Dokumentation

Das manipulierte Menschliche,
das den Menschen prägt –
 Wo ist das Ebenbild Gottes?

Der nachfolgende Text ist eine überarbeitete Mitschrift eines Vortrags in der Kosmischen Lebensschule im Universellen Leben vom 4.5.2003, den wir auf vielfachen Wunsch hier dokumentieren.

Beschäftigt man sich mit den zahlreichen Visionen und Weltanschauungen von einem besseren Zusammenleben auf unserem Planeten, dann fällt auf, dass besonders oft das Wort »Menschlichkeit« darin vorkommt. »Menschlichkeit« gilt als ein großes und erhabenes Wort. »Verbrechen gegen die Menschlichkeit« beinhalten besonders große Grausamkeiten, meist auch begangen von den Großen dieser Welt. Und im Namen der »Menschlichkeit« ergehen bewegende Aufrufe zum Kampf gegen Hunger und Not in der Dritten Welt.
Wenn aus dem Hauptwort »Menschlichkeit« das Beiwort »menschlich« wird, relativiert sich jedoch der Bedeutungsgehalt: Irren ist »menschlich«, heißt es dann, und bei technischen Großunfällen sprechen wir mit Vorliebe vom »menschlichen Versagen« als Ursache. Als »menschlich« gilt es auch, wenn sich ein Mensch wie ein Pfau benimmt. »Allzumenschlich« wird es, wenn einer den anderen betrügt. Als »unmenschlich« gilt es, Tiere zu quälen, doch wiederum »menschlich« ist es, sie zu verspeisen. Als durchaus »menschlich« gilt auch die Jagd auf Tiere, während die Jagd auf Jäger als »unmenschlich« gelten würde.

Noch schillernder werden die Dinge, wenn man die »Menschlichkeit« ins Lateinische übersetzt und sie als »Humanität« verkündet. Dann geht es nach dem allgemeinen Sprachgebrauch um eine edle Gesinnung und höhere ethische Werte für zwischenmenschliche Beziehungen. Wir kommen dann zum »humanitären Völkerrecht«, aber auch zu »humanitären Interventionen mit Waffengewalt«, um »humanitäre Katastrophen« zu verhindern, wie zum Beispiel im Kosovo, wo die Katastrophe nicht humanitär verhindert, sondern zu einem humanitären Super-Gau aufgeheizt wurde. Man könnte auch ganz allgemein sagen: Wer sein menschliches Verhalten ethisch ein wenig aufputzen will, der verwendet statt »menschlich« lieber das Wort »humanitär« oder noch besser »human«. Wir sprechen z. B. vom »humanen Strafvollzug« oder auch von der »humanen Behandlung von Kriegsgefangenen« – was immer auch der jeweilige Kriegsherr darunter verstehen mag.
Aus dem Beiwort »human« wurde schließlich eine ganze Weltanschauung, unter dem Namen »Humanismus«, entwickelt von Philosophen und Schöngeistern, nicht zuletzt als Gegenbewegung gegen Theologie und Ethik von Kirchenführern, weshalb sich oft auch Atheisten der Bewegung des Humanismus verbunden fühlen, Menschen, die die freie Entfaltung der Persönlichkeit auf ihre Fahne schreiben.

