Heidnische
Bräuche im Kirchenchristentum (1)
Weihnachten -
ein heidnisches Fest?
Was verstehen wir unter Christsein? Die Diskussion über das
Kruzifix-Urteil des deutschen Verfassungsgerichts warf auch die Frage auf, ob äußere
Symbole innere Werte ersetzen können. Zumal dann, wenn diese Symbole, wie im Fall des
Kreuzes mit Korpus, gar nicht ursprünglich christlich sind. Die Frage schließt sich an:
Für wie viele so genannte christliche Bräuche und Traditionen trifft Ähnliches zu?
Was hat das alles mit Jesus zu
tun?
Für wie viele Menschen besteht ihr Christensein nur noch nur noch aus der
Teilnahme an bestimmten Festen im Jahresrhythmus: Weihnachten, Ostern, Pfingsten
u. a. m.?
Das feiert man zu Haus oder geht in einen Gottesdienst. Doch was hat dies mit Jesus von
Nazareth zu tun?
Wenn man sich einmal die Frage nach der Herkunft so genannter christlicher
Bräuche stellt, findet man ihren Ursprung oftmals in heidnischen Mysterienreligionen.
Zum Beispiel Weihnachten: Die ersten Christen kannten eine solches Fest
nicht. Jesus aus Nazareth - das war für sie der mächtige Prophet, der zu ihnen
gesprochen und sie zur Umkehr aufgerufen hatte; der auferstanden war. Das Kind in der
Krippe (das noch nicht reden kann) stand nicht im Mittelpunkt ihrer Erinnerung an Ihn.
Erst zu Beginn des 3. Jahrhunderts begann man in Ägypten damit, der geistigen Geburt des
Mannes aus Nazareth zu gedenken - nämlich seiner Taufe im Jordan. Interessanterweise
beginnt das älteste der Evangelien, das Markus-Evangelium, nicht mit der Geburt Jesu in
Bethlehem, sondern mit seiner Taufe im Jordan.

Ein Weihnachten kannten die ersten Christen nicht. Jesus von Nazareth war für sie
der mächtige Prophet, der zu ihnen gesprochen und sie zur Umkehr gerufen hatte. Das
kleine Kind in der Krippe stand nicht im Mittelpunkt ihrer Erinnerung an Ihn.
In diesem Ereignis sah man das erste öffentliche Auftreten Jesu, sein
erstes "Erscheinen" also (griech. "epiphanias"). Das Gedenken daran
feiert man am 6. Januar, wahrscheinlich in Anlehnung an ein altes ägyptisches Fest des
Gottes Horus. Erst viel später, im angehenden Mittelalter, traten die "Heiligen Drei
Könige" (über die in der Bibel so gut wie nichts ausgesagt ist) in den Vordergrund
dieses Festes.
Zu diesem Zeitpunkt hatte sich bereits des 24. Dezember als
"Geburtsfest" Jesu etabliert. Zum ersten Mal war es 217 n. Chr. in Rom als
solches begangen worden. Im 4. Jahrhundert hatte es sich allgemein durchgesetzt - als aus
dem Urchristentum durch Konstantin bereits eine etablierte Staatsreligion geworden war. An
diesem Termin wurden bisher zahlreiche heidnische Feste gefeiert: im Mithraskult, bei den
Griechen und Ägyptern. Die Germanen, denen das Weihnachtsfest bis zum 8. Jahrhundert
unbekannt war, feierten um diese Zeit die "Wintersonnwende".
Und die Krippe, der Tannenbaum, die Geschenke? Dies alles sind
Errungenschaften der letzten 400 Jahre. Der erste "Weihnachtsbaum" taucht im 16.
Jahrhundert auf. Auch er hatte Vorläufer - aber keine christlichen. Die Germanen
schmückten ihre Häuser im Winter mit Zweigen. Auch Kanaaniter verwendeten im Baalskult
lange vor Christus abgeschnittene Bäume. Die "Weihnachtsbäume" gelangten
allerdings erst im 19. Jahrhundert bis in die bürgerlichen Wohnungen. Der Adventskranz
ist eine Entwicklung des 20. Jahrhunderts.
Weihnachten als ein mit Erwartungen und Klischees überladenes
Familienfest, gibt es seit höchsten 150 Jahren. In der Zeit davor (seit der
Reformationszeit) wurden nur die Kinder beschenkt. Für die Kinder kam lange Zeit noch die
Nikolaus statt des "Christkindes", das im übrigen eine Erfindung Martin Luthers
ist.
Auch die Krippe finden wir erst im 16. Jahrhundert, zuerst in den Kirchen;
ins Haus kam sie frühestens ab dem 17. Jahrhundert.
Und die anderen Weihnachts-Bräuche? Weihnachtsstollen und Plätzchen sind
wahrscheinlich Erinnerungen an alte germanische Bräuche, in denen man mit Opferbroten
Unheil abwenden wollte. Das "Sternsingen" mit dem Anschreiben eines frommen
Spruches an die Türen geht germanische Zauberrituale zurück, mit denen man ebenfalls
Unheil zu bannen suchte.
Was bleibt übrig?
Was also bleibt von Weihnachten nach Abzug aller heidnischen Bräuche
übrig? Das Bewusstsein, dass Christus, der Sohn Gottes, für uns Mensch wurde. Dieses
Ereignis sollten wir dadurch ehren, dass Christus täglich mehr in uns geboren wird, indem
wir Seine Lehren befolgen: die Bergpredigt und die Zehn Gebote, die Er als Jesus von
Nazareth erneuerte und vertiefte.
|