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Praktiken der Kirche (4):
Wie man die Menschen um den Ringfinger wickelt
Zur
Eheschließung braucht es weder Kirche noch Pfarrer
Auch
wenn die meisten jungen Menschen heute mit Kirche nur noch wenig am Hut
haben - wenn’s ans Heiraten geht, finden sich doch viele wieder beim
Pfarrer ein, weil sie auf eine "Hochzeit in Weiß"
nicht verzichten möchten: den feierlichen Tausch der Ringe, die
Orgelmusik. Die Kirche soll eben auch ihren "Segen" dazu geben
(siehe Kasten unten).
All dies könnte man
natürlich auch bei einer standesamtlichen oder einer privaten Feier
vollziehen. Doch die Tradition zieht die Menschen vorübergehend in den
kirchlichen Zeremonientempel zurück. Die wenigsten wissen, dass die
Tradition in dieser Form nur wenige hundert Jahre alt ist (siehe Kasten unten).
Zudem sind die damit verbundenen Bräuche zum großen
Teil heidnischen Ursprungs. Den Ring etwa als Symbol immer währender
Treue (er hat kein Ende) kannten schon die alten Ägypter. Die Idee, ihn
an den Ringfinger zu stecken, kam hingegen von den alten Griechen, die
diesem Finger eine besondere "Liebesader" sowie die Kräfte des
Planeten bzw. der Göttin Venus/Aphrodite zuordneten. Der Schleier der
Braut stammt aus dem Orient, wo dieser teilweise bis heute zur Kleidung
einer verheirateten Frau gehört.
Von der Kirche werden die Brautleute ermahnt, ihre
Kinder taufen zu lassen und sie im jeweils "rechten" Glauben zu
erziehen. Alles andere wäre schwere Sünde. Über die Grundlagen eines
friedvollen Zusammenlebens, die in der Bergpredigt des Jesus von
Nazareth zu finden wären, klärt man sie hingegen nicht auf. Die Frauen
diskriminierenden Bibelstellen (Paulus: "Das Weib schweige in der
Gemeinde") sind bis heute von keiner der beiden Großkirchen
widerrufen worden.
Ungültige Ehen?
Wer sich scheiden lässt und wieder heiratet (oder
einen Geschiedenen heiratet), lebt nach katholischer Auffassung im
Zustand der Todsünde, ist daher exkommuniziert und landet in der Hölle.
Die katholische Kirche wäre aber nicht sie selbst, hätte sie nicht in
perfekter Doppelmoral einen Ausweg offen gehalten: Hinter verschlossenen
Türen und bei Zahlung entsprechender Gebühren werden inzwischen fast
alle Ehen auf Wunsch für "ungültig" erklärt. Es genügt, dass der
Bräutigam z. B. bei der Hochzeit betrunken war (Abhängigkeit von Drogen)
oder einer der Ehepartner seelisch noch "unreif".
1992 gab es allein in den USA 59.030 Annullierungen katholischer Ehen.
Was wollte Jesus von Nazareth?
Jesus von Nazareth lehrte die Gleichheit von Mann und Frau und die
gegenseitige Achtung und Treue in der Ehe. Er zeigte in Seiner
Bergpredigt den Weg auf, wie wir Menschen einander auf Dauer friedvoll
und verständnisvoll begegnen können - etwa indem wir zuerst den Balken
aus dem eigenen Auge ziehen, also in einem Konflikt zuerst unseren
Anteil erkennen und bereinigen. Oder indem wir das, was wir vom
Nächsten erwarten, in uns selbst entwickeln. Irgendwelche Rituale
lehrte Er nicht. Er verurteilte auch niemanden. Wenn Mann und Frau ein
gemeinsames Leben führen wollen, so können sie dies in einer
gemeinsamen Feierstunde vor Freunden und Verwandten selbst bekräftigen.
Einen Pfarrer braucht es dazu nicht.
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