Manipulation durch Tradition

Doch was heißt »Entfaltung der Persönlichkeit«? Auch dies ist ein schillerndes Wort! Es führt uns zurück zu den Wurzeln des Humanismus in der griechischen Philosophie, in die Schule der Sophisten, aus der jener berühmte Satz stammt: »Der Mensch ist das Maß aller Dinge.« Ist das nicht vielleicht etwas Gutes?, werden eingefleischte Humanisten fragen. Doch bereits im alten Griechenland wurde mit diesem Maßstab so hantiert, dass seine Egozentrik überdeutlich wurde: Das Recht des Stärkeren wurde zum Maßstab, Demokratie und Gleichheit wurden bekämpft, die jeweilige subjektive Einstellung war wichtiger als die geltenden Gesetze – ganz zu schweigen von den kosmischen Gesetzen.
Bereits damals zeigte sich, wie sehr sich hinter wohlklingenden Worten wie »Menschlichkeit« und »Humanität« zerstörerische Tendenzen einschleichen können und wie unzuverlässig Kriterien wie »menschlich« und »unmenschlich« oder »human« und »inhuman« sind. Sie werden zu Worthülsen, die jedermann und jede Tradition nach Belieben auffüllen kann, um ethisch zu verbrämen, was mit Moral und Ethik oft nur wenig zu tun hat. Der englische Premierminister Tony Blair z. B. bezeichnete den Krieg im Irak als einen »Akt der Menschlichkeit«. Und die medizinische Wissenschaft vertritt die Grausamkeit ihrer Tierexperimente als ein »Gebot der Menschlichkeit«, Krankheiten des Menschen mit allen Mitteln bekämpfen zu müssen.
Der Mensch als Mittelpunkt des Kosmos, der das Chaos verbreitet in der Tier- und Pflanzenwelt; der Mensch als Mittelpunkt abendländischer Kultur, die lange Zeit Frauen und Indianern die Seelen absprach und Menschen versklavte, ohne dass dies als unmenschlich galt. Es kommt immer darauf an, welchen Standpunkt einer hat, wenn er selbst der Maßstab aller Dinge ist. Dann hat er auch das Recht, die Jugend nach seinem Maßstab zu bilden oder zu verbilden – in kirchlichen Schulen Angst vor Gott und kirchlichen Götzen zu verbreiten, in Kindergärten den Kleinen die Salami schmackhaft zu machen, um sie rechtzeitig zur Fleischsucht zu erziehen, oder an die Portale von Universitäten den Satz zu schreiben: »Süß und ehrenvoll ist es, für das Vaterland zu sterben« und anderen Unsinn mehr zu verkünden.

Und wird lange genug manipuliert, gerinnt das manipulierte Menschliche zu Konvention und Tradition: Erbfeindschaften zwischen ganzen Völkern entstehen auf diese Weise, die zu blutigen Kriegen führen, in denen die manipulierte Jugend dann nicht »süß und ehrenvoll« stirbt, sondern erbärmlich krepiert. Barbarisches Brauchtum entsteht auf diese Weise, z. B. grausame Spiele mit Tieren, Stierkämpfe, aber auch die Jagd, die früher eine noble Passion blutrünstiger Bischöfe und Fürsten war und heute zur billigen Tötungslust von Kleinbürgern und Spießbürgern wurde. Wer kann von sich sagen, nicht manipuliert zu sein — durch wohlmeinende Eltern, durch dominante Lehrer, durch verblendete Ideen oder blendende Idole? Und durch wen noch? Nicht zuletzt auch durch sich selbst, durch seine eigenen geheimen oder weniger geheimen Lebensprogramme und Gewohnheiten, durch seine Empfindungen und Gedanken, mit denen man sich prägte. »Jeder spricht sich selbst«, heißt es; man könnte hinzufügen: Und jeder manipuliert sich auch selbst.

Der Kokon ganzer Völker

Wie ist das alles möglich? Es gibt ein Buch Gabrieles, der Prophetin und Botschafterin Gottes für unsere Zeit, das bereits in seinem Titel nahe legt, dass wir zu diesem Thema darin fündig werden: Ich Ich Ich. Die Spinne im Netz*. Dort stoßen wir auf jenes Fallgeschehen, mit dem alles Übel anfing: »Im Fall kehrten sich reine Geistwesen von Gott ab, um nicht nur göttlich zu sein, sondern Gott selbst zu werden«, heißt es dort. Und weiter schreibt sie: »So trennten sich diese göttlichen Lichtformen von Gott und schufen sich die ersten Programmwelten für ihr Wie-Gott-sein-Wollen« (S. 117).

Dieses Programm wird jeden Augenblick neu gespeist, wenn wir entsprechend fühlen, empfinden, denken, sprechen und handeln. Wir sind nicht nur unseres eigenen Glückes Schmied, sondern wir sind auch die Spinne im eigenen Netz. Gabriele schreibt weiter: »Lassen wir uns die Vorstellungen und Wünsche von Zweiten, Dritten oder Vierten einsuggerieren, nehmen wir die Projektionen unserer Nächsten auf, dann ist dies nur deshalb möglich, weil in unserer Seele oder in unserem Unter- oder Oberbewusstsein bereits Ähnliches gespeichert ist. Diese bereits bestehenden Engramme bilden die Basis, gleichsam die Magneten, die Gleiches und Ähnliches anziehen. Die Saat des einen fällt auf den fruchtbaren Boden des anderen« (S. 40).

