Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Extrablatt 2/99:
"Untergang des Abendlandes"

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Wird hier der Untergang des Abendlandes eingeleitet?

Bürgerkriegsparteien werden
nur noch mehr angeheizt

Seit vier Wochen bombardiert die NATO ein Land Europas in Trümmer. "Um die Menschenrechte zu schützen" - behaupten die NATO-Verantwortlichen. In Wirklichkeit erreichen sie das Gegenteil: Der fatale Kurs der NATO im Kosovo-Krieg: Kein einziger Albaner und kein einziger Serbe wurde vor Mord oder Vertreibung geschützt, sondern das Wüten der Bürgerkriegsparteien wurde noch angeheizt. Der Krieg verschärft die Lage im Kosovo. Über 50 Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs beginnt man in Europa wieder damit, Probleme mit Kriegen lösen zu wollen. Und die NATO beteiligt sich in immer größerem Ausmaß selbst am Töten. Auch die Zivilbevölkerung bleibt vor ihren Bomben nicht mehr verschont. Doch die Herren der neuen Weltordnung nach amerikanischem Muster bomben weiter und sprechen dabei von einer "humanitären Aktion". Doch wird auf diese Weise nicht der Untergang des Abendlandes eingeleitet? Der nächste große Krieg würde vermutlich der letzte sein.

Kriegszerstörung in Serbien

Durch Zerstörung Frieden schaffen? Inzwischen werden auch jene getroffen, die man beschützen will - wie hier in der serbischen Kleinstadt Aleksinac.

Kommt der dritte Weltkrieg?

Ein unverantwortliches militärisches Abenteuer nimmt seinen absurden Lauf: Im Herbst vergangenen Jahres drohte man dem Diktator von Belgrad am Verhandlungstisch mit Krieg, obwohl man wusste, dass er sich dadurch nicht beeindrucken lässt. Als er den Vertragsentwurf von Rambouillet, dessen militärischer Anhang einem Besatzungsstatut zugunsten der NATO gleichkam, nicht unterschrieb, machten Madeleine Albright und Kollegen ihre leichtfertigen Drohungen wahr, "um das Gesicht nicht zu verlieren". Man begann mit "militärischen Luftschlägen" (das unfeine Wort Krieg nehmen die Humanisten der NATO nur ungern in den Mund) - und verrechnete sich erneut: Der Desperado von Belgrad opfert lieber sein Land, als aufzugeben und auf die brutale Vertreibung der Albaner zu verzichten.

Also bombt die NATO-Armada weiter - um "das Gesicht nicht zu verlieren". Jetzt sterben auch Menschen, die man schützen wollte, unter dem Bombenhagel ihrer Beschützer. Längst geht es nicht mehr um die Menschenrechte. Sie spielen nur mehr auf Pressekonferenzen und in Parlamentsreden eine Rolle: Auf dem Schlachtfeld hat man sie längst verloren und verletzt die Menschenrechte selbst. Das heroische Kriegsziel wurde gründlich verfehlt; doch man kann mit dem Kriegführen auch jetzt nicht aufhören, denn man würde erneut "sein Gesicht verlieren". Also ändert man das Ziel der "Kampagne" (wie die NATO-Strategen ihren Krieg beschönigend nennen): Jetzt will man den Despoten von Belgrad "besiegen".

Aber dazu muss man in sein Land einmarschieren. Das will man natürlich nicht, aber man wird es wohl tun - wiederum um "das Gesicht nicht zu verlieren". Die "humanitäre Aktion", die sie nie war, wird zu einem mörderischen Krieg von Rechthabern, bei dem sich der omnipotente Kriegsherr in Washington mit seinen Hilfssheriffs in Bonn und London in die Rolle eines vom Völkerrecht unabhängigen Weltherrschers hineinbomben will. In einigen Wochen, spätestens nach dem NATO-Einmarsch in Jugoslawien, wird man Russland begegnen - nicht mehr auf diplomatischem Parkett, sondern als Waffenlieferanten Milosevics oder gar unmittelbar auf dem Kriegsschauplatz eines europäischen Vietnam. Dann kann uns nur mehr ein Wunder vor dem dritten Weltkrieg retten.

Der Weg in den Abgrund

Doch ein solches Wunder, das göttlicher Hilfe bedürfte, wird nicht geschehen, wenn sich unser Handeln immer weiter von den Geboten Gottes entfernt: Von dem Gebot "Du sollst nicht töten", von der Lehre Jesu, unter keinen Umständen zum Schwert zu greifen, von den Friedensgeboten des Völkerrechts und des deutschen Grundgesetzes, dessen Defensivkonzept einen Angriffskrieg verbietet. Wir reagieren statt dessen auf Unrecht mit neuem Unrecht, auf Gewalt mit Gegengewalt, und wir töten, um unser Prestige zu wahren. Die Logik des Krieges erscheint uns zwingender als die Logik der Bergpredigt, von deren Urheber das "christliche Abendland" seinen Namen herleitet.

