Wird hier der Untergang des Abendlandes eingeleitet?
Bürgerkriegsparteien werden
nur noch mehr angeheizt
Seit vier
Wochen bombardiert die NATO ein Land Europas in Trümmer.
"Um die Menschenrechte zu schützen" - behaupten die
NATO-Verantwortlichen. In Wirklichkeit erreichen sie das Gegenteil: Der
fatale Kurs der NATO im Kosovo-Krieg: Kein einziger Albaner und kein
einziger Serbe wurde vor Mord oder Vertreibung geschützt, sondern das
Wüten der Bürgerkriegsparteien wurde noch angeheizt. Der Krieg
verschärft die Lage im Kosovo. Über 50 Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs
beginnt man in Europa wieder damit, Probleme mit Kriegen lösen zu
wollen. Und die NATO beteiligt sich in immer größerem Ausmaß
selbst am Töten. Auch die Zivilbevölkerung bleibt vor ihren Bomben nicht
mehr verschont. Doch die Herren der neuen Weltordnung nach
amerikanischem Muster bomben weiter und sprechen dabei von einer "humanitären
Aktion". Doch wird auf diese Weise nicht der Untergang des
Abendlandes eingeleitet? Der nächste große Krieg würde vermutlich der
letzte sein.

Durch Zerstörung Frieden schaffen? Inzwischen
werden auch jene getroffen, die man beschützen will - wie hier in der serbischen
Kleinstadt Aleksinac.
Kommt der dritte
Weltkrieg?
Ein unverantwortliches militärisches Abenteuer nimmt seinen
absurden Lauf: Im Herbst vergangenen Jahres drohte man dem Diktator von Belgrad am
Verhandlungstisch mit Krieg, obwohl man wusste, dass er sich dadurch nicht beeindrucken
lässt. Als er den Vertragsentwurf von Rambouillet, dessen militärischer Anhang einem
Besatzungsstatut zugunsten der NATO gleichkam, nicht unterschrieb, machten Madeleine
Albright und Kollegen ihre leichtfertigen Drohungen wahr, "um das Gesicht nicht zu
verlieren". Man begann mit "militärischen Luftschlägen" (das unfeine Wort
Krieg nehmen die Humanisten der NATO nur ungern in den Mund) - und verrechnete sich
erneut: Der Desperado von Belgrad opfert lieber sein Land, als aufzugeben und auf die
brutale Vertreibung der Albaner zu verzichten.
Also bombt die NATO-Armada weiter - um "das Gesicht nicht zu
verlieren". Jetzt sterben auch Menschen, die man schützen wollte, unter dem
Bombenhagel ihrer Beschützer. Längst geht es nicht mehr um die Menschenrechte. Sie
spielen nur mehr auf Pressekonferenzen und in Parlamentsreden eine Rolle: Auf dem
Schlachtfeld hat man sie längst verloren und verletzt die Menschenrechte selbst. Das
heroische Kriegsziel wurde gründlich verfehlt; doch man kann mit dem Kriegführen auch
jetzt nicht aufhören, denn man würde erneut "sein Gesicht verlieren". Also
ändert man das Ziel der "Kampagne" (wie die NATO-Strategen ihren Krieg
beschönigend nennen): Jetzt will man den Despoten von Belgrad "besiegen".
Aber dazu muss man in sein Land einmarschieren. Das will man natürlich
nicht, aber man wird es wohl tun - wiederum um "das Gesicht nicht zu verlieren".
Die "humanitäre Aktion", die sie nie war, wird zu einem mörderischen Krieg von
Rechthabern, bei dem sich der omnipotente Kriegsherr in Washington mit seinen
Hilfssheriffs in Bonn und London in die Rolle eines vom Völkerrecht unabhängigen
Weltherrschers hineinbomben will. In einigen Wochen, spätestens nach dem NATO-Einmarsch
in Jugoslawien, wird man Russland begegnen - nicht mehr auf diplomatischem Parkett,
sondern als Waffenlieferanten Milosevics oder gar unmittelbar auf dem
Kriegsschauplatz eines europäischen Vietnam. Dann kann uns nur mehr ein Wunder vor dem
dritten Weltkrieg retten.
Der Weg in den Abgrund
Doch ein solches Wunder,
das göttlicher Hilfe bedürfte, wird nicht geschehen, wenn sich unser Handeln immer
weiter von den Geboten Gottes entfernt: Von dem Gebot "Du sollst nicht töten",
von der Lehre Jesu, unter keinen Umständen zum Schwert zu greifen, von den
Friedensgeboten des Völkerrechts und des deutschen Grundgesetzes, dessen Defensivkonzept
einen Angriffskrieg verbietet. Wir reagieren statt dessen auf Unrecht mit neuem Unrecht,
auf Gewalt mit Gegengewalt, und wir töten, um unser Prestige zu wahren. Die Logik des
Krieges erscheint uns zwingender als die Logik der Bergpredigt, von deren Urheber das
"christliche Abendland" seinen Namen herleitet.
