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»Begleitet von Jesus,
dem Christus«
Würdige
Bestattung ohne Kirche
Auf den deutschen
Friedhöfen ist vieles in Bewegung gekommen. War noch vor einigen Jahren eine
Bestattung durch die Kirche die Regel, so nimmt deren Anteil von Jahr zu Jahr
weiter ab (in Berlin z. B. noch 35 %). Auch Kirchenmitglieder, die zu Lebzeiten
Zehntausende Euro an Kirchensteuer bezahlten, verzichten zunehmend auf den
»letzten Dienst« ihrer Kirche und wählen lieber eine Feier mit einem
»weltlichen« Redner. Dieser Umstand hatte einen evangelischen Pfarrer aus Bayern
so »aufgebracht, gekränkt und wütend« gemacht, dass er an die
Seelsorge-Sprechstunde seines Sonntagsblatts schrieb: »Ich bin verletzt, weil
uns hier etwas aus den Händen gleitet, was ja uns als Kirche gehört. In manchen
meiner Fantasien taucht die Angst auf, ich könnte in ein paar Jahren überhaupt
nicht mehr als Seelsorger gefragt sein. Übrigens stehe ich nicht ganz allein. Im
Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen bin ich vielleicht der Sensibelste, aber
die anderen teilen meine Sorgen schon lange.« (4.7.2004) Wir befragten zu diesem
Thema Dieter Potzel, früher selbst evangelischer Pfarrer, der Hochzeiten und
Bestattungen ohne Kirche anbietet.
Frage: Herr Potzel,
könnte es tatsächlich dazu kommen, dass Ihre ehemaligen Kollegen in ein paar
Jahren überhaupt nicht mehr als Seelsorger gefragt sind, nicht einmal mehr aus
Anlass eines Todes?
Potzel: Das weiß ich nicht. Tatsache ist jedoch, dass sich heute immer
mehr Menschen zu Lebzeiten Gedanken über ihren späteren Tod machen, und das ist
auch gut so. Dabei taucht auch bei Kirchenmitgliedern häufig die Frage auf: »Ja,
will ich denn überhaupt, dass mein Körper so bestattet wird, wie das in meiner
Kirche üblich ist? Und möchte ich, dass der Pfarrer dazu eine Predigt hält?« Und
die Antwort lautet häufig: »Wenn ich ehrlich bin, nein.« Menschen möchten
zunehmend selbst entscheiden, was bei der späteren Bestattung geschieht, und sie
wünschen sich dafür einen anderen äußeren Rahmen als die Totenmessen oder
konfessionellen Bestattungsgottesdienste, die ihnen fremd sind. So suchen sie
lieber nach einer Person ihres Vertrauens, die den Abschied z. B. persönlicher
gestalten kann.
Befreiung und Erleichterung
Frage: Ihr ehemaliger Kollege reagiert
darauf gekränkt und wütend, weil dieser Bereich nach seiner Ansicht der Kirche
»gehört«. Und eine aktuelle Erklärung der Evangelischen Kirche in Deutschland
(EKD) aus dem Jahr 2004 geht sogar noch einen Schritt weiter. Darin heißt es im
Hinblick auf die Bestattung von Kirchenaussteigern: »Unbestritten ist die
Einsicht, dass die Kirche eine bleibende Zuständigkeit behält, auch für die
Getauften, die aus der Kirche ausgetreten sind.« Während sich einerseits also
schon Kirchenmitglieder nicht mehr kirchlich bestatten lassen, beruft sich die
Kirche auf der anderen Seite sogar auf eine angebliche Zuständigkeit für die
Bestattung Ausgetretener. Wie lässt sich das erklären?