Und wenn dies lange genug und durch genügend Projektionsträger geschieht, dann legt sich diese kollektive Manipulation wie ein Kokon über das Bewusstsein ganzer Generationen und Völker. Man nennt diesen Kokon dann »Kultur« und »Tradition«. Es ist nicht unwichtig, diesen Vorgang zu durchschauen, wenn man Echtes von Manipuliertem, Ethisches von nur ethisch Verbrämtem unterscheiden will. Wie in das Wort »menschlich« oft Allzumenschliches und Unmenschliches verpackt wird, so muss auch das Wort »Persönlichkeitsentfaltung« nicht selten als hoch stehendes Etikett für die Willkür, je nach Lust und Laune zu leben, herhalten.

Die Schizophrenie, mit der wir Worte für Gutes wie für Schlechtes benutzen, ist ebenso eine Folge des Fallgeschehens wie die Sucht des Menschen, sich immer wieder selbstherrlich zum eigenen Maßstab zu machen – und zugleich andere damit zu manipulieren, was im Zeitalter der Medien bekanntlich besonders gut funktioniert. Ganze Bilderwelten von Sehnsüchten werden produziert und projiziert: Was man unter gutem Aussehen versteht, wie man besonders sexy wirkt, ob man einen Lebenspartner ernst nimmt oder ihn nur als kurzweiligen Begleiter für bestimmte Lebensabschnitte versteht, und Ähnliches mehr. Wer da mitspielt, lässt sich bis ins Detail seines Lebensstils, seiner Kleidung und seines Verhaltens von den Projektionen anderer manipulieren. Ganze Persönlichkeitsattrappen entstehen mitunter durch solche manipulativen Programme, Attrappen übrigens, die sich auf den ersten Blick recht gut ausnehmen: Ein erfolgreicher und rücksichtsloser Unternehmer etwa, den alle bewundern, weil sie lieber nicht danach fragen, mit welchen Mitteln der Mann so erfolgreich wurde. Oder der ehrsame Bürger, der nach dem Sonntagsgottesdienst am Stammtisch das große Wort führen darf, weil niemand danach fragt, was hinter seinen ehrsamen Worten an weniger ehrsamen Empfindungen und Gedanken steckt.

Der Mittelstand wird geopfert

Doch nicht nur die vielen Einzelnen werden zum Opfer der Manipulation, wenn sie mitspielen, sondern immer wieder entstanden ganze Systeme auf diese Weise. Das klassische Beispiel bildet das Systemkartell von Kirche und Staat. Im Mittelalter kostete dieses System vielen das Leben, heute kostet es nur mehr Steuern.

Auch die viel gerühmte »freie Marktwirtschaft« trägt Züge jener Umpolung positiver Werte ins Negative: Aus Geben und Empfangen wurde der Grundsatz: Möglichst viel nehmen und möglichst wenig geben, frei nach dem Motto »Gibst du mir, so gebe ich dir«. Und aus dem göttlichen Prinzip der Freiheit wurde der irdische Wirtschaftsliberalismus, der den Kampf aller gegen alle als ökonomisch wertvolles Wettbewerbsverhalten hochstilisierte. Eine Zeitlang ging das gut; heute sehen wir weltweit, wohin es führt, wenn nicht das Gemeinwohl, sondern das Eigenwohl zum Maßstab aller Dinge wird – in den Vorstandsetagen von Großunternehmen z. B., in denen Manager astronomische Abfindungen für so genannte »feindliche Übernahmen« entgegennehmen; oder an den Börsen dieser Welt, die zum Casino für die Superreichen wurden; aber auch an den Insolvenzzahlen des Mittelstands, der mehr und mehr zum Opfer der großen Absahner wird.

Ein Fallwesen, das seinem Namen »Ehre« macht, polt auch Vertrauen in permanentes Misstrauen um und bewaffnet sich bis an die Zähne, weil man nur auf diese Weise den Frieden wahren könne; und damit die Waffen dann nicht verrosten, werden sie schließlich eingesetzt, wiederum mit dem hohen, meist humanitären Anspruch, der Welt den Frieden zu bringen.

