Es
ist vielleicht der größte Prozess der Weltgeschichte. Vom ersten Jahrhundert bis
in die Gegenwart reichen die Anklagepunkte gegen 46 Hauptbeschuldigte - allesamt
Päpste, welche die Verantwortung für eine beispiellose Verbrechensgeschichte
tragen. Die „Strafsache Vatikan“, vom ehemaligen Stern-Redakteur Uli Weyland verfasst, 1994 erstmals
veröffentlicht und jetzt als Taschenbuch beim Verlag DAS WEISSE PFERD neu
aufgelegt, ist ein aus Fakten bestehender atemberaubender Historienroman. Der
Mann, auf den sich die Angeklagten zeit ihres Lebens zu Unrecht berufen haben,
begegnet ihnen nun als Kläger: „Jesus klagt an!“
Das erschütternde Schauspiel beginnt in der Sixtinischen Kapelle
im Vatikan. Der Autor sitzt in einer der Bänke, den Kopf nach oben gerichtet,
und er betrachtet das Deckengemälde Michelangelos über das Jüngste Gericht.
Ausschnitt für Ausschnitt schildert er, was auf dem Gemälde zu sehen ist. Im
Mittelpunkt Jesus: „Er sitzt nicht und richtet, dieser Jesus steht und klagt an.
Mächtig und zürnend, den rechten Arm dorthin erhoben, wo dieses schier
unendliche Durcheinander von Menschenleibern sich schlängelt ... Plötzlich -
träume ich? - eine schnelle, heftige Armbewegung von Jesus, und in der Ferne das
seidenfeine Geläut einer Glocke. Dann kehrt wieder Stille ein ... Langsam
beginne ich zu begreifen: Hier wird ein Tribunal vorbereitet, ein Prozess ...
Ganz klar und deutlich kann ich das Geschehen verfolgen, als ob ich unter ihnen
säße“ (S. 13 f.).
In seinem Eröffnungsplädoyer beschwört Jesus die Dimension der Klage und weist
auf den Seher Johannes hin, der in seiner Apokalypse am Ende der Bibel „die
Schreckensvision Kirche vorausgeahnt“ hat. „Als Inkarnation der vier
apokalyptischen Reiter zieht sich die Spur der Kirche durch die Weltgeschichte:
Hunger, Pest, Krieg und Tod.“
Der erste Angeklagte ist Klemens I. - um das Jahr 100 als angeblicher Nachfolger
des Petrus Bischof von Rom - bezichtigt unter anderem der Amtsanmaßung, der
Falschaussagen und des Betrugs. Verworfen und schändlich sei es, wenn Klemens
sich auf ihn, auf Jesus beruft, wenn der Bischof für sich reklamiert, Haupt der
Kirche zu sein. Jesus klagt an: „Zu keinem Zeitpunkt meines Lebens habe ich
daran gedacht, ein Papsttum zu stiften.“ Dies „steht im Widerspruch zu meiner
Lehre.“
Doch das Unheil nimmt seinen Lauf. Die von Klemens und seinen
Nachfolgern repräsentierte Kirche versenkt „Furcht in die Herzen der Menschen,
vergewaltigt Seelen und Vernunft“, anstatt Liebe und Barmherzigkeit zu bringen
(S. 21).
Im Prozess gegen Gregor IX. gibt Jesus auch einen Überblick über
mehrere Jahrhunderte: „Es schaudert mich, dem Gericht Zahlen nennen zu müssen,
aber für den Zeitraum von 1232 bis etwa 1850 rechnen die Forscher mit mehreren
Millionen Toten. Wie viele Menschen dabei auch seelisch zerstört worden sind,
hat bis heute niemand auch nur zu schätzen gewagt. Mit der Inquisition und den
Ketzerverfolgungen hat die Kirche Erpressung und Mord bis in die Familien
getragen, da durch die Gebote ihrer Führer Eltern gezwungen wurden, ihre Kinder
zu denunzieren, Kinder ihre Eltern, Männer ihre Frauen und Frauen ihre Männer
...“
Der Prozessbeobachter und Autor schildert seine Eindrücke: „Eine Weile steht
Jesus da, tief atmend mit geschlossenen Augen, und wenn ich mich nicht sehr
täusche, sehe ich Tränen an seinen Lidern“ (142 f.).
