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Automatische Ruferkennung Wenn Kühe sprechen Würde der Mensch sein Verhalten ändern, wenn er die Sprache der Tiere verstünde? Ingenieure haben ein Computer-Programm entwickelt, welches sieben verschiedene Arten des Muhens bei einer Kuh unterscheiden kann. Leider scheint dies jenen zu nützen, die Tiere noch effektiver mästen und schlachten wollen ... Mathematiker und EDV-Ingenieure untersuchen das Gackern von Hühnern, das Grunzen von Schweinen oder das Muhen von Kühen. Damit man das Stallleben angenehmer und gesünder gestalten kann, will man die Sprache der Tiere besser verstehen. Dazu dient auch der im Auftrag der deutschen Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft in Braunschweig entwickelte »automatische Ruferkenner für landwirtschaftliche Nutztiere«. Anhand der Lautäußerungen von Kühen soll die Ruferkennungs-Software mit einer Treffergenauigkeit von ca. 90 % übermitteln, ob das Tier z. B. hungrig oder durstig ist, gemolken werden muss oder zum Beispiel gerade fruchtbar ist. Wird das alles den Tieren ein wenig Linderung in ihrer qualvollen Existenz bringen? Oder führt es zu noch größerer Entfremdung zwischen Mensch und Tier, wie es der Kommentar von www.vetline.de signalisiert, der Internetdienst der Bundestierärztekammer. Dort heißt es: »Die schöne neue Tierwelt wird vom Computer betreut – bald begegnet das Tier dem Menschen erst auf dem Teller.« »Precision farming« (= Präzisions-Landwirtschaft) nennt man die
Versuche von Landwirtschaftsexperten, »individuelle Merkmale und Parameter der
Tiere zu messen«, z. B. verschiedene Milchwerte oder die exakte Futteraufnahme
jedes Tieres. Solche Verfahren werden vor allem bei der Überwachung von Tieren
in landwirtschaftlichen Großbetrieben eingesetzt, in denen der Landwirt die
Tiere nicht mehr »persönlich« kennt. Eine Weiterentwicklung im Rahmen des »precision
farming« ist der »automatische Ruferkenner«, bestehend aus Mikrofonen in den
Ställen und Computer und Klingelsystem in einem Überwachungsraum. Dr. Gerhard
Jahns, der Entwickler dieses Systems, erklärt bei einem Symposium den Nutzen
einer solchen Überwachung. Sie sei Voraussetzung für eine »artgerechte und
effiziente Tierhaltung« sowie für »Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit«
(5. Göttinger Symposium Softcomputing, 13.6.2002) - also tierisches Wohlbefinden
zum Nutzen des Verbrauchers tierischer Nahrungsmittel. Ruf nach Freiheit Und dies könnte doch in der Tat eine sinnvolle Herausforderung
für die Wissenschaft sein – wirklich mit den Tieren sprechen zu lernen anstatt
nur einzelne Laute einzuordnen; auch das Leid von Tieren zu erkennen und zu
mildern oder zu beseitigen. Und verlangen die Kühe wirklich nur nach Futter oder
nach dem Gemolkenwerden? Oder rufen sie auch nach Freiheit und dem Ende ihrer
Sklaverei? Der Bioakustik-Ingenieur Jahns wies anlässlich der Vorstellung seiner
Ruferkennungs-Software darauf hin, dass die Lauterzeugungen bei Wirbeltieren
evolutionsbedingt sehr ähnlich sind. »Diese Ähnlichkeit ist umso größer, je
näher die Arten miteinander verwandt sind.« Es würde sicher nicht schwer fallen,
die »Lauterzeugungen« beim Menschen in die Untersuchungen mit einzubeziehen und
auch von daher zu dem Schluss zu kommen: Die Kühe sind unsere Verwandten. So ist
es für die Wissenschaftler ohnehin schon selbstverständlich, dass einer
Lautäußerung eines Tieres eine innere Befindlichkeit zu Grunde liegt, wie dies
beim Menschen auch der Fall ist. Hier sieht Dr. Jahns dann aber die
Leistungsgrenze seiner Erfindung: »Ein Beobachter kann lediglich die ...
Symbolfolge, nicht jedoch die Folge der inneren Zustände erkennen.« Doch
vielleicht kann er sie erahnen, oder aber er weiß intuitiv darum. Den Kühen muss es gut gehen, »damit in den Eutern der rechte
Rohstoff gedeiht«, schreibt die ZEIT im Hinblick auf die Qualität von Milch und
Käse, und so genannte Bio-Bauern werben auch mit besserer Fleischqualität.
Solche Qualitätsbewertungen werden vorwiegend mit äußeren Faktoren begründet wie
z. B. herzhaften Kräutern, die eine Kuh auf einer guten Alm finden kann, nicht
aber im Massenstall. Um auch das Innenleben der Tiere besser zu verstehen und
z. B. auch die Auswirkungen von Todesangst und Leid auf Fleisch und andere
tierische Produkte zu erforschen, bedürfte es weiterer Untersuchungen. Doch wenn
man heute schon sicher weiß, wie nahe Mensch und Tier verwandt sind und wie
intensiv z. B. ein Tier verschiedene »innere Zustände« erleben kann, die es auch
mit seiner Sprache auszudrücken vermag, dann könnte sich jeder ehrlich fragen,
ob man das Recht hat, diese intelligenten Geschöpfe für den Fleisch- und
Wurstgenuss zu züchten und zu schlachten – auch wenn sie vorher »gut« behandelt
werden. Oder muss es erst soweit kommen, dass die Menschen unmittelbar und
zweifelsfrei spüren, wie das Leiden der Tiere auf sie selbst zurückfällt?
Vielleicht erst dann, so klagt das Tier durch den Propheten, »wird ... so
mancher Tierquäler und Tiermörder verstehen, was er heute als Sache abtut«. (D.
Potzel) |
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