Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Serie: "Heidnische Bräuche im Kirchen-
Christentum"

abstand.gif (36 Byte)

Heidnische Bräuche im Kirchenchristentum (5)

Woher kommen Säuglingstaufe und Ohrenbeichte?

Weihnachten, Ostern oder Allerheiligen sowie das Messritual der katholischen Kirche, so stellten wir fest, haben allesamt antike Vorläufer in heidnischen Mysterienreligionen und sind nicht ursprünglich christlich. Wie sieht es nun mit den weiteren Sakramenten aus, die in der katholischen und in der lutherischen Kirche als heilsnotwendig gelten?
Beim christlichen Abendmahl gilt, dass die ersten Christen zwar ein gemeinsames Mahl feierten, jedoch keine ritualisierte Zeremonie kannten und schon gar nicht die absonderliche Lehre der Transsubstantiation (Verwandlung von Brot und Wein). Das Taufen von Kindern ist ein alter heidnischer Einweihungsritus bzw. Initiationsritus. Auch er ist nicht christlich. Denn Jesus gebot: Erst lehret, dann taufet. Auch das Sakrament der Beichte ist nicht christlich. Denn Jesus lehrte, sich bei den Menschen zu entschuldigen, an denen man schuldig geworden ist, nicht bei einem Priester.

Das Taufen unmündiger Kinder

Wie ist es bei der Taufe? Im Neuen Testament ist sie ein Symbol, ein äußeres Zeichen für die innere Umkehr, so z. B. bei Johannes dem Täufer. Von einem Ritual mit Taufkleid, Taufkerze, Taufpate, Taufgelöbnis und Vertreibung böser Geister ist nicht die Rede.

All diese Beigaben gab es jedoch in antiken Mysterienreligionen (Kehl, Die Geheimnisse der Kirche, S. 28). Von Jesus ist nicht überliefert, dass Er selber taufte, lediglich von Seinen Jüngern (Johannes 4, 1), wobei umstritten ist, ob sie eine "Wassertaufe" vollzogen oder mit dem "Geist der Wahrheit" "tauften". Der angebliche Taufbefehl Jesu im Matthäusevangelium ("Machet alle Menschen zu meinen Jüngern und tauft sie ...") ist nach der kritischen Bibelforschung ein späterer Einschub, also eine Fälschung (Deschner, Abermals krähte der Hahn, TB, S. 261). Selbst wenn die Textstelle authentisch wäre, so wurde sie falsch überliefert. Es müsste nämlich sinngemäß heißen:

"Lehret alle Menschen" und nicht: "Macht sie zu Jüngern". Das ist ein wesentlicher Unterschied. Die unzähligen "Zwangs"-Christianisierten der nachfolgenden Jahrhunderte haben diesen Unterschied bitter zu spüren bekommen.

Nach Deschner (a.a.O., S. 262) war es vor allem Paulus, der die Taufe propagierte - wobei auch er sich nicht auf einen Taufbefehl Jesu berief. Erst nach Paulus, gegen Ende des zweiten Jahrhunderts, wurde die Kindertaufe eingeführt, die sich ab dem sechsten Jahrhundert allgemein durchsetzte. Wie sehr die Kirche auf der Vereinnahmung unmündiger Kinder besteht, belegt auch das Vorgehen gegen die sog. Wiedertäufer zu Zeiten Luthers. Die Wiedertäufer wurden vor allem wegen ihrer Praxis der Erwachsenentaufe auf den Scheiterhaufen gebracht. Noch heute werden katholische Religionslehrer und lutherische Pfarrer vom Dienst suspendiert, wenn sie die Kindertaufe ablehnen.

Die Ohrenbeichte, eine menschliche Erfindung

Auch die kirchliche Ohrenbeichte ist heidnischen Ursprungs. "In einigen Mysterienkulten bekannte man dem Priester als dem Stellvertreter der Gottheit seine Schuld, um so von den Folgen wieder frei zu werden", schreibt Deschner (Der gefälschte Glaube, TB, S. 114). Im frühen Christentum gab es zunächst nur die Taufe als Symbol für die innere Umkehr des Menschen. Sie hatte, so das Dogma, eine automatische Sündenvergebung zur Folge. Viele, so z. B. Kaiser Konstantin, verschoben daher die Taufe auf die letzte Stunde ihres Lebens.

