Heidnische
Bräuche im Kirchenchristentum (5)
Woher kommen
Säuglingstaufe und Ohrenbeichte?
Weihnachten, Ostern oder Allerheiligen sowie das
Messritual der katholischen Kirche, so stellten wir fest, haben allesamt antike Vorläufer
in heidnischen Mysterienreligionen und sind nicht ursprünglich christlich. Wie sieht es
nun mit den weiteren Sakramenten aus, die in der katholischen und in der lutherischen
Kirche als heilsnotwendig gelten?
Beim christlichen Abendmahl gilt, dass die ersten
Christen zwar ein gemeinsames Mahl feierten, jedoch keine ritualisierte Zeremonie kannten
und schon gar nicht die absonderliche Lehre der Transsubstantiation (Verwandlung von Brot
und Wein). Das Taufen von Kindern ist ein alter heidnischer
Einweihungsritus bzw. Initiationsritus. Auch er ist nicht christlich.
Denn Jesus gebot: Erst lehret, dann taufet. Auch das Sakrament der
Beichte ist nicht christlich. Denn Jesus lehrte, sich bei den Menschen
zu entschuldigen, an denen man schuldig geworden ist, nicht bei einem
Priester.
Das Taufen unmündiger
Kinder
Wie ist es bei der Taufe? Im Neuen Testament ist sie ein Symbol, ein
äußeres Zeichen für die innere Umkehr, so z. B. bei Johannes dem Täufer. Von einem
Ritual mit Taufkleid, Taufkerze, Taufpate, Taufgelöbnis und Vertreibung böser Geister
ist nicht die Rede.
All diese Beigaben gab es jedoch in antiken
Mysterienreligionen (Kehl,
Die Geheimnisse der Kirche, S. 28). Von Jesus ist nicht überliefert,
dass Er
selber taufte, lediglich von Seinen Jüngern (Johannes 4, 1), wobei
umstritten ist, ob sie eine "Wassertaufe" vollzogen oder mit dem "Geist
der Wahrheit" "tauften". Der angebliche Taufbefehl Jesu im
Matthäusevangelium ("Machet alle Menschen zu meinen Jüngern und tauft sie ...")
ist nach der kritischen Bibelforschung ein späterer Einschub, also eine Fälschung
(Deschner, Abermals krähte der Hahn, TB, S. 261). Selbst wenn die Textstelle
authentisch wäre, so wurde sie falsch überliefert. Es müsste nämlich sinngemäß
heißen:
"Lehret alle Menschen" und nicht: "Macht sie zu
Jüngern". Das ist ein wesentlicher Unterschied. Die unzähligen
"Zwangs"-Christianisierten der nachfolgenden Jahrhunderte haben diesen
Unterschied bitter zu spüren bekommen.
Nach Deschner (a.a.O., S. 262) war es vor allem Paulus, der die Taufe
propagierte - wobei auch er sich nicht auf einen Taufbefehl Jesu berief. Erst nach Paulus,
gegen Ende des zweiten Jahrhunderts, wurde die Kindertaufe eingeführt, die sich ab dem
sechsten Jahrhundert allgemein durchsetzte. Wie sehr die Kirche auf der Vereinnahmung
unmündiger Kinder besteht, belegt auch das Vorgehen gegen die sog. Wiedertäufer zu
Zeiten Luthers. Die Wiedertäufer wurden vor allem wegen ihrer Praxis der Erwachsenentaufe
auf den Scheiterhaufen gebracht. Noch heute werden katholische Religionslehrer und
lutherische Pfarrer vom Dienst suspendiert, wenn sie die Kindertaufe ablehnen.
Die Ohrenbeichte, eine
menschliche Erfindung
Auch die kirchliche Ohrenbeichte ist heidnischen Ursprungs. "In
einigen Mysterienkulten bekannte man dem Priester als dem Stellvertreter der Gottheit
seine Schuld, um so von den Folgen wieder frei zu werden", schreibt Deschner
(Der
gefälschte Glaube, TB, S. 114). Im frühen Christentum gab es zunächst nur die Taufe als
Symbol für die innere Umkehr des Menschen. Sie hatte, so das Dogma, eine automatische
Sündenvergebung zur Folge. Viele, so z. B. Kaiser Konstantin, verschoben daher die Taufe
auf die letzte Stunde ihres Lebens.
Vielleicht um vorher nach Belieben sündigen zu können? Bald wurde die
Beichte als eine weitere Möglichkeit der Buße oder Reinigung neben der Taufe
eingeführt. Im zweiten Jahrhundert begann man zwischen "lässlichen"
Sünden und "Tod"-Sünden zu unterscheiden - auch eine Übernahme
aus den Mysterienreligionen. Vorgeschrieben wurde die regelmäßige Beichte erst im Jahre
1215 n. Chr.
Auch bei der Ohrenbeichte kann man sich nicht auf Jesus von Nazareth
berufen. Die angebliche Beichtvollmacht an die Jünger im Johannesevangelium ( "Wessen Sünden ihr nachgelassen habt, denen sind sie nachgelassen, wessen ihr sie
behalten habt, denen sind sie behalten") ist ein (bewusster?) Übersetzungsfehler.
Der Text heißt sinngemäß richtig: Wenn ihr euren Nächsten ihre Sünden vergeben habt,
dann werden auch sie euch vergeben; und wenn ihr ihnen ihre Sünden behaltet (d. h. nicht
vergebt), dann behaltet ihr auch selbst eure Sünden. So stimmt das Gebot der
gegenseitigen Vergebung auch mit der Vater-Unser-Bitte überein: "Vergib
uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern".
Die Vergebung der Sünden ist also nach der Lehre Jesu ein Vorgang
zwischen den betroffenen Menschen selbst. Dafür braucht es nicht das Ohr eines Priesters,
sondern das versöhnungsbereite Herz der Beteiligten.
Die kirchliche Ohrenbeichte ist das Instrument, auf dem die Kirche
Jahrhunderte lang ihre Macht gründete. Sie ist ein Mittel der Gesinnungskontrolle und der
Schuldgefühlproduktion, das jeden, von den Mächtigen bis zu den Knechten und Mägden,
erfasste. Denn auf der Angst vor der ewigen Verdammnis beruhte die Macht der Romkirche.
Noch heute muss jeder Katholik mindestens einmal im Jahr einem Priester seine Sünden
beichten.
Luther veränderte zwar die Praxis der Sakramente, übernahm jedoch die
Grundposition der katholischen Kirche bezüglich deren Heilsnotwendigkeit. Wer seinerzeit
evangelisch wurde, musste sich nicht ein zweites Mal taufen lassen.
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