Doch Jesus von Nazareth wurde schon früh verraten. Nur 300 Jahre lang hielten die Christen an seiner Lehre fest und verweigerten jeden Kriegsdienst. "Wir ziehen nicht mehr das Schwert gegen irgendein Volk und lernen, nicht mehr zu kriegen", schrieb der große frühchristliche Lehrer Origenes, den die Kirche später verketzerte. Bereits im Jahr 312 wurden die Christen korrumpiert, von dem römischen Kaiser Konstantin, der seinen Sieg in der Schlacht an der milvischen Brücke dem "Christengott" zuschreiben wollte und die neue Religion als politischen Machtfaktor missbrauchte. Auf den Schildern seiner Krieger tauchte das Zeichen des Friedensfürsten von Nazareth auf. Und dann ging es weiter bergab: Ende des 5. Jahrhunderts ließ die Kirche den katholischen Glauben vom Frankenkönig Chlodwig mit Feuer und Schwert verbreiten; Ende des 8.Jahrhunderts "christianisierte" Karl der Große mit brutalen Massakern die Sachsen.

Einige Jahrhunderte später riefen die Päpste zu ihren blutigen Kreuzzügen auf. Das christliche Abendland versank unter kirchlicher Führung in Blut und Tränen. "Gerechte Kriege" und "humanitäre Aktionen" prägten seine Geschichte: Christen ermordeten Christen (Manichäer, Katharer und andere "Ketzer"), Christen massakrierten Muslime, und Katholiken und Protestanten lieferten sich einen dreißigjährigen Krieg. Die Kirchen hetzten und segneten die Kämpfer bis hinein in den zweiten Weltkrieg. Auf den Koppeln der Soldaten Hitlers stand wieder "Gott mit uns" - wie schon bei Kaiser Konstantin.

Die Kirchen und die von ihnen Verführten hatten Jesus von Nazareth längst vergessen. Kein Wunder, dass sie es auch heute tun. Sie distanzieren sich nicht vom Krieg der NATO-Christen, sondern bieten moralischen Rückhalt. Das "christliche Abendland" besiegelt endgültig seinen Untergang. Der deutsche Bundeskanzler schwärmt von einem "atlantischen Europa" und feiert bei der Eröffnung des Berliner Reichstags das Bombardement auf Jugoslawien mit den Worten eines albanischen Dichters als einen "Gründungsakt", durch den "Europa zum Europa der Menschen wird".

Die Süddeutsche Zeitung spricht von einer "Berliner Minute, vor der man erschrecken konnte. Europa wird nicht zum ‘Europa von Menschen’, indem man den Menschen Bomben auf den Kopf wirft". Europa wird zum Gespensterhaus, und seine Regierenden scheinen von einem Wahn befallen, der in den Untergang führt, wenn ihn die Völker nicht stoppen.

Die Alternative

Lassen wir uns nicht von den Grausamkeiten der serbischen Miliz zu irrationalen Reaktionen verleiten! Durch Bomben sind sie jedenfalls nicht zu stoppen, auch nicht durch Bodentruppen, die in einen grausamen Partisanenkrieg hinein stolpern würden.

Und: Glauben wir auch nicht, dass "der einzelne machtlos" sei. Besinnen wir uns auf das, was wirklich christlich ist: Nicht "gerechte Kriege" zu führen, sondern Frieden zu schließen. Fangen wir damit in unserem ganz persönlichen Alltag an - gegenüber den Menschen in unserem unmittelbaren Umfeld. Gefühle und Gedanken sind Energien, die die Welt verändern - zum Bösen wie zum Guten. Erinnern wir uns, was Gott zu Abraham sagte, als er ihm versprach, Sodom zu retten, wenn auch nur zehn Gerechte darin wohnen. Wenn auch nur einige tausend Menschen wirklich umkehren - es könnte eine positive Lawine ins Rollen kommen, und die Zeichen der Zeit, die am Horizont aufziehen, würden sich verändern.

Das ist die wahre Alternative zum Krieg, nach der heute so viele ratlos fragen. Das wäre die Alternative von Christen, die diesen Namen führen wollen. Sie wissen, dass Gott mit allen Menschen ist, die Seinen Willen tun; dass Er durch diejenigen wirksam wird, die sich bemühen, Seine Gebote zu halten.

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Öffentliche Aufrufe helfen nur weiter, wenn wir zugleich im Inneren umkehren: Indem wir uns fragen, wen wir in Gedanken oder durch Worte vertrieben und auf wen wir mit unseren Aggressionen "Bomben" geworfen haben; indem wir bereuen, was wir anderen angetan haben; indem wir unserem Nächsten vergeben, wenn er uns verletzt hat. Wenn immer mehr Menschen dies tun - und das kann jeder von uns - dann wächst eine Friedensmacht, vor der die Kriegsgespenster machtlos werden. Tun wir es nicht, gehen in Europa erneut die Lichter aus. Es würde noch dunkler werden als 1914 und 1939. Der dritte Weltkrieg wäre vermutlich der letzte.


 



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