Gesundheit

Wen juckt's? Ernährung und Allergien

Ausschlag, Jucken, Dauerniesen ... 25-30 % der Bevölkerung leiden an Allergien, ständig werden es mehr. Besonders in den Industriestaaten hat die Zahl der Allergiker in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen – Menschen in den Entwicklungsländern sind weniger betroffen. Warum? Die Ernährung macht's!

Während in den reichen Ländern viel Fleisch, Fisch, Wurst und Käse verzehrt werden, die Menschen also viel Fett und tierisches Eiweiß zu sich nehmen, leben Menschen in den ärmeren Ländern dieser Erde vorwiegend vegetarisch und sind - das beweisen verschiedene Forschungsprojekte zu diesem Thema - deshalb weniger gefährdet.
Eine Studie mit den vegetarisch lebenden Adventisten in USA hat beispielsweise ergeben: Vegetarier leiden insgesamt weniger häufig an Allergien als Mischköstler. Dies gilt sowohl für Asthma, für Heuschnupfen, für Tier- und Chemikalienallergien. (1)
Nun senkt eine vegetarische Kost nicht nur das Allergierisiko, sondern langjährige Allergien lassen sich durch Umstellung auf fleischlose Ernährung abschwächen oder gar heilen: Bereits 1985 begleitete eine schwedische Forschungsgruppe 35 Patienten, die bereits über Jahre an allergischem Asthma litten. Die Testpersonen erhielten ein Jahr lang eine vegane Kost, aßen also weder Fleisch noch Fisch noch Milchprodukte. Das Ergebnis: Nach einem Jahr hatten alle Patienten deutlich weniger Beschwerden und messbar verbesserte Lungenfunktionen. In fast allen Fällen konnten die über Jahre eingenommenen Medikamente reduziert oder sogar völlig weggelassen werden. (2)
Zu ähnlichen Ergebnissen kam eine Forschergruppe aus Osaka: 2001 wurden 20 Patienten mit chronisch entzündeten Hautpartien zwei Monate lang mit einer kalorienreduzierten vegetarischen Kost versorgt. Allein durch die Nahrungsumstellung bildeten sich bei allen Personen die Entzündungen zurück. (3)

Gemüse schützt vor Allergien

Positiv wirkt sich bei einer Allergiebehandlung nicht allein das Weglassen tierischer Produkte aus. Auch die pflanzliche Kost, die stattdessen mehr verzehrt wird, tut ihren Teil dazu: Unter den »sekundären Pflanzeninhaltsstoffen«, die eine Pflanze neben Kohlenhydraten, Proteinen und Fetten enthält, sind etliche Stoffe mit gesundheitsfördernder Wirkung. In Bezug auf Allergien sind z. B. die Flavonoide interessant, also Antioxidantien, die sich positiv auf das Krankheitsbild auswirken. In einer englischen Studie wurde z. B. nachgewiesen, dass bei einer hohen Zufuhr von Flavonoiden das Auftreten und der Schweregrad von Asthmaanfällen vermindert ist. (4) Und da Gemüse auch die antientzündliche Salizylsäure enthält, kann es auch allergisch bedingte Entzündungen positiv beeinflussen.
Es sind etliche Hinweise, die beweisen, dass eine vegetarische bzw. vegane Ernährungsweise sowohl vorbeugend als auch zur Behandlung von Allergien erfolgreich eingesetzt werden kann, da die entzündliche Grundstimmung im Körper gemindert und die allergische Reaktionsbereitschaft herabgesetzt wird. Doch findet diese Tatsache bisher wenig Eingang in die ärztliche Praxis oder den klinischen Alltag. Dass eine vegetarische Kost nicht nur für die Mahlzeiten zu Hause, sondern gerade auch als Ernährungskonzept für Krankenhäuser, Kliniken und Sanatorien taugt, stellen bisher erst wenige Einrichtungen unter Beweis. Sie werden zum Teil von der Schulmedizin noch als »Exoten« beäugt, doch sprechen ihre Erfolge für sich. In der unterfränkischen HG Naturklinik Michelrieth beispielsweise mit ihrem modernen ganzheitlichen Therapiekonzept erhalten alle Patienten ausschließlich vegetarische bzw. vegane Mahlzeiten, was sich nach Angaben von Chefarzt Dr. med. Arno Schneider nicht nur bei Allergien, sondern bei vielen anderen Krankheitsbildern wie z. B. Rheuma, Diabetes, Stoffwechselstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen etc. positiv auswirkt. »So alt der Satz des griechischen Arztes und Philosophen Hippokrates auch sein mag, sein zukunftsweisender Ansatz tritt in der heutigen Zeit immer mehr zu Tage: ‘Eure Nahrungsmittel sollen Heilmittel und eure Heilmittel sollen eure Nahrungsmittel sein’.« (Dr. med. H.-G. Kugler)


(1) Knutsen SF: Lifestyle and the use of health services; Am J Clin Nutr. 1994 May; S.1171-1175
(2) Lindahl et al: Vegan regimen with reduced medication in the treatment of bronchial asthma; J Asthma, 1985; 22 (1): S. 45-55
(3) Toshio Tanaka et al: Vegetarian Diet Ameliorates Symptoms of Atopic Dermatitis through Reduction of the Number of Peripheral Eosinophils and of PGE 2 Synthesis by Monocytes; J. Physiol Anthropol 20 (6): S.353-361, 2001
(4) Shaheen SO et al: Dietary antioxidants and asthma in adults: population-based-case-control study; Am J Respir Crit Care Med., 2001 Nov 15; 164 (10 Pt 1): 1823-8


Journal Das Friedensreich, Ausgabe Nr. 9/03


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