Einer der Hauptdrahtzieher der Inquisition war Innozenz III. Auf
seine Anordnungen geht zurück, dass jeder „Gläubige“ gezwungen war, „bei seiner
Beichte ´Verdächtige` anzugeben, und wer dies unterließ, war selbst der
´Ketzerei` verdächtigt und damit im Teufelskreis der Inquisitoren, aus dem es
praktisch kein Entrinnen hab. Diese von mir angeklagte Kirche“, so Jesus, „hatte
also eine zweite Hölle erfunden - die auf Erden.“ (S. 133)
Eines der prominentesten Opfer war die Französin Jeanne d´ Arc.
Mit Papiermütze auf dem kahl geschorenen Kopf stand sie auf dem Scheiterhaufen,
und auf der Mütze ist zu lesen „Häretikerin, Rückfällige, Götzendienerin“.
„Bevor die Flammen sie zugleich erstickten und verzehrten, rief sie noch zweimal
meinen Namen ´Jesus, Jesus!` Jeanne, ich habe dich gehört,“ ruft Jesus (S. 206
f.).
25 Jahre später wird Jeanne d´ Arc von der Kirche rehabilitiert, 489 Jahre
später sogar heilig gesprochen „und die arme Jeanne konnte sich nicht einmal
dagegen wehren. Kann es einen größeren Zynismus geben?“ fragt sich der Autor.
„Endlose Scham müsste jeden römischen Bischof erfüllen ob dieses Justizmordes.
Aber Scham und Reue sind den weißgewandeten Monstren mit ihren kalten Herzen
etwas völlig Fremdes.“ (S. 207)
Die Verbrechensgeschichte reicht bis in die Gegenwart und endet
vorläufig im Jahr 1994, dem Erscheinungsjahr der 1. Auflage des Buches. Durch
die Anpassung an die demokratischen Gesellschaftsordnungen sind die päpstlichen
Verbrechen seit 1945 oftmals subtiler. Die Anklage muss Zusammenhänge manchmal
erst deutlich machen und einiges fehlt auch, was die Anklage gerade gegen die
letzten Päpste untermauern würde. Auch kann natürlich gefragt werden, ob Jesus
im Einzelfall wirklich auf diese Weise und nicht anders reagieren würde.
Im Vorwort zur Taschenbuchausgabe schreibt deshalb der Verlag DAS WEISSE PFERD:
„So unabweisbar die Anklage ist, so sehr unterliegt die Gestalt des Anklägers
aus Nazareth der subjektiven Einschätzung des Autors. Leser, für die in Jesus
von Nazareth der Sohn Gottes inkarnierte, der Sein Friedensreich auf diese Erde
bringt, werden nicht mit allen Charakterzügen und Aussagen einverstanden sein,
mit denen Weyland den als Ankläger agierenden Jesus zeichnet. Doch es geht hier
nicht um eine Jesus-Biografie, sondern um eine Gerichtsverhandlung über
kirchliche Verbrechen. Diese ist von atemberaubender Spannung.“
Auf diese Weise wird auch bewusst gemacht, wie diese Welt unter der Führung der
Herren aus Rom in den Abgrund geführt wurde. Die Sittenlosigkeit vieler
„Stellvertreter Gottes“ wird ebenso deutlich wie ihre Doppelzüngigkeit, ihre
Gewissenlosigkeit, ihre Selbstherrlichkeit und Menschenverachtung.
Die Gerichtsverhandlung deckt schonungslos auf, wie Millionen von aufrechten
Menschen ihre Glaubenstreue und ihre ethischen Werte mit Folter und Tod bezahlen
mussten. Der Autor Uli Weyland schrieb: „Ich widme dieses Buch allen, die durch
die katholische Kirche ihre Menschenwürde, ihr Seelenheil oder ihr Leben
verloren haben.“ (dp)
ISBN 3-9808322-2-8
(ab 1.1.2007: 978-3-9808322-2-9)
Zu bestellen zum Preis von 19,80 € + 1,80 € Porto (Ausland 3,05
€ (Österreich) bis 4,90 €) per E-Mail bei Verlag Das Weisse Pferd:
info@das-weisse-pferd.com
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