die Untertanen, meist leibeigene Bauern, lebten in Holzhütten ohne Kamin - der Rauch zog durch das Dach ab. Tausend Jahre später hat der technische Fortschritt zumindest einem Teil der heute über 6 Milliarden Menschen einen Lebensstandard beschert, der weit über den Karls des Großen hinausgeht. Im Vergleich zu der Mehrzahl der Menschen in Lateinamerika, Afrika oder Asien sind sie jetzt die "Könige". Würden alle so leben wollen, so würden die Ressourcen eines Planeten Erde gar nicht ausreichen - man bräuchte vier oder fünf davon. Vor 1000 Jahren war das Wort "Fortschritt" noch unbekannt. Dieser Begriff kam erst Ende des 18. Jahrhunderts, im Zeitalter der Aufklärung, auf. Heute, 200 Jahre später, ist der Fortschrittsglaube einer Skepsis gewichen: Nicht, ob es technisch-wirtschaftlichen Fortschritt gegeben habe, sei die Frage, schreibt der Soziologe Christoph Kucklick in Geo (Nr. 12/1999), "sondern wie viel mehr wir und die Erde davon verkraften". Die Länder Europas, die diese Art des Fortschritts hervorbrachten, erlebten in den vergangenen 1000 Jahren einen rasanten Aufstieg. Die blutigen Kreuzzüge (1095-1270) brachten zwar nicht die dauerhafte Unterwerfung Arabiens, doch der Konkurrent Roms, Konstantinopel, 1202 von Kreuzrittern erobert, wurde entscheidend geschwächt. In der Mitte des Jahrtausends begann dann die Eroberung Amerikas "im Namen Gottes", die mehr als 100 Millionen Ureinwohner nicht überlebten. Die Europäer zerfleischten sich zwar selbst immer wieder in Glaubenskriegen, dezimierten die eigene Bevölkerung auf Betreiben der Kirche durch Inquisition und Hexenverfolgungen. Doch fast die gesamte Welt geriet im 18. und 19. Jahrhundert unter die Herrschaft der Europäer oder ihrer "Ableger" in Nordamerika. Die "Entwicklungsländer" wurden nach ihrer Unabhängigkeit nicht zuletzt deshalb zur "3. Welt" des 20. Jahrhunderts, weil diese Herrschaftsstrukturen bis heute wirtschaftlich nachwirken. Was waren die Antriebskräfte dieses gewalttätigen Sturmlaufs? Der Kaiser von China sandte im 15. Jahrhundert wohl ausgerüstete Schiffe um die ihm damals bekannte Welt - bis hin nach Afrika. Doch er wollte nichts erobern - Handel und Kontakte waren ihm außerhalb seines Riesenreiches genug. Die Europäer hingegen ließen Waffen sprechen - und sie begründeten dies mit ihrer Religion. Wo stünde Europa heute? "Wo stünde Europa heute, wenn es die Kirche nicht gegeben hätte?" So fragte der Besucher einer Veranstaltung in München, bei der es um die Millionen Opfer der Kirche ging. Es sollte eine rhetorische Frage sein, ganz nach dem Motto: Dann säßen wir doch noch heute auf den Bäumen und würden Wotan anbeten. Ja, wo stünde Europa heute? An Wotan würde es jedenfalls nicht glauben. Denn die germanischen Stämme, die mit Hilfe der Byzantiner und der katholisch gewordenen Franken zum Katholizismus zwangsbekehrt wurden, waren zum großen Teil christliche "Ketzer" - Arianer, die ein durch Origenes vermitteltes ursprüngliches Christentum vermittelt bekommen hatten. Die meisten keltischen und germanischen Stämme verfügten zudem über ein beachtliches Maß an sozialer Organisation: Die Anführer wurden gewählt, ihre Macht war nicht automatisch erblich; der Boden wurde nach sozialen Gesichtspunkten (Familiengröße) zur Nutzung (nicht als Besitz) zugeteilt, Wald und Weide waren Gemeineigentum. Es waren zunächst die Römer, später die katholischen Franken, die diese Organisation nachhaltig zerstörten: Große Landstriche wurden vom König (der seine Macht unter seine Söhne aufteilte) der Kirche oder bestimmten Hauptleuten ("warlords" würde man heute sagen) geschenkt - es entstand der Erbadel; die Massen verelendeten, wurden zu "Kolonen", unfreien Bauern. Sie konnten von ihrem "Herrn" mitsamt dem Boden verliehen, verschenkt, verkauft werden. Zum Teil ging es ihnen noch schlechter als den Sklaven der Antike - denn diese wurden von ihren Herren gekleidet und ernährt und konnten sogar freigelassen werden. Der Karolinger Pippin führte den Kirchenzehnt ein, und schon bald besaßen Kirchen und Klöster mindestens ein Drittel des europäischen Bodens. Die Bauern mussten für alle schuften. Die Kluft zwischen Arm und Reich, unter der wir heute immer noch leiden, bestand schon damals.
