Gefahr durch sexuelle Lockstoffe

Manipulation durch Pheromone

Pheromone – die heimlichen Verführer. Für diese sexuellen Lockstoffe hat der Mensch sogar ein eigenes Riechorgan entwickelt. Um so nachhaltiger kann er auf diesem Weg auch manipuliert und beeinflusst werden.

Im Anhang zu diesem Artikel lesen Sie:

Pheromone, Definition
Ergebnisse der Wissenschaft
Neues aus der Hirnforschung
Vomeronasal-Organ, Limbisches System, Definition
Wie funktionieren Pheromone?

Die Telefonzellen hatten etwas Anziehendes – allerdings nur für Frauen, die sie nicht nur häufiger als andere Telefonzellen benutzten, sondern dort im Durchschnitt auch längere Gespräche führten. Männer hingegen mieden die Zellen. Zauberei? Eine Erfindung? Keines von beiden. Wissenschaftler hatten für ein Experiment einige der zur Verfügung stehenden Telefonzellen mit dem männlichen Pheromon Androstenon eingesprüht. Obwohl kaum riechbar, entfaltet es doch nachweisbar seine Wirkung. Man nimmt an, dass sich Frauen von dort wie von einem »Zufluchtsort« angezogen fühlten, während Männer das so abgegrenzte »Revier« eines dominanten »Rivalen« mieden.
Zu ähnlichen Ergebnissen führte es, als man die Stühle eines Wartezimmers mit solchen Pheromonen besprüht hatte: Frauen setzten sich bevorzugt darauf, Männer mieden sie.

Ein paar Pikogramm genügen

In der Massentierhaltung werden diese Stoffe schon lange eingesetzt, um den Zeugungs-Antrieb bei den Tieren zu steigern. Doch die Pheromone aus den Ställen entweichen auch in die Umgebung, z. B. über die »Transportwege« Fleisch, Gülle und Abluft. Wissenschaftliche Untersuchungen haben dabei gezeigt, dass Mensch und Tier bereits auf minimale Mengen an Pheromonen reagieren, die sich im Pikogramm-Bereich bewegen. Ein Pikogramm ist die kaum vorstellbare verschwindend kleine Menge von einem Billionstel Gramm.
Unfreiwillig betroffen könnten z. B.  die Wildtiere in Wald und Flur sein. Regen die Stoffe je nach ihrer Konzentration diese vielleicht ebenfalls zum vermehrten Zeugen an? Diese Frage stellten wir bereits in der Ausgabe Nr. 11/2002. Mehr oder weniger betroffen könnten aber auch die Menschen sein. So kann man z. B.  fragen, ob es unter Umständen einen Zusammenhang mit der immer früher einsetzenden Pubertät bei Jugendlichen gibt. Oder mit der Untreue in Ehe und Partnerschaft, wodurch deren Stabilität immer mehr gefährdet wird. Oder mit dem Anstieg der Sexualverbrechen. Denn die Massentierhaltung ist flächendeckend überall anzutreffen. Und damit auch der Einsatz von Pheromonen. Was hat die Wissenschaft bisher erforscht? In der vorliegenden Ausgabe möchten wir genauer auf diese Stoffe eingehen. Woher stammen sie eigentlich und was wäre ihre natürliche Funktion? Und wie steuert und verändert der Mensch ihre Wirkung? Sind wir vielleicht schon lange Beeinflusste oder Manipulierte?