Manipulation und Doppelzüngigkeit sind Geschwister, und beide sind satanischen Ursprungs – ebenso wie ihre Wirkungen: etwa wenn der Einzelne im Namen seiner Persönlichkeitsentfaltung dazu verführt wird, sein Leben mit Nichtigkeiten zu vergeuden; oder wenn mit der Tradition der Jagd feiger Tiermord legitimiert wird; oder wenn mit der Tradition des Militärs der Menschenmord vorbereitet wird; oder wenn mit der Tradition okkulter Heiligenverehrung wieder die Vielgötterei eingeführt wird. Die kulturellen Verkleidungen der Manipulation der Fallwesen untereinander und ganzer Gesellschaften und Völker sind von unendlicher Vielfalt. Wir meinen, in der großen weiten Welt zu leben und bewegen uns nur in der kleinen Welt unseres menschlichen Ichs.

Zur Rechten oder zur Linken Gottes

An dieser Stelle könnte man fragen: Wo bleibt nun das Ebenbild Gottes? (in der Theologie spricht man von Gottesebenbildlichkeit oder von Gottebenbildlichkeit) Und was bedeutet die Aussage im ersten Buch der Bibel, die wir ja vielleicht alle noch in Erinnerung haben: »Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf Er ihn, und schuf sie, einen Mann und eine Frau, und Gott segnete sie. Und Er sah alles an, was Er gemacht hatte, und siehe da, es war sehr gut.«
Wenn Gott etwas erschafft und dies für gut befindet, dann sollte man annehmen, dass dieses Erschaffene auch Bestand hat, und zwar, wie es heißt, »von Ewigkeit zu Ewigkeit«. Mit anderen Worten: Das Ebenbild Gottes ist immer noch im Menschen veranlagt. Aber wo? Und wie können wir es finden oder wahrnehmen?

In der Christusoffenbarung Das ist Mein Wort** heißt es dazu: »Wer das Gebot der selbstlosen Liebe nicht hält, der liebt weder seine Mitmenschen noch die Tier-, Pflanzen- und Mineralwelt ... Deshalb sind nicht alle, welche die Gestalt von Menschen haben, bewusste Ebenbilder Gottes. Nur jene werden wahrhaftig Söhne und Töchter Gottes heißen, welche das selbstlose Leben anstreben und eins sind mit ihren Mitmenschen und mit allen Lebensformen« (88, 1-3).
Das Ebenbild Gottes ist also nicht etwas, das der Mensch neu erschaffen muss, sondern es ist der göttliche Kern in ihm, den er verschüttet bzw. verunstaltet hat über sehr lange Zeiträume hin, und zwar freiwillig und leichtsinnig, indem er sich keine Gedanken gemacht hat über sein egoistisches und rücksichtsloses Schalten und Walten. Zur Aufwertung seines eigenen Egos hat er auch seine Mitmenschen manipuliert und hat sich sogar selbst manipulieren lassen. Dieses verschüttete Ebenbild Gottes kann der Mensch nur wieder sichtbar werden lassen durch ein neues Verhalten, durch eine Bewusstseinserweiterung zu einer neuen Ethik und Moral – eben der Ethik und Moral des Jesus, des Christus, wie sie z. B. in der Bergpredigt zusammengefasst sind, in der es heißt: »Selig sind, die reinen Herzen sind, denn sie werden Gott schauen, weil sie wieder Ebenbilder des himmlischen Vaters geworden sind. Und aus einem reinen, gottergebenen Herzen entströmen Sanftmut und Demut« (Das ist Mein Wort**, Kapitel 25, 17-18).
Ohne die Umkehr im Herzen des Menschen vom ichbezogenen, raffgierigen Nehmen zum selbstlosen, liebevollen Geben und ohne eine echte Hingabe an die Führung durch Christus wird daher das Ebenbild Gottes weiterhin auf Befreiung und Erlösung warten müssen. Ganz unmissverständlich sind die nachfolgenden Worte aus derselben Quelle:
»Wisset, trotz Meiner Weisungen und Lehren werden noch viele Menschen durch ihre Ursachen, die sie wider besseres Wissen immer wieder schaffen, sich selbst zerstören. Ihre Seelen jedoch bleiben erhalten durch den Erlöser. All jene, die trotz besseren Wissens die Gebote des Lebens missachten, werden so lange zu Meiner Linken stehen, bis sie Mich, den Erlöser, an- und aufgenommen haben und den Frieden und die Liebe in sich finden und halten und so zum Gesetz der Liebe werden. Dann wechseln sie von links nach rechts und sie werden mit Mir sein, bis alle Seelen zu Meiner Rechten stehen, die Ich dann als Ebenbilder Gottes wieder dem Vater zuführe« (20, 8).

