Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 17/00

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Kirchliche Missionsschulen in Kanada

Indianer: Über Generationen missbraucht und ihrer Kultur entfremdet

Indianische Schüler mit einem Priester in den 50er JahrenJackie Kistabish war fünf Jahre alt, als die beiden Männer von der Polizei sie abholten und in eine katholische Missionsschule brachten. Ihre Eltern weinten, aber sie leisteten keinen Widerstand - die Gesetze waren so. Bis dahin war Jackie in den Urwäldern Kanadas aufgewachsen, erzogen nach der Tradition der Algonkin-Indianer. Das sollte sich jetzt sehr schnell ändern.

Kleider verbrannt

Als erstes wurden in der Schule ihre Kleider verbrannt, die langen Haare abgeschnitten und die dunkle Haut mit Bürsten abgeschrubbt. Ihre Muttersprache, so wurde dem kleinen Mädchen mitgeteilt, sei die von "Wilden". Wenn sie dabei erwischt wurde, wie sie zu sprechen, erhielt sie so starke Ohrfeigen, dass sie noch heute unter Gehörstörungen leidet.

Jackie ist eine der ersten Frauen, die über ihr Schicksal reden (La republica, 30.7.2000). Sie ist kein Einzelfall. In den heutigen Indianerreservaten sind Alkoholismus, Selbstmordgefährdung und Apathie so verbreitet, dass die Psychologen dafür einen eigenen Begriff geprägt haben: Das "Internats-Syndrom".

Missioniert und vergewaltigt

Gott sei Dank! Der Priester ist wieder fortProtestantische Schulen waren keineswegs besser. Für deren Gründer, William Duncan, waren die Glaubensvorstellungen der Indianer „dekadenter Aberglaube, der ihre wilden Gemüter verwirrt". Alles, was sie bisher gehört hatten, so wurde den Kindern erklärt, auch die Erzählungen der Großeltern am Lagerfeuer, sei eine "Ausgeburt des Teufels". Wenn die Kinder, meist erst nach vielen Jahren, in ihre Dörfer zurückkehrten, sprachen sie oft die Sprache ihrer Eltern nicht mehr. Sie waren ihrerseits kaum fähig, ihren Kindern echte Zuwendung zu geben. Hinzu kommen bei vielen Internatsschülern seelische Schäden durch sexuellen Missbrauch, der oft schon im Alter von sieben oder acht Jahren begann.

Die Internate gab es bis 1986

Die Erziehung in solchen Internaten geschah in Kanada von 1920 bis etwa 1986. Man kann sich vorstellen, dass die seelische Verwüstung eines ganzen Volkes über mehrere Generationen nur sehr langsam aufgearbeitet werden kann. Zumindest wird heute darüber geredet.

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Vatikan soll entschädigen

Die Opfer fordern Entschädigung. Die kanadische Bischofskonferenz hat jedoch schon klargestellt, dass eine Entschädigung durch den Vatikan nicht in Frage käme: Die Verbindung zwischen der kanadischen Kirche und Rom sei religiöser, nicht politischer Natur.

Im Jahr 2002 lud der Papst zum Weltjugendtreffen nach Toronto/Kanada. Sollen dann auch in diesem Land die Täter gefeiert und die Opfer missachtet werden? Das Thema wurde einmal mehr unter den Tisch gekehrt.


 



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