|
Wen locken
Sexualduftstoffe an?
Der Pheromon-Boom
hat begonnen
»So mancher Mann tut´s jede Woche, Frauen machen´s immer öfter«,
heißt es in einem Artikel der Neuen Grazer (Pheromon-Boom, 22.8.2003) – nämlich mit
Hilfe von Sexualduftstoffen, den Pheromonen, die eigene sexuelle Anziehungskraft
zu erhöhen.
Normalerweise produzieren Menschen und Tiere körpereigene Pheromone,
um auf natürliche Weise auf das eigene Fortpflanzungsverhalten einzuwirken. Die
Kosmetik-Industrie und die Massentierhaltung machen sich dies nun zunutze:
Pheromone werden im Schweine- oder Kuhstall versprüht, Parfüms und Sonnenmilch
mit künstlich hergestellten Pheromonen versetzt. Fragt man in einer Drogerie
nach, zuckt der Verkäufer jedoch oftmals die Schulter. Die »An-Turner«, wie sie
auch heißen, werden dort noch kaum angeboten. Pheromon-Zusätze stehen allenfalls
im Kleingedruckten auf der Parfümflasche. Noch muss sich der Kunde die »heiße
Ware« also aus Toiletten-Automaten ziehen oder im Erotik-Shop besorgen, wo die
Pheromone in diesem Jahr dem Bericht aus Österreich zufolge zum »Bestseller«
aufgestiegen sind. 55 % der Kunden sind Männer, 45 % Frauen, bilanziert die
Branche, viele »weit über 60 Jahre alt«. »Ich habe Kundschaften, die kaufen sich
sogar jede Woche eine Flasche Pheromon-Parfüm«, erzählt Geschäftsführer Kurt G.
der Neuen Grazer. Und er fügt hinzu, dass die künstlich hergestellten Pheromone
»die exakt gleiche Wirkung wie natürliche haben«. Er selbst könne den »Erfolg«
bestätigen.
Was dem einen sein »Erfolg« ist, kann dem anderen sein Schaden sein:
Manipulierte Entscheidungen, Streit und Enttäuschungen, ungewollt gezeugte
Kinder bis hin zu Sexualverbrechen. Auch die Tiere erleiden Schaden: Viele
Nachkommen bedeuten viele »Schlachttiere«. Und nachdem der in den Ställen
versprühte Fortpflanzungsdunst in Wald und Flur entwichen ist, manipuliert er
offenbar auch das Fortpflanzungsverhalten von Wildtieren, woraufhin man den
Jäger auf sie ansetzt. (D. Potzel)
Journal Das Friedensreich, Ausgabe Nr. 10/03
|