Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Extrablatt 2/99:
"Untergang des Abendlandes"

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Wie die deutsche Vergangenheit "entsorgt" wird

Gewissensberuhigung durch starke Worte

"Sie treiben sie ins KZ" - eine peinliche Überschrift. Denn die in Bild abgebildeten Menschen waren in Wirklichkeit vertriebene Kosovo-Albaner, die bereits den Weg nach Mazedonien geschafft hatten. "Verteidigungs"-Minister Scharping hatte am Tag zuvor tatsächlich behauptet, es lägen Informationen über ein KZ im Kosovo vor. Diese konnten jedoch seither nicht bestätigt werden.

Titelseite der BILD-Zeitung

Diese Menschen sind nicht auf dem Weg "ins KZ" -
Es sind albanische Flüchtlinge in Mazedonien
.

Vergleiche mit dem Dritten Reich haben jedenfalls Hochkonjunktur. Scharping spricht von "Völkermord", obwohl es sich - schlimm genug - um eine Vertreibung handelt, einhergehend mit der Ermordung bestimmter Bevölkerungsteile. Außenminister Fischer vergleicht Milosevic mit Hitler und Stalin, ein Journalist zählt ihn zu den "größten Verbrechern des Jahrhunderts". Sicherlich handelt es sich um einen kaltblütigen Machthaber, der viele Menschen auf dem Gewissen hat. Doch solche Gestalten sind in unserem Jahrhundert allein in Europa im Dutzend zu finden.

Peter Scholl-Latour äußerte in Panorama den Verdacht, dass die Regierenden versuchen, ihre (teilweise verunsicherte) Anhängerschaft durch besonders starke Begriffe "bei der Stange zu halten". Vielleicht versucht das deutsche Unterbewusstsein sich auch etwas "Erleichterung" zu verschaffen, indem es die Schlüsselworte eigener schuldhafter Vergangenheit auf die neuen Gegner überträgt und dadurch "entsorgt", wie Klaus Thörner (Konkret) sarkastisch vermerkt.

Doch so findet auf beiden Seiten eine Aufheizung der Emotionen statt: Die Bombenabwürfe über Jugoslawien führen zu einer Fanatisierung ohnehin gewaltbereiter Menschen. Die sensationslüsterne Berichterstattung in den Medien führt in den westlichen Ländern ebenfalls zu einer Aufheizung. Eventuell noch vorhandene Zweifel am Sinn und der Berechtigung einer solchen Aktion werden verdrängt: "Man muss ja mal draufschlagen". Und jeder kann eigene Aggressionen mit auf die "Feinde" projizieren und dort "bekämpfen".

Dass es einfacher ist, die Fehler beim anderen zu suchen als bei sich selbst, lehrte schon Jesus von Nazareth. Ein Krieg in den Medien verstärkt die Neigung, den Balken im eigenen Auge zu übersehen. Anderseits kann er dem, der wachsam ist, auch etwas über die eigenen Gefühle verraten - weil sie eher nach oben kommen. Doch das setzt voraus, dass man nicht mit der Masse denkt und nachbetet, was die politischen Meinungsführer vorsprechen.

Überraschenderweise sind es beim Kosovokrieg einige der Angehörigen der Kriegsgeneration, die vor diesem Waffengang gewarnt haben: Helmut Schmidt (SPD) zum Beispiel, oder Alfred Dregger (CDU). Sie wissen offenbar, was deutsche Truppen auf dem Balkan erwarten würde. Andererseits sind es ehemalige Friedenskämpfer, die jetzt für den Krieg eintreten. "Dem Soziologen Ulrich Beck wird ein bisschen bange ‘vor dem humanitären Glitzern in den Augen der Weltverbesserer’, die die NATO für den ‘militärischen Arm von amnesty international’ halten" (Stern). Hat ihnen niemand erklärt, dass man nie den anderen verändern kann, schon gar nicht mit Gewalt, sondern nur sich selbst?

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An den Schaltstellen der Macht sitzen jedenfalls Leute, die selbst nie beim Militär waren, jetzt aber andere in den Krieg schicken. Dies trifft in Deutschland auf Schröder und Fischer ebenso zu wie in Amerika auf Bill Clinton. Letzterer fällte die Entscheidung zum Einsatz des Militärs offenbar gegen die Meinung wichtiger Berater, die ihn vor den Risiken eines solchen Abenteuers warnten. Seine Außenministerin Albright habe ihn jedoch im Zuschlagen bestärkt, wird verbreitet. Was treibt diesen Mann um? Will er der Welt beweisen, wie mächtig Amerika inzwischen ist?

Obwohl doch an ihrer Supermachtstellung niemand mehr zweifelt? Will er sich durch den Bombenkrieg ein für allemal von den Fesseln des Völkerrechts befreien, die einem Weltherrscher nur hinderlich sind? Oder will er durch seinen kriegerischen Aktionismus erneut von seinen privaten Schwierigkeiten ablenken?


 



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