Potzel: Das hängt damit zusammen, dass die Kirchen bei der Taufe Gott
vereinnahmen, indem sie lehren, dass angeblich Gott durch den Priester oder
Pfarrer taufe, was aus kirchlicher Sicht niemals rückgängig gemacht werden
könne. Und weil die Taufe automatisch die Kirchenmitgliedschaft beinhaltet,
begründen die Kirchen damit eine angeblich unkündbare Zuständigkeit für diesen
Menschen bis zum Tod. Eine solche Position weisen aber viele Menschen, die ja
meist als Säuglinge ohne ihr Zutun kirchlich getauft worden sind, mit
Entschiedenheit und mit Recht zurück. Hinzu kommt, dass immer mehr Menschen
wissen, glauben oder ahnen, dass der Tod und das Leben danach ganz anders sind,
als sie es früher in den Kirchen gelernt hatten. Die Kirche ist für sie bei
diesem Thema nicht mehr kompetent. Diese Einsicht ist für sie mit einem Gefühl
der inneren Befreiung und mit großer Erleichterung verbunden. Man ist einer
Institution und ihren teilweise bedrohlichen Ritualen und Lehren, etwa einer
angeblich leidvollen ewigen Trennung zahlloser Menschen von Gott, nicht mehr
ausgeliefert. Dies gilt auch beim Sterben und bei der Beerdigung. Mittlerweile
vermittelt nahezu jeder Bestatter die Möglichkeit einer nichtkirchlichen
Abschiedsfeier, die z. B. atheistisch oder auch sehr religiös sein kann, aber eben
dann nicht
konfessionell-kirchlich. Mir ist es in diesem Zusammenhang wichtig, dass man
gerade ohne Kirche sich von Jesus, dem Christus, begleitet wissen kann, wenn man
das möchte.
Er liegt nicht »dort unten«
Frage: Aus diesem Grund bieten Sie ja
selbst im ganzen deutschsprachigen Raum Abschiedsfeiern an und seit kurzem auch
die Bestattungen selbst. Gehen Sie dabei auf alle Wünsche der Menschen ein oder
fühlen Sie sich mehr Ihren Überzeugungen verpflichtet?
Potzel: Erfahrungsgemäß lässt sich immer eine gute Lösung finden.
In einem Vorgespräch mit den Angehörigen erfahre ich, was der Verstorbene
glaubte und was die Angehörigen glauben, was ja auch ganz verschieden sein kann.
Deckt sich das nicht mit meinem eigenen Glauben, kann man vieles auch offener
formulieren, so dass möglichst vielen Menschen in ihrer augenblicklichen
Situation der Trauer bzw. des Abschieds weitergeholfen wird. Dazu dient ja auch
der äußere Rahmen eines Abschieds, den man bei einer Feier ohne Kirche frei
wählen kann und für den ich den Angehörigen einen Vorschlag machen kann. Wenn
dann gegen Ende z. B. der Sarg in die Erde gelassen wurde, weise ich oft noch
einmal darauf hin, dass der liebgewordene Mensch jetzt nicht tot dort unten
liegt, sondern dass seine unsterbliche Seele den Körper verlassen hat und ihren
Weg in der für uns unsichtbaren Welt fortsetzt. Wenn das allerdings nicht im
Sinne des Verstorbenen bzw. der Angehörigen ist, sage ich es nicht. Bei
unterschiedlichen Glaubensvorstellungen kann man in der Ansprache z. B. daran
erinnern, was der Verstorbene selbst geglaubt hat, wodurch sich niemand
vereinnahmt fühlt. Im Gegenteil: Es gehört zum Respekt, den man ihm noch einmal
zeigen möchte. Oder man weist auf unterschiedliche Arten der Trauer oder des
Trostes hin bzw. verwendet die Frageform, die den Verstorbenen und alle
Anwesenden frei lässt.
Zeit zum Abschiednehmen
Frage: Nun kann eine solche
Abschiedsfeier ja sehr intensiv sein oder äußerlich aufwändig, z. B. auch durch
Musik. Mancher wünscht jedoch überhaupt keine Feier und möchte sich anonym
bestatten lassen. Wie gehen Sie damit um?
