Zölibat

Schuld ist, wer darüber redet

Nun soll es dem Tagesthemen-Moderator Ulrich Wickert an den Kragen gehen. In den Tagesthemen vom 21.7.2004 erwähnte Wickert die Vorgänge im Priesterseminar von St. Pölten und äußerte sich in diesem Zusammenhang über das Zölibat wie folgt: »Der Zölibat, der katholischen Priestern verbietet, mit Frauen zu schlafen, mag im Glauben einen Sinn finden, nicht aber im wirklichen Leben.« Und: »Dieses Gebot hat überall auf der Welt zu großen Skandalen geführt. Priester verführen in ihrer sexuellen Not Jungs.«

In St. Pölten geht es zwar hauptsächlich darum, dass Seminaristen verbotenerweise Bilder von Kinderpornografie und sexuellen Vergehen an Tieren auf ihre Festplatte herunter luden. In mindestens einem Fall ermitteln die Behörden auch wegen des Vorwurfs, dass ein Insasse dieses Seminars einen Ministranten missbraucht habe.

Die deutschen Bischöfe empören sich nun – jedoch nicht über die Vorgänge in St. Pölten, sondern über Ulrich Wickert. Eine Verbindung zwischen Sexualverbrechen von Priestern und dem Zölibat zu ziehen, sei »untragbar« und »völlig unangemessen«. Die Bischöfe forderten die ARD auf, »solche Entgleisungen künftig zu verhindern«.

Wohlgemerkt: Nicht die Entgleisungen in St. Pölten, sondern die angeblichen »Entgleisungen« eines Moderators, der es wagt, über auf der Hand liegende Zusammenhänge zu sprechen. Denn schließlich ist der Zölibat in der katholischen Kirche keine freie Entscheidung von einzelnen, sondern Zwangsvoraussetzung für das Ergreifen des Priesterberufs.

Ulrich Wickert war ja noch zahm. Er hätte schließlich auch fragen können: Müssen wir jetzt unsere Kinder und auch unsere Tiere wegschließen, wenn ein katholischer Priester in der Nähe ist?


Journal Das Friedensreich, Ausgabe Nr. 8/04


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