Ernährung

Vegetarisch auch für Kinder?

Viele Kinder mögen kein Fleisch. Entweder es schmeckt ihnen einfach nicht oder sie erfahren, dass das Stück Fleisch auf ihrem Teller ein Tier war, und wollen es deshalb nicht essen. In anderen Familien sind die Eltern Vegetarier und möchten deshalb auch ihre Kinder fleischlos ernähren.

Ist eine vegetarische Ernährung im Kindesalter gesund? Diese Frage stellt sich, wenn ein Kind von sich aus kein Fleisch essen will oder Eltern aus ethischen Gründen ihr Kind fleischlos ernähren möchten.
Generell ist eine vegetarische Ernährung für alle Altersgruppen empfehlenswert. Denn neben ethischen und auch ökologischen Überlegungen bringt eine fleischlose Kost viele Vorteile für die Gesundheit. Studien in aller Welt haben gezeigt, dass Vegetarier beispielsweise ein geringeres Risiko haben, an Diabetes, Osteoporose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Rheuma, Gicht usw. zu erkranken und dass sogar die Lebenserwartung höher ist als bei Mischköstlern. Gerade bei Kindern haben ernährungsabhängige Krankheiten in den letzten Jahrzehnten dramatisch zugenommen. Die Zahl der übergewichtigen Kinder wächst, Diabetes wird immer häufiger schon im Kindesalter diagnostiziert. Auch Gefäßveränderungen sind nach einer amerikanischen Studie schon bei 70 % der Kinder festzustellen. Diesen Risiken kann man durch vegetarische Ernährung vorbeugen.

Kann man das Fleisch einfach weglassen?

Voraussetzung für eine gesunde vegetarische Kost ist – das gilt für alle Ernährungsformen – eine ausgewogene Zusammenstellung der Lebensmittel. Bei Kindern muss man zusätzlich berücksichtigen, dass der Organismus andere Anforderungen an die Ernährung hat, als es bei einem erwachsenen Menschen der Fall ist. So haben Kinder z. B. einen viel höheren Energiebedarf als Erwachsene. Sie benötigen auch deutlich mehr Calcium, mehr Vitamin D und Vitamin C.
Man muss als Elternteil allerdings kein Ernährungsexperte sein, wenn man sein Kind fleischlos ernähren möchte. Bei einer ausgewogenen vegetarischen ovo-lacto-vegetabilen Kost (bei der außer pflanzlichen Nahrungsmitteln auch Milch und Eier verzehrt werden) ist es überhaupt kein Problem, das Kind ausreichend mit allen lebenswichtigen Nährstoffen zu versorgen. Voraussetzung ist, wie bei jeder andern Kost auch, ein abwechslungsreicher Speiseplan.

Wichtig: Abwechslung im Speiseplan

Abwechslung in der Küche bedeutet ganz einfach, über die Woche hinweg zwischen Kartoffeln, Reis, Nudeln und Hülsenfrüchten abzuwechseln und auch die Gemüsesorten zu variieren. Man kann sich dabei z. B. an den Farben einer Ampel orientieren: Wenn man rotes Gemüse wie Rote Bete oder Karotten, grünes Gemüse wie Spinat, Mangold, Bohnen, Erbsen und gelbe bzw. helle Gemüsesorten wie etwa Pastinaken, Hokkaido-Kürbis, Sellerie usw. variiert, hat man eine gute Mischung der verschiedenen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Und: Salat und frisches Obst sollten ausreichend auf dem Küchenzettel stehen, ebenso Nüsse, die hochwertiges Eiweiß und auch wichtige Spurenelemente, z. B. ausreichend Zink, enthalten.

Viele Kinder haben übrigens das Gespür, was ihrem Körper gut tut, noch nicht verloren, was man von den meisten Erwachsenen nicht behaupten kann. Ein Kind, das sich eine zeitlang verstärkt Karotten wünscht, hat vielleicht in einer bestimmten Entwicklungsphase einen erhöhten Bedarf an Carotin, einer Vorstufe des Vitamin A. Man sollte in einer solchen Phase dem Wunsch des Kindes nach Karottengerichten ruhig nachkommen.