Potzel: Für jede Form des Abschieds gibt es gute Gründe und
Motive, und hier lässt sich meist ohne Probleme der jeweilige Wunsch
verwirklichen. Wer z. B. anonym bestattet werden möchte, hat oft dafür gesorgt,
dass sich alle Verwandten und Freunde noch einmal auf dem Sterbebett von ihm
verabschieden konnten, was sehr wichtig sein kann. Auch muss der Bestatter nicht
sofort kommen und den Körper abholen. Die Natur hat es so eingerichtet, dass
sich das Leben, d. h. die Seele, meist langsam aus dem Körper zurückzieht. Und
auch wenn der Arzt sichere Zeichen des Todes festgestellt hat, ist die Seele oft
noch da. Von daher sollte man sich als Angehörige die Zeit lassen, die man
braucht. Und später bei einer Feier auf dem Friedhof kann es für sie eine große
Hilfe sein, wenn z. B. noch einmal das Lieblingslied des Verstorbenen gehört
wird oder wenn man sich bewusst macht, was man von ihm lernen konnte oder wofür
man danken kann. In jedem Fall sollte der Abschied von der inneren Haltung her
niveauvoll, würdig, ehrfurchtsvoll und herzlich sein. Im Äußeren kann dies dann
jeder nach seinen Möglichkeiten ausdrücken bzw. nach dem, was ihm wichtig ist.
Hier finde ich es wesentlich, dass Verwandte und Freunde sich ganz frei machen
von äußeren Erwartungen und nach ihrem Inneren entscheiden bzw. nach dem, was
der Verstorbene sich gewünscht hat.
Frage: Sie deuten damit auch die Kosten
an.
Potzel: Auch. Der eine legt Wert auf manches Äußere, weil er damit
eine innere Haltung der Wertschätzung zum Ausdruck bringen will. Der andere
möchte gerade aus diesem Grund äußere Möglichkeiten eher sparsam einsetzen. Hier
lege ich Wert darauf, Angehörige unvoreingenommen zu beraten, dass sie für sich
und im Sinne des Verstorbenen das Richtige tun. Wer seine Angehörigen hier
entlasten möchte, kann schon zu Lebzeiten vorsorgen und alles Notwendige mit
einem Bestatter seines Vertrauens besprechen.
Frage: Kann man auch Sie als Bestatter wählen und
dennoch einen Pfarrer oder Priester für die Abschiedsfeier?
Potzel: Selbstverständlich. Dies kann unterschiedliche Gründe
haben, und es ist mir ein Anliegen, meinen Teil der Verantwortung im Sinne des
Verstorbenen und seiner Angehörigen wahrzunehmen. Das kann entweder bei der
Abschiedsfeier sein oder bei all´ den Dienstleistungen, die zu einer Bestattung
gehören oder bei beiden Bereichen. Bin ich nur für einen Bereich verantwortlich,
kooperiere ich entweder mit dem jeweiligen Bestatter oder mit der jeweiligen
Konfession oder Glaubensgemeinschaft, welche für die Feier verantwortlich ist.
Wobei ich den Menschen in erster Linie Mut machen möchte, sich von kirchlichen
Bindungen zu lösen, wenn diese nicht mehr zu ihnen passen.
Wer mit Herrn Potzel zu diesem Thema unverbindlich Kontakt
aufnehmen möchte, kann dies gerne unter folgender Telefonnummer tun: 09394/994222. Oder Sie schreiben eine E-Mail an
info@wuerdige-bestattung.de. Briefliche Anfragen können
auch an die Redaktion gerichtet werden (Max-Braun-Straße 2, 97828
Marktheidenfeld). Wir geben
sie gerne weiter. Ein Interview zum Thema Trauung und Hochzeit lesen Sie unter
www.festliche-trauung.de
Journal Das Friedensreich, Ausgabe Nr. 8/04
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