Das
"Heilige Jahr" wird eröffnet
Ein Grund zum
Jubeln
- für wen?
Nicht nur
eine - nein, gleich vier "Heilige Pforten" wird der "Heilige
Vater" in den nächsten Tagen öffnen. Zwischen dem 24. Dezember
und dem 18. Januar werden diese besonderen Tore an den vier Hauptkirchen
Roms anlässlich des "Jubeljahres" 2000 geöffnet.
Besonderer Effekt: Wer durch diese Tore schreitet, erhält einen "vollkommenen
Ablass", also einen Nachlass seiner "zeitlichen
Sündenstrafen", was immer das auch sein mag.
Was nur die wenigsten wissen werden, die durch eine solche Türe schreiten
(auch in Deutschland gibt es übrigens ähnliche Einrichtungen, etwa an der Grabeskirche
von Deggendorf): Bereits die römischen Kaiser öffneten und schlossen feierlich
"heilige Pforten" vor allem die des Gottes Janus auf dem Forum Romanum. Sie
schlossen die Pforte immer dann, wenn der Friede im Reich eingekehrt war. Kam der Krieg,
wurde sie wieder geöffnet.

Wussten Sie schon, dass die "heilige Pforte" aus dem Heidentum stammt? Gab es
Krieg in Rom, wurde sie geöffnet.
Heute wird zum Angriff auf die Geldbeutel der Pilger geblasen. Auf die
Idee, diese Zeremonie mit einem "Ablass" zu verknüpfen und die
Spendenbereitschaft der Untertanen dadurch gezielt zu fördern, kamen die römischen
Kaiser nicht. Da haben ihre Nachfolger als Träger des Titels des heidnischen
Oberpriesters ("Pontifex maximus") ihnen einiges an Geschäftstüchtigkeit
voraus. Als Papst Bonifatius VIII. im Jahr 1300 das erste "Jubeljahr" verkündete, waren
zwei Mönche Tag und Nacht damit beschäftigt, die Geldspenden der Pilger mit großen
Rechen auf die Seite zu schaffen.
Papst Johannes Paul II. beruft sich, wie seine Vorgänger, beim Ausrufen
des "Jubeljahres" auf die Tradition des alten Testamentes. Doch nach den
Aussagen aus den Büchern Mose war ein solches Jubeljahr dazu da, um in regelmäßigen
Abständen Schulden zu erlassen und Grundbesitz zurückzugeben. Im Buch Mose wird zum
Geben aufgefordert - die Kirche nimmt.
Das "Heilige Jahr" zeigt aber auch, wie wenig den Vatikan die
angebliche Versöhnung mit den Lutheranern wirklich kümmert. Der Ablasshandel war mit ein
Auslöser zur Reformation. Nun haben sich beide Kirchen darauf geeinigt: "Der Glaube
allein genügt." Rein zu werden, ist jetzt offenbar eine Sünde, denn Luther sagte
ja: "Glaube tapfer, aber sündige noch tapferer." Wenn sich auch die katholische
Kirche auf diese Weise rechtfertigen lässt, braucht man dann wirklich noch das Ablasstor?
Offensichtlich ja. Denn wer durch die Ablasspforte geht, lässt in der Regel auch von
seinem Bankkonto einiges ab. Die römisch-katholischen Lutheraner sind sicherlich
willkommen.
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