Genügend Eisen ohne Fleisch

Ein Thema, das bei Diskussionen über vegetarische Ernährung immer wieder aufkommt, ist die Frage nach der Eisenversorgung: Pflanzliche Nahrung, wie z. B. Vollwertgetreide, Haferflocken, Feldsalat, Erbsen, Broccoli enthalten zum Teil mehr Eisen als Fleisch oder Milch. Allerdings kann der Körper das Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln weniger leicht aufnehmen. Vitamin C jedoch erhöht wiederum die Eisenaufnahme aus der Nahrung. Daher ein Tipp: Etwas Zitronensaft in die Salatsoße geben oder ein Glas Orangensaft zum Essen trinken – das erhöht die Aufnahme von Eisen aus dem Gericht.

Wie sinnvoll ist eine rein vegane Kinderernährung?

Kinder rein vegan zu ernähren ist grundsätzlich möglich, erfordert aber von den Eltern eine umfangreiche Kompetenz in Ernährungsfragen, um den Bedarf mit den kritischen Nährstoffen Eiweiß, Eisen, Zink, Calcium und Vitamin D und B12 zu decken. Die Nahrung muss in diesem Fall mit Sorgfalt und Sachverstand zusammengestellt werden. Z. B. sollten Getreide und Hülsenfrüchte kombiniert werden, um eine optimale Eiweißversorgung zu erhalten, wie z. B. Linsen mit Spätzle oder ein Bohnen-Eintopf mit Mais. Die meisten Ernährungsexperten und Mediziner raten darüber hinaus bei einer strikt veganen Kost im Kindesalter zu einer Nahrungsergänzung mit Vitamin D und Vitamin B12-Präparaten (siehe Das Friedensreich Nr. 2/2004).

Das Kind zu nichts zwingen!

Eltern können ihrem Kind in der Ernährung wie in allen anderen Bereichen zwar Vorbild sein, sie sollten das Kind aber nicht zu etwas zwingen, das es partout nicht möchte. Bestimmt haben vegetarisch lebende Eltern ihrem Kind erklärt, weshalb es zu Hause kein Fleisch gibt, und das Kind versteht dies, z. B. weil es erfahren hat, dass die Wurst, die so sauber in der Theke liegt, einmal ein kleines Kälbchen war oder wie es in einem Schlachthof zugeht. Es gibt Kinder, die vertreten ihre Einstellung, warum sie selbst keine Tiere essen möchten, auch selbstbewusst vor ihren Freunden, weil es ihre eigene Überzeugung geworden ist. Doch es kann auch einmal eine Phase kommen, wo Kinder sich als Außenseiter fühlen, wenn sie bei einem Grillfest ihre vegetarische Wurst auf den Rost legen und alle anderen braten ein Steak. Sie möchten dann eben auch Fleisch essen, um das Gefühl zu haben, dazuzugehören. Oder ein Kind rebelliert gegen bestimmte Verhaltensweisen der Eltern und macht dann den Protest daran fest, dass es jetzt - anders als die Eltern - unbedingt Fleisch essen will, einfach um auf contra zu gehen.
Hier sollte man als Elternteil die Kinder in ihren persönlichen Entwicklungsprozessen so gut es geht begleiten und, wo das möglich ist, als guter Freund unterstützen. Es ist wenig sinnvoll, fanatisch auf einer bestimmten Ernährungsweise zu beharren oder dem Kind gar zu verbieten, Fleisch zu essen. Es wird früher oder später sowieso seine eigenen Erfahrungen machen und die Ernährungsform wählen, die ihm entspricht. (Silke Dziallas, Ökotrophologin)


Journal Das Friedensreich, Ausgabe Nr. 3/04


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