An Kultur war da nicht mehr zu denken. Nur wenige deutsche Kaiser konnten lesen und schreiben. Was die Römer an hellenistischen Bildungseinrichtungen übrig gelassen hatten, wurde schon in der Spätantike auf Betreiben der bildungsfeindlichen Kirche vernichtet. Wenn heute die Klöster als die einzigen Stätten gerühmt werden, in denen im Mittelalter Schriftgut weitergegeben wurde, so zeigt das in Wirklichkeit nur, in welcher Abhängigkeit und in welchem Aberglauben die Masse der Bevölkerung gehalten wurde. Bis zur Mitte des Jahrtausends dauerte es, bis durch die Renaissance wieder eine gewisse Gedankenfreiheit in Europa Einzug hielt - vorbereitet durch die freiere Atmosphäre der Städte, die sich selbst organisierten und wieder erste Ansätze von Demokratie entstehen ließen. Es bildete sich eine Art Mittelstand heraus, ein gewisser Wohlstand durch schneller umlaufendes Geld. Aufbegehren gegen Unterdrückung Dass auch in der Bauernschaft das Bewusstsein der eigenen Menschenwürde und der gemeinsamen Kraft trotz Jahrhunderte langer Ausbeutung, trotz Inquisition und Drohung mit "ewiger Verdammnis" nicht völlig verschüttet war, zeigte sich im Bauernkrieg von 1525. Er war in seinen Anfängen durchaus kein Gewaltexzess, sondern ein Widerstand gegen immer drückendere Abgaben unter Berufung auf die im Evangelium niedergelegte göttliche Gerechtigkeit. Kirche und Staat schlugen den Aufstand nieder; Martin Luther, auf den sie gehofft hatten, forderte die Mächtigen sogar zu verschärfter Gewalt gegen sie auf. Es dauerte noch einmal ein Vierteljahrtausend, bevor die Rechtsgleichheit aller Menschen, die schon die Bauern gefordert hatten, und die Menschenrechte in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und in der französischen Revolution endlich zum Durchbruch kamen. Angestaute Unterdrückung brach sich dabei gewaltsam Bahn. Kirchensympathisanten sollten wissen: Was an positiven Werten seit der Aufklärung für einen Teil der Menschheit Realität wurde - Menschenrechte, Gleichberechtigung von Mann und Frau, Bildung für alle - musste gegen den Widerstand der Kirchen durchgesetzt werden. Auch Gewaltlosigkeit, Umweltschutz, Tierschutz sind Werte, die ursprünglich christlich sind - doch die kirchliche Lehre erklärte die Natur zur seelenlosen "Sache" und ermöglichte dadurch erst den rücksichtslosen technischen Fortschritt, der trotz zahlreicher Annehmlichkeiten die Menschheit an den Abgrund der eigenen Zerstörung geführt hat. Das perfekte Chaos Viele Jahrhunderte waren
nötig, ehe sich das "Abendland" aus dem geistigen Würgegriff der Kirchen
befreite - auch wenn die Angst vor einer angeblich ewigen Hölle noch immer vielen in den
Köpfen sitzt. Doch was haben wir aus der neuen Freiheit gemacht? Der technische
Fortschritt ist unbezweifelbar - doch wie steht es um den ethischen Fortschritt?
Tierversuche, Massentierhaltung, Tiertransporte, rücksichtslose Ausbeutung der Wälder -
wenn es in Europa Umweltschutzgesetze gibt, produziert man eben anderswo. Fusionsfieber
mit Arbeitsplatzvernichtung, finanzieller Ruin ganzer Staaten durch westliche Spekulanten.