Die »Erregungs-Träger«

Es war erstmals im Jahr 1959, als man den Geruchssinn als Faktor für die Fortpflanzung bei Insekten erforschte. Die Pheromone wurden »entdeckt«, und man beschrieb sie als hormonähnliche chemische Signalstoffe, die männliche oder weibliche Tiere aussenden, um den Geruchssinn beim anderen Geschlecht zu reizen. In den folgenden Jahren fand man Pheromone auch bei anderen Tieren bis hin zu den Säugetieren. Und seit den 70er-Jahren erforscht man intensiver die Wirkung der Pheromone auch auf den Menschen. Das Ergebnis: Bei Mensch und Tier wirken die Pheromone (= »Hormon-Bringer« bzw. »Erregungs-Träger« von griechisch ferein = tragen, bringen) unmittelbar auf bestimmte Hirnregionen ein, welche für die hormonelle Steuerung des Lebewesens verantwortlich sind (Hirnanhangdrüse, Hypothalamus-Nerv). Beim Menschen bedeutet das: Diese Bereiche sind der Kontrolle durch seinen Intellekt entzogen. Die Pheromone setzen in der betreffenden Hirnregion bestimmte »Botenstoffe« frei, welche wiederum auf die Geschlechtsorgane einwirken und damit automatisch den Sexualtrieb anregen.
Wer dies weiß und mit diesen Stoffen experimentiert, trägt deshalb eine hohe Verantwortung.

Hitlisten für den Pheromonhaushalt

Wie nicht anders zu erwarten war, »entdeckte« man die Pheromone bald auch in der Kosmetik-Industrie. Im Jahr 1994 wurde in den USA erstmals ein Pheromon patentiert, und inzwischen werden sie schon von mehreren Firmen hergestellt und vertrieben - die bekannteste unter ihnen, natural attraction (vormals Realm Fragrances), führt auch selbst intensive Forschungen durch. Im Ergebnis werden zahlreiche pheromonhaltige Kosmetika wie Seifen, Duftwasser und Sprays sowohl für Männer als auch für Frauen auf den Markt gebracht. Der Parfüm-Grundstoff EA 830 stimuliert dabei nachweislich das männliche Geschlecht, während EA 640 das gleiche bei Frauen vollbringt. Bemerkenswert ist, dass es für den Pheromongehalt eines Produkts auch schon Hitlisten gibt.
In jüngster Zeit wird nun auch eine mögliche medizinische Anwendung von Pheromonen diskutiert. So sollen Pheromone bei bestimmten hormonabhängigen Tumoren, z. B. Prostatakrebs, eingesetzt werden. Ein weiteres Anwendungsgebiet sind Panikzustände: Hier sollen Pheromone das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit vermitteln.
Dabei sind auf den verschiedenen Feldern der Pheromonforschung Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen beteiligt, von Medizinern über Biologen, Biochemikern und Sexualwissenschaftlern bis hin zu Psychologen, Verhaltensforschern und Anthropologen. An zahlreichen Universitäten weltweit wurden bereits Untersuchungen und Studien über die Pheromonwirkungen an Menschen durchgeführt. Die Ergebnisse der verschiedenen wissenschaftlichen Arbeitsgruppen wurden und werden in internationalen Fachzeitungen publiziert. Üblicherweise werden für alle wissenschaftlichen Veröffentlichungen Zusammenfassungen, so genannte »Abstracts« erstellt, die jedermann im Internet nachlesen kann.

Der Stand der Forschung

Im Jahr 2001 erschien zudem ein großer wissenschaftlicher Fachartikel in den Neuroendocrinolgy Letters, der sogar mit einem Wissenschaftspreis ausgezeichnet wurde. In dieser Publikation ist der Stand der Pheromon-Forschung aus medizinischer und verhaltensbiologischer Sicht dargelegt. Im Schlusswort stellen die Autoren Bemerkenswertes fest: Das menschliche Leben und Verhalten werde durch Pheromone beeinflusst, unabhängig davon, ob uns dies bewusst ist oder nicht. Und: Die ausgelösten hormonellen Reaktionen dominieren die sozialen Interaktionen. Menschliche Pheromone hätten nämlich ein größeres Potenzial als alle anderen Reize aus der Umwelt, die Physiologie im Körper und dadurch auch das Verhalten des Menschen zu beeinflussen.