Vielleicht um vorher nach Belieben sündigen zu können? Bald wurde die Beichte als eine weitere Möglichkeit der Buße oder Reinigung neben der Taufe eingeführt. Im zweiten Jahrhundert begann man zwischen "lässlichen" Sünden und "Tod"-Sünden zu unterscheiden - auch eine Übernahme aus den Mysterienreligionen. Vorgeschrieben wurde die regelmäßige Beichte erst im Jahre 1215 n. Chr.

Auch bei der Ohrenbeichte kann man sich nicht auf Jesus von Nazareth berufen. Die angebliche Beichtvollmacht an die Jünger im Johannesevangelium ("Wessen Sünden ihr nachgelassen habt, denen sind sie nachgelassen, wessen ihr sie behalten habt, denen sind sie behalten") ist ein (bewusster?) Übersetzungsfehler. Der Text heißt sinngemäß richtig: Wenn ihr euren Nächsten ihre Sünden vergeben habt, dann werden auch sie euch vergeben; und wenn ihr ihnen ihre Sünden behaltet (d. h. nicht vergebt), dann behaltet ihr auch selbst eure Sünden. So stimmt das Gebot der gegenseitigen Vergebung auch mit der Vater-Unser-Bitte überein: "Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern".

Die Vergebung der Sünden ist also nach der Lehre Jesu ein Vorgang zwischen den betroffenen Menschen selbst. Dafür braucht es nicht das Ohr eines Priesters, sondern das versöhnungsbereite Herz der Beteiligten.

Die kirchliche Ohrenbeichte ist das Instrument, auf dem die Kirche Jahrhunderte lang ihre Macht gründete. Sie ist ein Mittel der Gesinnungskontrolle und der Schuldgefühlproduktion, das jeden, von den Mächtigen bis zu den Knechten und Mägden, erfasste. Denn auf der Angst vor der ewigen Verdammnis beruhte die Macht der Romkirche. Noch heute muss jeder Katholik mindestens einmal im Jahr einem Priester seine Sünden beichten.

Luther veränderte zwar die Praxis der Sakramente, übernahm jedoch die Grundposition der katholischen Kirche bezüglich deren Heilsnotwendigkeit. Wer seinerzeit evangelisch wurde, musste sich nicht ein zweites Mal taufen lassen.

Inhalt der Serie "Heidnische Bräuche"
Hauptseite
Archiv - alle früheren Ausgaben
Suchen
Abo-Service
Impressum
Post an uns

Sakramente bewirken die Bindung der Menschen an eine Institution und ihre Amtsträger. Wo ein freies Christentum gelebt wird, dort sind sich die Menschen bewusst, dass sie selbst ein Tempel des Heiligen Geistes sind und alles, was sie bewegt, selbst mit Gott und mit dem Nächsten besprechen und klären können. Wer weiß, dass Gott im eigenen Inneren und im Inneren des Nächsten wohnt, braucht nicht das Ohr eines Priesters.

»Vergebt, und ihr werdet Vergebung erlangen. Wenn ihr um Vergebung bittet und euch euer Nächster vergibt, so hat euch auch euer Vater im Himmel vergeben.«

(Das ist Mein Wort, http://ww.das-wort.com/deutsch/, S. 330)


 

Weitere Artikel zum Thema finden Sie in dem Büchlein "Von der Wiege bis zur Bahre - die Praktiken der Kirche", erhältlich beim Verlag Das Weisse Pferd oder im Internet unter der Rubrik "Kirchliches Heidentum"

Nicht in der Broschüre enthalten sind die Artikel:
Ostern      Messe und Messopfer      "Heilige"      Weihnachten      Marienfrömmigkeit

 


Copyright ©
Verlag Das Weisse Pferd GmbH, Altfeld, Max-Braun-Straße 2, 97828 Marktheidenfeld, Deutschland
Tel. 09391 / 504 - 207, Fax - 210, http://www.das-weisse-pferd.com - E-Mail: info@das-weisse-pferd.com
 


Hit Counter