»Was du nicht willst, dass man dir tu’, das füge auch keinem anderen zu«, das ist die goldene Regel. Kann man diese höchste Ethik und Moral überhaupt noch auf einen einfacheren oder verständlicheren Nenner bringen? Gibt es irgend jemanden unter uns oder in der ganzen Welt, der diesen Satz nicht voll und ganz verstehen und bejahen könnte? Und trotzdem leben viele Menschen gerade in vollständigem Gegensatz dazu – gegenüber der Natur, den Pflanzen, den Mineralien, den Tieren und den eigenen Mitmenschen. Wie ist es möglich gewesen, dass die Manipulation des Menschen ihn so sehr von diesem eigenen Empfinden und verantwortlichen Denken entfernt hat?

Flucht in die Zerstreuung

Der französische Mathematiker und Philosoph Blaise Pascal (1623-1662) schreibt in seinem großen Werk »Pensées«, dass der Mensch durch sein von Gott abgewandtes Verhalten ins Leere wandert – er nennt es das »Néant«, das Nichts. Dort befällt ihn die Langeweile und er entflieht diesem Zustand, indem er sich ins »Divertissement« – also in die Ablenkung und Zerstreuung – flüchtet.
Ist das nicht vielleicht eine unserer gefährlichsten menschlichen Verhaltensweisen, die wir alle kennen? Was machen wir, wenn wir ausgebrannt nach Hause kommen? Wir langweilen uns und schalten den Fernseher ein. Und wir wissen genau, was in dieser Zerstreuung und Ablenkung passiert. Wir legen über unsere aktuelle Situation einen Deckel und glauben, es sei dann alles wieder in Ordnung.
Niemand wird leugnen können, dass die Versuchungen zur Ablenkung in der heutigen Zeit größer sind als je zuvor. Also bedarf es unserer besonderen Wachsamkeit und Disziplin, wenn wir nicht selbst immer wieder der Zerstreuung und Manipulation erliegen wollen ohne wirklich zu wissen, was eigentlich mit uns los ist. Stellen wir uns einmal für einen Augenblick ein Leben vor ohne Zeitung, ohne Radio, ohne Fernseher, ohne Autos, ohne Unterhaltungsindustrie! Was geschieht dann noch im Leben des Einzelnen, der sich sonst z. B. mit Wochenend-Parties, Geburtstagsfeiern, Fußball-Bundesliga, Computerspielen, Musikhören, Talkshows oder Weltpolitik die Zeit vertreibt? Wir sind plötzlich auf uns allein gestellt, allein mit unserem Ebenbild Gottes, tief unter dem ganzen Schutt menschlichen Ichs. Und wir bekommen es vielleicht mit der Angst zu tun vor dieser gähnenden Leere, in die wir möglicherweise fallen würden. Vielleicht ist es gerade diese Angst, die so vielen Menschen das Hinübergehen beim Sterben so schwer macht, weil sie ahnen, dass diese nüchterne Stunde herannaht, ohne die Möglichkeit von Zerstreuung und Ablenkungsmanövern.
Demgegenüber heißt es in der Vision vom Ebenbild Gottes: »Das Kind Gottes ist ein Ebenbild Gott-Vaters und ist deshalb – in sich – ewig schöpfende Kraft, denn es trägt in sich alle Substanzen der ewigen Kraft. Sie sind alle in ihm vollkommen entwickelt. Deshalb blicken Tiere, Pflanzen und Steine zum Ebenbilde Gottes empor und wünschen sich die Einheit mit dem ausgereiften Wesen aus Gott, zu dem sich das mehr und mehr formgewordene Leben geistig empor entwickelt« (19, 9).