Eine Zeitbombe

Dies ist ein Ergebnis, das aufhorchen lässt. Wenn nämlich »soziale Interaktionen«, also das Sozialverhalten der Menschen, durch diese Stoffe »dominiert« werden, ist dann nicht auch die Türe zu den Möglichkeiten des Missbrauchs weit offen? Beispiele für Manipulationen des Kaufverhaltens bzw. der Zahlungsmoral sind z. B. bei www.pheromone.li nachzulesen: »Möbelfirmen sollen Pheromone in ihren Ausstellungsräumen verwendet haben, um die Aufmerksamkeit auf eine schwer verkäufliche Sitzgruppe zu lenken.« Mit Kleidung ließe sich ohne weiteres das gleiche tun. Und: »Die Verwendung von Androstenonen bei der Schuldeneintreibung mittels besprühter Mahnbriefe wurde sogar patentiert. Besprühte Anschreiben wurden öfter und etwas schneller bezahlt.«
So müsste man ernsthaft überlegen, ob die auf diese Weise erfolgende Manipulation von Tieren und Menschen nicht schon großflächig im Gange ist und für vielfältige Phänomene mitverantwortlich ist, die unsere Gesellschaft zunehmend prägen. Als Beispiele wurden eingangs schon die immer früher einsetzende Pubertät bei Jugendlichen erwähnt, die Untreue in Ehe und Partnerschaft oder der Anstieg von Sexualverbrechen. So könnte man z. B. einmal konkret untersuchen, ob die Zunahme von Sexualdelikten vor allem im ländlichen Raum nicht auch im Zusammenhang mit dem Einsatz von Pheromonen steht, da dort diese Stoffe in höherer Konzentration verbreitet sind als in den Städten.

Doch damit nicht genug: Wenn diese Stoffe »ein größeres Potenzial als alle anderen Reize aus der Umwelt« haben, also z. B. Reize aus der Sex-Industrie oder aus den Medien, dann tickt hier offenbar eine Zeitbombe, die noch eine ganz andere Sprengkraft beinhaltet. Denn »Sozialverhalten der Menschen« bedeutet ja nicht nur »Sexualverhalten«, sondern z. B. auch den Grad an Friedfertigkeit oder Aggression. (Hans-Günther Kugler)

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Pheromone

Von Körperdrüsen und Bakterien produzierte Signalstoffe bei Menschen und Tieren, die über verschiedene Hautregionen in die Luft abgegeben werden. Sie werden von einem eigenen Organ in der Nase von Artgenossen (Jacobsonsches Organ bzw. Vomeronasal-Organ, VNO) meist unbewusst, da teilweise geruchlos oder wenig geruchsintensiv, aufgenommen.
Dadurch wird beim anderen Geschlecht eine erhöhte Hormonproduktion ausgelöst, was vor allem zu verstärktem sexuellen Drängen führt. Pheromone werden in der Massentierhaltung deshalb zur Erhöhung der Fruchtbarkeit eingesetzt. In der Kosmetik-Industrie reichert man bestimmte Produkte mit Pheromonen an, um die Attraktivität des Benutzers zu erhöhen.
Androstenon gilt dabei als das bekannteste männliche Pheromon, und es kostet im Handel zwischen 6.000 und 10.000 Euro pro Gramm. Das leicht nach Sandelholz riechende Pheromon nehmen Frauen vor allem in der Zeit des Eisprungs positiv wahr. Die bekanntesten weiblichen Pheromone sind die Kopuline, deren Aktivierung beim Mann zu verstärkter Produktion des Sexualhormons Testosteron führt.



