Vergleiche mit dem Dritten Reich
haben jedenfalls Hochkonjunktur. Scharping spricht von "Völkermord", obwohl es
sich - schlimm genug - um eine Vertreibung handelt, einhergehend mit der Ermordung
bestimmter Bevölkerungsteile. Außenminister Fischer vergleicht Milosevic mit Hitler und
Stalin, ein Journalist zählt ihn zu den "größten Verbrechern des
Jahrhunderts". Sicherlich handelt es sich um einen kaltblütigen Machthaber, der
viele Menschen auf dem Gewissen hat. Doch solche Gestalten sind in unserem Jahrhundert
allein in Europa im Dutzend zu finden.
Peter Scholl-Latour äußerte in Panorama den Verdacht, dass die
Regierenden versuchen, ihre (teilweise verunsicherte) Anhängerschaft durch besonders
starke Begriffe "bei der Stange zu halten". Vielleicht versucht das deutsche
Unterbewusstsein sich auch etwas "Erleichterung" zu verschaffen, indem es die
Schlüsselworte eigener schuldhafter Vergangenheit auf die neuen Gegner überträgt und
dadurch "entsorgt", wie Klaus Thörner (Konkret) sarkastisch vermerkt.
Doch so findet auf beiden Seiten eine Aufheizung der Emotionen statt: Die
Bombenabwürfe über Jugoslawien führen zu einer Fanatisierung ohnehin gewaltbereiter
Menschen. Die sensationslüsterne Berichterstattung in den Medien führt in den westlichen
Ländern ebenfalls zu einer Aufheizung. Eventuell noch vorhandene Zweifel am Sinn und der
Berechtigung einer solchen Aktion werden verdrängt: "Man muss ja mal
draufschlagen". Und jeder kann eigene Aggressionen mit auf die
"Feinde" projizieren und dort "bekämpfen".
Dass es einfacher ist, die Fehler beim anderen zu suchen als bei sich
selbst, lehrte schon Jesus von Nazareth. Ein Krieg in den Medien verstärkt die Neigung,
den Balken im eigenen Auge zu übersehen. Anderseits kann er dem, der wachsam ist, auch
etwas über die eigenen Gefühle verraten - weil sie eher nach oben kommen. Doch das setzt
voraus, dass man nicht mit der Masse denkt und nachbetet, was die politischen
Meinungsführer vorsprechen.
Überraschenderweise sind es beim Kosovokrieg einige der Angehörigen der
Kriegsgeneration, die vor diesem Waffengang gewarnt haben: Helmut Schmidt (SPD) zum
Beispiel, oder Alfred Dregger (CDU). Sie wissen offenbar, was deutsche Truppen auf dem
Balkan erwarten würde. Andererseits sind es ehemalige Friedenskämpfer, die jetzt für
den Krieg eintreten. "Dem Soziologen Ulrich Beck wird ein bisschen bange vor
dem humanitären Glitzern in den Augen der Weltverbesserer, die die NATO für den
militärischen Arm von amnesty international halten"
(Stern). Hat
ihnen niemand erklärt, dass man nie den anderen verändern kann, schon gar nicht mit
Gewalt, sondern nur sich selbst?