Was für eine Aussage! Welche Verantwortung tragen wir Menschen demzufolge für die ganze Entwicklung des Lebens auf dieser Erde. Immer wieder ist zu hören, dass die Natur doch auch gewalttätig sei und die Tiere sich gegenseitig töten und auffressen. Können wir uns jetzt vielleicht vorstellen, dass diese Kreatur, die uns vom Schöpfer auf diesen Planeten mitgegeben wurde, zu uns aufblickt und ihr Verhalten in der Weise ändert, wie sie es von ihrem großen Vorbild Mensch lernt – so wie die Kinder vom Handeln ihrer Eltern geprägt werden? Doch wie verhalten sich die Menschen ihnen gegenüber seit Jahrtausenden? Was können die Lebensformen, die von der »Krone der Schöpfung« betreut werden sollten, also von uns lernen? Wie reagieren wir, wenn uns die Lebensformen erwartungsfroh anblicken, lernen möchten und hoffen, dereinst auch ausgereifte Wesen aus Gott zu werden?

Entwicklungshelfer für die Schöpfung

Wenn wir als Menschen so durch den Tag schlendern oder auch manchmal hetzen, unsere Arbeit oder unsere weltlichen Verpflichtungen so schlecht und recht verrichten und hier und dort einmal einer karitativen Vereinigung eine Spende zukommen lassen, so haben wir unsere Lebensaufgabe auf dieser Erde also mitnichten erfüllt. Von Christus erfahren wir, dass wir Entwicklungshelfer für die Kreatur Gottes auf diesem Planeten sein sollen, nicht nur Nutznießer oder gar Ausbeuter Seiner wunderbaren Schöpfung. Und um dieser Aufgabe gerecht zu werden, kommen wir nicht umhin, unsere Eigenschaften als Ebenbild Gottes wieder zu aktivieren und als solche zu leben.
Die Wiedererweckung unseres geistigen Erbes, des Ebenbildes Gottes in uns, ist also keine philosophische Angelegenheit, sondern vor allem eine Sache der Umsetzung im täglichen Leben. Zusammengefasst könnte man sich fragen: Was hat mein Nächster von meinem Leben? Trägt mein Tun dazu bei, dass es auf diesem Planeten lichter und heller wird? Dass auch das geistige Leben in den Tieren, Pflanzen und Mineralien erwacht und dass sie sich in ihrer Entwicklung freudig dem Ebenbild Gottes anvertrauen?

In einer Christusoffenbarung heißt es dazu: »Erkenne: Dir sind die Tage zur Entscheidung gegeben. Jeder Augenblick ist kostbar, er spricht zu dir, zeigt dir auch deine Gefühls-, Empfindungs- und Gedankenwelt auf. Er sagt dir: ´Erkenne dich, denn du bist das, was du fühlst, empfindest, denkst, sprichst und handelst. Du bist es. Erkenne dich darin und gehe den Weg nach Innen.` Dann wirst du kein Suchender mehr sein, denn Ich, der Christus, lasse Mich in dir finden.«

In unserem Inneren, aus der Kraft des Ebenbildes Gottes in uns, wächst uns dann auch die Kraft zu, das erkannte Negative Schritt für Schritt abzulegen, so dass das Ebenbild Gottes uns mehr und mehr durchdringen kann. Unsere Mitmenschen, die Tiere und unsere ganze Umwelt sehnen sich danach, so wie es schon im Neuen Testament heißt: »Das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden« (Römerbrief 8, 19). Und wie lange sollen die »Kreaturen« noch warten und weiter leiden? Letztlich ist es auch der Ruf unserer eigenen Seele, der uns mahnt und Mut macht, uns jeden Augenblick neu zu entscheiden, das Ebenbild Gottes in uns zu suchen und zu finden und das Nötige zu tun. (Dr. med. C. Obreschkow)
 

Literatur:
*     http://www.das-wort.com/cgi/gen_article.cgi?article=s325de&type=desc&rtopic=bewusstesleben
**  http://www.das-wort.com/cgi/gen_article.cgi?article=s007de&type=desc&rtopic=botschaftausdemall


Journal Das Friedensreich, Ausgabe Nr. 7/03


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Fernsehtipp
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