Pheromone:

Ergebnisse der Wissenschaft

In den letzten Jahren wurden in zahlreichen wissenschaftlichen Fachzeitschriften die neuesten Ergebnisse der Pheromon-Forschung veröffentlicht. Nachfolgend einige der wichtigsten Ergebnisse:

  • Pheromone von Frauen beeinflussen und regulieren den Eisprung bei anderen Frauen. (University of Chicago, 1998)

  • Bestimmte weibliche Pheromone rufen eine Testosteronerhöhung im Speichel bei Männern hervor und führen zu einer veränderten Einschätzung der Attraktivität von Frauen. (Universität Wien, 1995)

  • Pheromone aus dem Achselschweiß von Männern beeinflussen die Ausschüttung des LH-Hormons und die Stimmungslage bei Frauen. (Universität Yokohama, 2001)

  • Die Einschätzung des eigenen und des anderen Geschlechts verändert sich nach Einwirkung bestimmter Pheromone. Männer empfinden Frauen dann häufiger attraktiver und sexuell anziehender. (Arziona State University, 1990)

  • Pheromone können auch synthetisch hergestellt werden. Durch den Einsatz einer solchen Substanz änderten sich Atem- und Herzfrequenz von männlichen Testpersonen sowie der Hautwiderstand. (University of Utah, 1998)

  • Bei verheirateten Frauen setzt, statistisch betrachtet, das Klimakterium später ein. Nach Meinung einer Arbeitsgruppe von Anthropologen dürfte dabei der männliche Pheromoneinfluss im Haushalt eine wichtige Rolle spielen. (University of Massachusetts, 2001)

  • Bestimmte Pheromone führten in einem Experiment zu einer Veränderung des Hautwiderstandes und der Hautdurchblutung bei Männern und Frauen. Die weiblichen Testpersonen berichteten über eine bessere Stimmungslage. (University of Chicago, 2001)

  • Die Anwendung eines mit Pheromonen angereicherten Parfüms führte bei Frauen zu einem statistisch signifikanten Anstieg der sexuellen Aktivitäten. Die Autoren dieser Studie schließen daraus, dass dieses Parfüm als sexuelles Stimulans wirkt und die körperliche Attraktivität von Frauen erhöht. (San Francisco State University, 2002)

  • Eine östrogenartige Substanz ruft eine signifikante Hirnaktivierung hervor, ohne dass diese Substanz von den Probanden wahrgenommen wurde. (Stanford University of California, 1999)

  • Im Jahr 2001 wurden zwei weitere bahnbrechende wissenschaftliche Arbeiten publiziert. An der Universität von Chicago wurde erstmals nachgewiesen, dass eine Steroidverbindung als Geruchsstoff eine erhebliche Veränderung des Stoffwechsels in manchen Gehirnregionen hervorruft. Das renommierte Karolinska Institut in Stockholm konnte nachweisen, dass das Riechen an einer androgenartigen Substanz bei Frauen den Hypothalamus aktiviert. Das gleiche geschieht bei Männern, wenn sie an einer östrogenartigen Substanz riechen. Diese drei Untersuchungen wurden mit modernsten so genannten »Bild gebenden« Verfahren durchgeführt.

  • In einem Experiment konnte gezeigt werden, dass sich Frauen öfters auf Stühle setzen, die mit dem Pheromon Androstenon eingesprüht wurden. Ähnliches konnte für die Benutzung von Telefonzellen nachgewiesen werden.
    In einer TV-Show in Großbritannien wurde ein Experiment durchgeführt, bei dem ein Zwilling mit Pheromonen eingesprüht wurde, der andere nicht.
    Obwohl beide Männer völlig identisch aussahen, wurde der »Pheromon-Besprühte« von Frauen als der wesentlich Attraktivere beurteilt als der andere.
     

Neues aus der Hirnforschung

Unser bewusstes Ich ist - so der amerikanische Neurobiologe Michael Gazzaniga - »die letzte Instanz, die erfährt, was in uns wirklich los ist«. Es gleicht einem Regierungssprecher, der Dinge interpretieren und legitimieren muss, deren Gründe und Hintergründe er gar nicht kennt. ... Wir werden massiv von unserem Unbewussten beeinflusst, ohne genau zu wissen, was dabei mit uns passiert, wir verstehen die Sprache des Unbewussten nicht. Da wir aber all unser Fühlen, Denken und Handeln vor uns selbst und insbesondere auch vor den anderen sprachlich-logisch rechtfertigen müssen, erfinden wir ständig Geschichten. Wir glauben auch in aller Regel an sie und versuchen unsere Mitmenschen von ihnen zu überzeugen.« (Aus: Gerhard Roth, Fühlen, Denken, Handeln)

