Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Extrablatt 1/99:
"Das NATO-
Christentum"

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Der Balkan: "Die Wiege des Krieges"

Das Kosovo - ein Jahrhunderte alter Brandherd

"Der Balkan ist die Wiege des Krieges" ("the cradle of war"), sagte 1991 der damalige amerikanische Außenminister Baker zu Präsident Reagan - und riet ihm ab, in den Konflikt zwischen Serbien, Kroatien und Slowenien einzugreifen. Die Auseinandersetzung um das Kosovo (Amselfeld) zeigt auf, wie weit die religiösen und ethnischen Wurzeln eines solchen Konfliktes in die Vergangenheit zurückreichen.

Ab ca. 1180: Serbische Könige schaffen auf kriegerische Weise einen serbischen Staat mit dem Kosovo als Zentrum. Sie errichten dort über 1000 Bauwerke wie Kirchen und Klöster.

1389: In der Schlacht auf dem Amselfeld treffen türkische Reiter und eine Streitmacht unter serbischer Führung aufeinander. Beide Heerführer sterben. Serbien ist ausgeblutet und gerät für 500 Jahre unter türkische und damit islamische Herrschaft.

1689: Ein serbischer Aufstand scheitert, Tausende von Serben wandern nach Norden aus. Die Türken siedeln im Kosovo Albaner an, die die letzten zurückgebliebenen Serben vertreiben oder umbringen.

1913: Im Balkankrieg werden die Türken aus Europa vertrieben. Serbien erobert das Kosovo zurück, unterdrückt in den folgenden Jahren Aufstände der Albaner mit Gewalt, siedelt wieder eigene Landsleute dort an.

1942: Deutsche Truppen marschieren in Albanien ein und errichten für kurze Zeit ein "Großalbanien". Nun werden wieder Serben vertrieben.

1974: Nachdem er in den Jahren zuvor albanische Aufstände unterdrückt hatte, gewährt Tito den Albanern Autonomie innerhalb der serbischen Teilrepublik Jugoslawiens. Nach Titos Tod nützen die Albaner diese Autonomie aus, um Tausende von Serben durch Schikanen und Terror zum Abwandern zu veranlassen.

1989: Der serbische Präsident Milosevic verkündet anlässlich des 600. Jahrestags der Schlacht auf dem Amselfeld, dass Serbien das Kosovo nicht aufgeben wird. Die Autonomie wird aufgehoben. Nun werden die überwiegend muslimischen Albaner von den orthodoxen Serben schikaniert und terrorisiert; Albaner antworten in den folgenden Jahren mit Gegenterror gegen die im Kosovo verbliebene serbische Minderheit (ca. 10 %).

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Wer erklärt ihnen, warum sie vertrieben werden?

"Da gibt es keine Guten und Bösen, sondern nur Starke und Schwache, und wehe den Schwachen auf dem Balkan", so Peter Scholl-Latour in der Welt. Der wahrhaft Starke würde jedoch den ersten Schritt auf seinen Nächsten zutun und sich mit ihm versöhnen, wie es gerade Christen geboten wäre. Aber man kann Völker nicht dazu zwingen, die Vergangenheit zu bereinigen und sich zu versöhnen - schon gar nicht mit Gewalt. "Wer die Geschichte des Balkans studiert, sieht, dass dieser Kampf seit rund 600 Jahren besteht", schreibt Henry Kissinger in Facts. "Er kann nicht mit einer einzelnen Militärkampagne beendet werden."

Bill Clinton und Gerhard Schröder schienen es besser wissen zu wollen als der vormalige US-Außenminister James Baker. Mit der Vernichtungsenergie des militärisch Stärkeren gewann man den Krieg und hält seither die ungelösten Konflikte unter dem Teppich.


 



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