Doch Jesus von Nazareth wurde schon früh verraten. Nur 300 Jahre lang
hielten die Christen an seiner Lehre fest und verweigerten jeden Kriegsdienst. "Wir
ziehen nicht mehr das Schwert gegen irgendein Volk und lernen, nicht mehr zu
kriegen", schrieb der große frühchristliche Lehrer Origenes, den die Kirche später
verketzerte. Bereits im Jahr 312 wurden die Christen korrumpiert, von dem römischen
Kaiser Konstantin, der seinen Sieg in der Schlacht an der milvischen Brücke dem
"Christengott" zuschreiben wollte und die neue Religion als politischen
Machtfaktor missbrauchte. Auf den Schildern seiner Krieger tauchte das Zeichen des
Friedensfürsten von Nazareth auf. Und dann ging es weiter bergab: Ende des 5. Jahrhunderts
ließ die Kirche den katholischen Glauben vom Frankenkönig Chlodwig mit Feuer und Schwert
verbreiten; Ende des 8.Jahrhunderts "christianisierte" Karl der Große mit
brutalen Massakern die Sachsen.
Einige Jahrhunderte später riefen die Päpste zu ihren blutigen
Kreuzzügen auf. Das christliche Abendland versank unter kirchlicher Führung in Blut und
Tränen. "Gerechte Kriege" und "humanitäre Aktionen" prägten seine
Geschichte: Christen ermordeten Christen (Manichäer, Katharer und andere
"Ketzer"), Christen massakrierten Muslime, und Katholiken und Protestanten
lieferten sich einen dreißigjährigen Krieg. Die Kirchen hetzten und segneten die
Kämpfer bis hinein in den zweiten Weltkrieg. Auf den Koppeln der Soldaten Hitlers stand
wieder "Gott mit uns" - wie schon bei Kaiser Konstantin.
Die Kirchen und die von ihnen Verführten hatten Jesus von Nazareth
längst vergessen. Kein Wunder, dass sie es auch heute tun. Sie distanzieren sich nicht
vom Krieg der NATO-Christen, sondern bieten moralischen Rückhalt. Das "christliche
Abendland" besiegelt endgültig seinen Untergang. Der deutsche Bundeskanzler
schwärmt von einem "atlantischen Europa" und feiert bei der Eröffnung des
Berliner Reichstags das Bombardement auf Jugoslawien mit den Worten eines albanischen
Dichters als einen "Gründungsakt", durch den "Europa zum Europa der
Menschen wird".
Die Süddeutsche Zeitung
spricht von einer "Berliner Minute, vor der man erschrecken konnte. Europa wird nicht
zum Europa von Menschen, indem man den Menschen Bomben auf den Kopf
wirft". Europa wird zum Gespensterhaus, und seine Regierenden scheinen von einem Wahn
befallen, der in den Untergang führt, wenn ihn die Völker nicht stoppen.
Die Alternative
Lassen wir uns nicht von den Grausamkeiten der serbischen Miliz zu
irrationalen Reaktionen verleiten! Durch Bomben sind sie jedenfalls nicht zu stoppen, auch
nicht durch Bodentruppen, die in einen grausamen Partisanenkrieg hinein stolpern würden.
Und: Glauben wir auch nicht, dass "der einzelne machtlos" sei.
Besinnen wir uns auf das, was wirklich christlich ist: Nicht "gerechte Kriege"
zu führen, sondern Frieden zu schließen. Fangen wir damit in unserem ganz persönlichen
Alltag an - gegenüber den Menschen in unserem unmittelbaren Umfeld. Gefühle und Gedanken
sind Energien, die die Welt verändern - zum Bösen wie zum Guten. Erinnern wir uns, was
Gott zu Abraham sagte, als er ihm versprach, Sodom zu retten, wenn auch nur zehn Gerechte
darin wohnen. Wenn auch nur einige tausend Menschen wirklich umkehren - es könnte eine
positive Lawine ins Rollen kommen, und die Zeichen der Zeit, die am Horizont aufziehen,
würden sich verändern.
Das ist die wahre Alternative zum Krieg, nach der heute so viele ratlos
fragen. Das wäre die Alternative von Christen, die diesen Namen führen wollen. Sie
wissen, dass Gott mit allen Menschen ist, die Seinen Willen tun; dass Er durch diejenigen
wirksam wird, die sich bemühen, Seine Gebote zu halten.
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