Das 20. Jahrhundert hat eine Explosion neuer Technologien gebracht - Atomkraft,
Gentechnik, weltweite Vernetzung durch immer neue Massenmedien. Doch viele dieser
Technologien manipulieren oder zerstören die biologische und soziale Umwelt des Menschen,
statt sie zu erhalten oder zu pflegen. Experten haben ausgerechnet, dass wir heute durch
weitere industrielle "Entwicklung" in der Regel mehr ökologische und soziale
Kosten verursachen, als an Einnahmen erwirtschaftet werden. Alle Geschichte mündet in Gott Für Kirchenlehrer Augustinus (354-430) war die Geschichte eine Auseinandersetzung zwischen dem Reich Gottes und dem Reich der Welt - alle Geschichte werde einst in das Reich Gottes münden. Augustinus selbst sorgte jedoch mit der Gleichsetzung des Reiches Gottes mit der Institution der katholischen Kirche, die sich von der Lehre Jesu bereits weit entfernt hatte, mit dafür, dass diese Verheißung nicht eintreten konnte. Mit seiner Befürwortung der Gewalt gegen Andersdenkende lieferte er die Argumente für die spätere Inquisition, die alle Bestrebungen, den Menschen wieder die Orientierung hin zum wahren Reich Gottes, zur inneren Religion, zu geben, durch Jahrhunderte hindurch zunichte machte. An die Stelle der unerfüllten Heilserwartung des himmlischen Jerusalem traten dann in späterer Zeit äußere, säkularisierte (verweltlichte) Vorstellungen - etwa die Lehre des Marxismus oder die moderne Fortschrittsgläubigkeit bis hin zu Eingriffen in die Schöpfungsordnung wie Atomspaltung oder Genmanipulation. Statt sich an den Geboten Gottes zu orientieren, spielt sich der Mensch selbst zum Gott auf. Die Geschichtsphilosophen der Aufklärung wie etwa Hegel strebten an, aus der Geschichte "das Zufällige zu entfernen". Alles sollte durch den Fortschritt berechenbarer, ausgeglichener werden. Doch ausgeglichener und ruhiger kann das Leben des Menschen nur werden, wenn er lernt, im scheinbar Zufälligen das zu erkennen, was ihm jeweils "zufällt" - durch das Gesetz von Saat und Ernte: "Was der Mensch sät, das wir er ernten." Diese Saat kündigt sich zunächst in den Gefühlen und Gedanken des Menschen an. Nur hier, im Inneren jedes einzelnen Menschen, kann eine bessere Welt ihren Ausgang nehmen: Ändert sich der Mensch in seinem Denken und Fühlen, dann ändert sich sein Leben. Und nur jeder selbst kann sich die Frage beantworten, was zu Beginn des neuen Jahrtausends auf ihn zukommen wird: Das, was er selbst eingegeben hat, wie er lebt, und an welchen Zielen er sich orientiert. Die VerheißungAlle Geschichte wird einst
wieder einmünden in Gott. Doch hier auf Erden wird ein Abglanz des Reiches Gottes
entstehen - durch friedfertige Menschen, die Gottes Willen an sich selbst in die Tat
umsetzen. Das war die Botschaft des Nazareners, des größten Gottespropheten. Das ist
auch die Botschaft Christi, der sich am Ende des zweiten Jahrtausends wieder durch
Prophetenmund offenbart. Wann diese Verheißung Wirklichkeit werden wird, liegt an jedem
von uns. Erkennet: Das Reich Gottes auf Erden steht vor der Tür. Ich, Christus, kehre in viele Herzen ein; denn immer mehr Menschen gehen den Weg nach Innen, um sich mit Mir, dem Christus Gottes, zu vereinen. Mein geistiges Kommen kündigt sich nicht nur am Firmament an, sondern zuerst in den Herzen derer, die sich für Mich und das Reich Gottes auf Erden entschieden haben. Aus: Das ist
Mein Wort, S. 662, zu bestellen bei
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die Kirche an: Sie soll sich nicht mehr "christlich" nennen -
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