 


Das Vomeronasal-Organ (VNO)

Ein winziger Sensor am Eingang der Nasenhöhle, der aber als voll funktionsfähiges eigenes Sinnesorgan wirkt und die Pheromone aufnimmt und an das Limbische System weiterleitet. Man nennt ihn deshalb umgangssprachlich auch das »sexste Sinnesorgan«. Nach einem seiner ersten Entdecker (im Jahr 1811) heißt er auch Jacobsonsches Organ.

Das Limbische System

Das Limbische System ist diejenige Region im Gehirn, die für die Gefühle und Instinkte zuständig ist, welche willentlich nicht zu beeinflussen sind. Dieses System reguliert maßgeblich den Hypothalamus – ebenfalls eine Hirnregion, die für die Steuerung der Hormone, z. B. der Sexualhormone, verantwortlich ist. Die von Pheromonen ausgelösten Signale wirken über das Limbische System direkt in den Hypothalamus ein, ohne dass sie oder noch bevor sie im Oberbewusstsein wahrgenommen werden können.



Wie funktionieren Pheromone?

Da es beim Einsatz von Pheromonen um eine Problemstellung geht, die das Sozialverhalten von Menschen und Tieren betrifft, lohnt es sich, sich einmal aus wissenschaftlicher Sicht näher mit dem Thema zu befassen. Wie also wirken Pheromone?

Um die biologischen Wirkungen dieser Stoffe verstehen zu können, sollte man dabei zunächst wissen, über welche Mechanismen diese Substanzen den Organismus oder das Verhalten beeinflussen: So werden alle Gerüche und Düfte zuerst über die Nasenschleimhaut aufgenommen, welche prinzipiell in eine Atmungsregion und in eine Geruchsregion eingeteilt werden kann. In der Geruchsregion befinden sich so genannte Riechzellen, die durch die mannigfachen Duftstoffe gereizt werden. Und bekanntlich ist der Geruchssinn bei Lebewesen unterschiedlich empfindlich: Hunde z. B. verfügen über eine feinere Nase als der Mensch. Sie können rund 230 Millionen Riechzellen aktivieren, während der Mensch nur rund zehn Millionen dieser Zellen besitzt. Die Riechzellen werden übrigens etwa alle zwei Monate erneuert. Sie sind die einzigen bekannten Nervenzellen, die sich in einem erwachsenen Nervensystem noch regelmäßig teilen können.
Die Informationen der Riechzellen werden nun über den Riechkolben ins Gehirn geleitet und dort hauptsächlich in einer bestimmten Hirnregion, dem Riechhirn, verarbeitet. Vom Riechhirn gehen einige Bahnen nun zum so genannten limbischen System - das ist diejenige Hirnregion, die für unsere Emotionen, Affekte und Gefühle verantwortlich ist. Deshalb hat der Geruchssinn von vorne herein eine starke emotionale Komponente, was auch in der Redewendung »Jemanden nicht riechen können« zum Ausdruck kommt. Duftstoffe können bekanntlich die Stimmung und die psychische Befindlichkeit des Menschen erheblich beeinflussen, was sich z. B. im naturheilkundlichen Bereich die Aroma-Therapie zunutze macht.

