Heidnische
Bräuche im Kirchenchristentum (6)
Vom Isiskult
zur Marienverehrung
"Jesus verkündete das Reich Gottes und gekommen
ist die Kirche." Dieser Satz des katholischen Theologen Alfred Loisy zog sich wie
eine Art roter Faden durch unsere bisherige Untersuchung kirchlicher Kulte. Immer wieder
stellten wir fest: An die Stelle der Botschaft vom Reiche Gottes traten in der Kirche
Vorstellungen und Zeremonien aus vorchristlichen Kulten. Dabei geht es nicht darum, diese
Mysterienreligionen abzuwerten. Wir haben lediglich aufgezeigt: Dies ist nicht christlich.
Marienverehrung hat
heidnische Vorbilder
Auch die Marienverehrung geht auf heidnische
Vorbilder zurück. Denn: Von einer "Verehrung" seiner Mutter findet sich
bei Jesus nichts. Als Seine Mutter und Seine Brüder zu Jesus wollten,
während Er gerade zu einer Gruppe von Menschen sprach, sagte Er zu dem,
der Ihm dies gemeldet hatte: ,"Wer ist meine Mutter, und wer sind
meine Brüder?" ...
Denn jeder, der den Willen meines Vaters im Himmel tut, ist mir Bruder,
Schwester und Mutter (Mt. 12, 50). Ein anderes Mal rühmt eine Frau aus der Menge die
Mutter Jesu: "Selig der Leib, der dich getragen hat." Jesus entgegnete:
"Selig, die das Wort Gottes hören und es befolgen" (Lk. 11, 27-28). Mutterkult
und Marienkult können sich demnach auf Jesus von Nazareth nicht berufen.

Semiramis und Nimrod -
Devaki und Krischna - Indrani mit Kind - Isis und Horus. "Göttinnen treten
regelmäßig mit einem Sohn auf, den sie dem Mythos nach "jungfräulich" geboren
haben.
Auch im frühen Christentum ist eine Marienverehrung unbekannt. Vor dem
dritten Jahrhundert kennt kein Kirchvater eine fortdauernde Jungfrauenschaft Marias. Bis
zum sechsten Jahrhundert weiß niemand etwas von einer leiblichen Himmelfahrt.
Auf dem Konzil von Ephesus im Jahre 431 gab es jedoch ein entscheidendes
Ereignis. Ephesus war ein bekanntes Heiligtum der heidnischen Muttergottheit Artemis bzw.
Diana. Diana und Artemis sind Spielformen der antiken "Magna Mater", der Großen
Mutter. In Ägypten ist es z. B. die Gestalt der Isis, die zur Zeit des Urchristentums auch
im heidnischen Rom hoch im Kurs stand.
Diese Göttinnen treten regelmäßig mit einem Sohn auf, den sie dem
Mythos nach "jungfräulich" geboren haben, und der häufig ihr Gatte wird: z. B. Semiramis und Nimrod, Astarte und Baal, Isis und Horus.
Auf dem Konzil von Ephesus wurde an die Stelle von Diana und Artemis Maria
gesetzt. Viele Titel der alten Muttergottheiten gingen auf Maria, genauer auf die
"Kultmana", über: "Himmelskönigin", "Gnadenspenderin",
"Unbefleckte", "Gottesmutter" und "Gottesgebärerin". Das
Dogma von Ephesus machte die leibliche Mutter Jesu zur "Gottesmutter". Mit
diesem Begriff wird die Vorstellung erzeugt bzw. bewusst in Kauf genommen,
dass Maria
sozusagen über Gott steht.
Im Jahre 1854 verkündete dann Papst Pius IX. das Dogma von der
"unbefleckten Empfängnis", wonach Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis,
d.h. im Schoß ihrer Mutter Anna, von jedem Fehl der Erbsünde rein bewahrt geblieben sei.
Statt Belege
theologische Gehirnakrobatik
Und warum? Eine "Göttin" darf natürlich keinen Makel haben,
auch nicht den "Makel" einer normalen Zeugung, der nach katholischer Lehre den
Makel der Erbsünde mit sich bringt. Also hat sie keinen! Da es für diese Behauptung
keinen biblischen Beleg gibt, muss theologische Gehirnakrobatik herhalten.
Wobei die Frage offen bleibt: Wieso ist die irdische Zeugung mit einer
"Befleckung" verbunden? Nietzsche sagte zu dieser These: "Damit hat die
Kirche die Empfängnis befleckt ..." (zit. nach Deschner, "Der
gefälschte Glaube", S. 240).
Weshalb gibt es den
Marienkult?
Auf biblische oder historische Fakten kann sich auch dieses Dogma nicht
berufen. Daher muss wieder einmal die "Glaubensüberlieferung" herhalten, mit
der man alles und nichts beweisen kann.
Weshalb legt die Kirche so großen Wert auf die Mariendogmen? Offenbar
erfüllt der Marienkult eine wichtige Funktion im Leben vieler Gläubiger. Ist er nicht
ein Ersatz dafür, dass der Schöpfergott, der ja der Vater-Mutter-Gott ist, in der
kirchlichen Theologie fast ausschließlich männliche Züge trägt? Er wurde oftmals sogar
als strafender und rächender Gott dargestellt. Ein solches falsches Gottesverständnis
steht dem liebenden Gott, den Jesus lehrte, direkt entgegen. Dies soll nun dadurch
ausgeglichen werden, dass Maria "ersatzweise" die Rolle der
verständnisvollen
Mutter übernimmt.
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