Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

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"Untergang des Abendlandes"

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Die Kirchen und der Krieg

Was würde Christus dazu sagen?

Die Kirchen geben sich vordergründig friedensbewegt. Im Ernstfall rechtfertigen sie jedoch mit viel Wenn und Aber die Kriege. Für das Opfer ist es einerlei, ob ihm mit oder ohne kirchliches Zaudern der Leib zerfetzt oder die Existenz zerstört wurde. Mit Jesus von Nazareth und seiner Friedensethik hat die Lehre der Kirche nichts zu tun - die vielen scheinheiligen Worte der Kirchenführer können das nicht vertuschen.

Einst kamen die Milizen des Diktators Herodes mit schwerer Bewaffnung heran, um Jesus von Nazareth gefangen zu nehmen. Es war klar, dass ihn ein schreckliches Schicksal erwartete - mit schwerwiegenden Folgen auch für die Menschen, die auf Jesus ihre Hoffnung setzten. Da entschloss sich Petrus zu einer humanitären Intervention und zog sein Schwert.

mittelalterliche Darstellung der Kreuzzüge

Auch ein "gerechter Krieg"? Die Kreuzzüge, die
zwei Millionen Menschen das Leben kosteten,
wurden auch schon "humanitär" begründet ...

So könnte der biblische Bericht über die Gefangennahme Jesu heute lauten. Wir wissen, was Jesus in diesem Augenblick höchster Gefahr zu seinem Jünger sagte: "Stecke dein Schwert zurück an seinen Ort. Denn wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen."

Für die frühen Christen war noch klar, was Jesus damit gemeint hatte: Ein Christ tötet nicht. "In Übereinstimmung mit den neutestamentlichen Tötungsverboten wurde im Christentum der ersten drei Jahrhunderte nirgends der Kriegsdienst erlaubt. Mit Konstantin wurde dann plötzlich alles anders. "Wer die Waffen wegwarf, wurde ausgeschlossen. Vordem schloss man aus, wer sie nicht wegwarf" (Der Historiker Karlheinz Deschner).

Dass Gewalt Gegengewalt erzeugt und damit neue Ursachen setzt, die irgendwann zur Wirkung gelangen und wieder auf den Verursacher zurückfallen, wurde systematisch aus dem Bewusstsein der Gläubigen ausgeblendet.

So sagt heute Bischof Karl Lehmann, Vorsitzender der deutschen katholischen Bischofskonferenz, zum Kosovo-Krieg: "Wir anerkennen die humanitären Ziele dieser Intervention." Es gebe offenbar Situationen, "in denen die Würde und die Rechte der Menschen mit Gegenwehr verteidigt werden müssten." Der Münchner Kardinal Wetter ist derselben Meinung: "Es kann auch geboten sein, wehrlose Menschen aus der Gewalt von machtbesessenen Tyrannen zu befreien, die in ihrer Menschlichkeit so verkümmert sind, dass sie nur noch die Sprache der Gewalt verstehen." Wo und wann lehrte Jesus, der Christus, die "Sprache der Gewalt"?

Die Stellungnahmen der lutherischen Bischöfe sind geprägt von der Zwei-Reiche-Lehre Martin Luthers, wonach die weltliche Macht Gewalt einsetzen darf und muss. "Auch wenn ‘militärische Gewalt’ den Verantwortlichen als ‘letztes Mittel’ gilt, um den Verbrechen gegen die Menschlichkeit ein Ende zu bereiten, bleiben sie nicht ohne Schuld", sagt der Präses der EKD, Manfred Kock. In diesem Fall gilt folgendes Lutherwort als Trost: "Sei ein starker Sünder, aber umso stärker erfreue dich in Christus" "Mit diesem erlösenden Satz", so der lutherische Theologe und Journalist Dr. Uwe Siemon-Netto, "sollten Feldgeistliche auf dem Balkan jeden Morgen den Soldaten Trost zusprechen."

Der bayerische Landesbischof Hermann von Loewenich benutzt zur Rechtfertigung des Krieges die Sprache der Politik und sagt: "Ich habe gutgeheißen, dass man dem Völkermord nach langen erfolglosen Verhandlungen mit militärischen Mitteln begegnet." Peter Scholl-Latour, warnt: "Mit dem Ausdruck ‘Völkermord’ sollte man nach Auschwitz und Treblinka extrem zurückhaltend umgehen."

Jesus sagte: "Eure Rede sei Ja, ja - Nein, nein. Alles andere ist von Übel." Er sprach nicht von Ausnahmen, "äußersten Mitteln", von Einerseits - Anderseits und dergleichen.

Nur einer hält sich diesmal auffällig zurück: der Papst in Rom. Beide Seiten sollten die Waffen ruhen lassen, so seine Aussage. 1995 hatte er bezüglich des Krieges in Bosnien noch von einem "gerechten Krieg" gesprochen - kurz bevor die Kroaten 200.000 Serben aus der Krajna vertrieben. Während des Golfkrieges 1991 sagte der Papst: "Wir sind keine Pazifisten." Und in der Tat: Die Lehre vom "gerechten" Krieg steht bis heute im katholischen Katechismus. Aber nicht nur das: Die katholische Kirche gehört seit der Völkerwanderungszeit zu den größten Kriegstreibern der Weltgeschichte. Sie hetzte Byzantiner gegen Ostgoten und Wandalen, Kreuzritter gegen Sarazenen und Katharer - und im 20 Jahrhundert drängte der "Heilige Stuhl" die Habsburger 1914 energisch zum Kriegseintritt gegen Serbien. Während des zweiten Weltkriegs sah der Vatikan tatenlos zu, wie im katholischen Kroatien unter Beteiligung zahlreicher Priester und Mönche eine Dreiviertelmillion Serben massakriert wurde. Deutsche Bischöfe beider Konfessionen stimmten die Soldaten beider Weltkriege "moralisch" für den Kampf gegen den Feind ein, und das bis kurz vor Kriegsende. In den fünfziger Jahren gehörte der Vatikan zu den ersten Befürwortern einer Wiederbewaffnung Deutschlands.

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Wenn der Vatikan sich jetzt zurückhält, so muss man dahinter eher taktische Gründe vermuten. Hat es damit zu tun, dass innerhalb des NATO-Bündnisses, divergierende Interessen zwischen Europa und Amerika zugrunde liegen? In diesem Fall würde der Vatikan sicher auf der Seite Europas stehen - schließlich propagiert der Papst schon seit langem die Schaffung eines christlichen (sprich: katholischen) Europas. Dazu gehört auch der Kampf gegen den orthodoxen Osten, den die Kirche seit Jahrhunderten führt.
 

Deutschland: Das Schwert der Kirche

"Deutschland muss einmal das Schwert der katholischen Kirche werden."

(Papst Leo XIII. zu Kaiser Wilhelm II., 1888 in Rom - zit. nach Walter Löhde, "Das päpstliche Rom und das deutsche Reich")

 

Früher zogen sie selbst ins Feld

Im Mittelalter waren viele Bischöfe zugleich Krieger und zogen mit ihren Reitern persönlich ins Feld. Dies galt auch für die weltlichen Herrscher.

Wie wäre es, wenn die Politiker und Kirchenmänner, die heute den Krieg befürworten, selbst an die Front gehen würden?


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