Eigenes Riechorgan für Pheromone

Wesentlich ist: Die Pheromone werden nicht von den üblichen Riechzellen aufgenommen, sondern von einem speziell dafür bestimmten Zellsystem, das man Vomeronasalorgan (VNO) nennt, nach einem seiner ersten Entdecker (im Jahr 1811) auch »Jacobsonsches Organ«. Zu Beginn der 90er-Jahre ließ sich dieses Organ erstmals auch beim Menschen nachweisen. Es besteht aus einem winzigen Sensor am Eingang der Nasenhöhle, funktioniert aber trotz seiner geringen Größe wie ein komplett ausgestattetes Sinnesorgan, weshalb man umgangssprachlich auch manchmal vom »sexsten« Sinnesorgan spricht. Das Vomeronasalorgan ist mit speziellen Riechzellen ausgestattet, die sich von den anderen Riechzellen unterscheiden, welche für die gewöhnlichen Düfte bzw. Geruchsstoffe zuständig sind. Die VNO-Riechzellen werden demgegenüber ausschließlich durch Substanzen elektrisch erregt, die im Normalfall dem Hautschweiß entstammen, und sie sind voll funktionsfähig, auch wenn die anderen Zellen z. B. durch eine Grippe blockiert sind. Das Entscheidende ist jedoch, was im Anschluss daran passiert: Die Informationen aus den VNO-Zellen werden nun in erster Linie nicht im Riechhirn verarbeitet wie die sonstigen Gerüche oder Düfte. Sondern sie dringen - unbeeinflusst vom menschlichen Intellekt - letztlich direkt in den „Sitz der Gefühle“ ein, in den Hypothalamus, also in diejenige Hirnregion, die das ganze Hormonsystem steuert. Von hier aus wird über die beiden Hormone FSH und LH z. B. die Konzentration der Sexualhormone Testosteron und Östrogen reguliert.

Mehr Begehren, mehr Aggression

Was für den Laien etwas kompliziert klingen mag, selbst wenn es vereinfacht dargestellt ist, sind sehr feine und präzise ausgeklügelte Vorgänge im menschlichen und auch im tierischen Körper, die nach bestimmten zeitlichen Rhythmen erfolgen. Dadurch unterliegt auch die gesamte hormonelle Steuerung von Mensch und Tier diesem vorgegebenen Rhythmus, und Eingriffe durch den Menschen in diese Steuerungsvorgänge und Abläufe können zu schwerwiegenden Verhaltensänderungen führen. So zeigten z. B. Hamstermännchen, denen das VNO-Organ vor der ersten Kopulation operativ entfernt wurde, hinfort paarungswilligen Artgenossinnen ihr Leben lang die kalte Schulter. Umgekehrt beweisen mehrere wissenschaftliche Untersuchungen, wie man z. B. durch Pheromon-Zugaben bei Menschen die Testosteron- bzw. Östrogen-Werte steigern kann. Diese beiden Hormone haben nicht nur einen biologischen Einfluss auf die Geschlechtsorgane und die Stoffwechselregulation. Sie spielen, was vielfach noch nicht bekannt ist, auch eine wichtige Rolle für die Verfassung der gesamten Psyche und für das Verhalten. Dabei geschieht aus medizinischer Sicht Folgendes: Im Gehirn wirken diese Hormone z. B. als »Botenstoffe«, vor allem in dem für die Gefühle zuständigen limbischen System des Gehirns. Dort gibt es nämlich die größte Anzahl von Testosteron- und Östrogen-Rezeptoren, also Stoffen, die auf Testosteron und Östrogen ansprechen und diese aufnehmen. Und das führt nicht nur – wie gesagt – zu einem veränderten Sexualverhalten. Den Untersuchungen zufolge ist z. B. auch aggressives und dominantes Verhalten vom Vorhandensein einer ausreichenden Menge von Androgenen (= männliche Geschlechtshormone, zu denen auch Testosteron gehört) im Blutkreislauf und im zentralen Nervenssystem abhängig. Und es ist mittlerweile auch bekannt, dass die Hormone wieder rückwirkend den Geruchssinn sensibilisieren, von dem die Stoffe ursprünglich aufgenommen wurden. Damit wird unter Umständen ein Kreislauf in Gang gesetzt, durch den die Reaktionsfähigkeit von Mensch und Tier auf Pheromone weiter gesteigert werden kann.


Journal Das Friedensreich, Ausgabe Nr. 12/02



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