Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 17/00

abstand.gif (36 Byte)
Praktiken der Kirche (5)

"Heilige" im Dutzend billiger

Die Verehrung von Knochen soll Menschen an äußere Gegenstände bindenVon der Wiege bis zur Bahre, so stellten wir in den vergangenen vier Folgen unserer Serie fest, ist der Kirchenchrist eingebunden in ein festes Korsett von kirchlichen Praktiken, die seinen Lebenslauf immer wieder auf die Institution hin ausrichten. In katholischen Gegenden ist aber auch die Lebensumgebung eines Katholiken mit kirchlichen Symbolen angefüllt: Kirchen, die bestimmten "Heiligen" gewidmet sind und die als Ziel von Wallfahrten und Prozessionen immer wieder in das Bewusstsein der Menschen gerückt werden.

Der sportliche Ehrgeiz oder die Freude am Wandern in freier Natur wird so schon frühzeitig an kirchliche Rituale und endlose Gebete gebunden. Und nicht nur das: Für jeden Berufsstand, für jede Lebenslage gibt es einen speziellen "Heiligen", den man um Beistand anflehen kann, vom Patron der Bierbrauer (Peter von Mailand) bis zu demjenigen der Heiratslustigen (Antonius von Padua), von der Standesheiligen der Kanoniere (Barbara) bis zu derjenigen der Prostituierten (Magdalena).
Kerzen oder Lampen werden vor ihren Standbildern angezündet, und ein jeder hat seinen Feiertag im Jahreslauf.
Vielfach genießen auch ihre Knochen oder sonstigen Erinnerungsstücke besondere Verehrung - in jeder katholischen Kirche muss im Altar irgendein Reliquienstück eingemauert sein, sonst ist er nicht "betriebsbereit". Und wo die "Heiligen" nicht mehr helfen, ruft man eben die "Gottesmutter und Jungfrau Maria" an. Alles christlich?

Woher stammen all diese Bräuche?

All diese Bräuche stammen nicht von Jesus von Nazareth. Sie wurden vielmehr im Laufe des ersten Jahrtausends der Kirchengeschichte aus vielerlei heidnischen Kulten übernommen.
Die Griechen und Römer beispielsweise verehrten eine Vielzahl von Göttern, Halbgöttern und Heroen. Diese sind die unmittelbaren Vorgänger der kirchlichen "Heiligen". Teilweise wurden sogar die genauen Termine der Festtage im Jahreslauf mit übernommen: Mariä Lichtmess (2. Februar) entspricht dem Fest der griechischen Göttin Demeter; Mariä Himmelfahrt (15. August) war ursprünglich das Datum eines Festes der Göttin Diana. Kastor und Pollux verwandelten sich unter kirchlicher Regie flugs in Kosmas und Damian, wobei sie ihre angeblichen Wunderfähigkeiten beibehielten. Auch das Heidentum kannte genaue "Zuständigkeiten" seiner Idole. Die Römer sammelten alle Heiligen im Pantheon-Tempel, der dann 610 zu einer christlichen Kirche gemacht wurde - nicht ohne bei dieser Gelegenheit das Fest "Allerheiligen" einzuführen.

Auch die Heroen hatten schon ihre Statuen; oft stellte ein und dieselbe antike Firma Öllampen für heidnische und kirchliche "Heilige" her. Heiligenkult dieser Art lässt sich in der Kirche frühestens in der Mitte des zweiten Jahrhunderts feststellen. Im vierten Jahrhundert - Konstantin hatte die Kirche bereits zur staatlichen Institution gewendet - setzten dann die großen Pilgerströme zu den "Wallfahrtsorten" ein. Auch hier das Vorbild: heidnische Tempel, die man regelmäßig mit Prozessionen aufsuchte.

Später wurden dann auch germanische Bräuche und Festtage in das kirchliche Leben integriert; schließlich wollte man es den soeben - oft mit Druck und Gewalt - zum "rechten" Glauben Bekehrten so einfach wie möglich machen. So ist das Martinsfest am 11. November ursprünglich ein germanischer Schlachttag. Geändert hat sich nichts, denn heute müssen die Gänse dran glauben. Und der Name des angeblichen "Heiligen" passt auch dazu: Martin von Tours war ursprünglich römischer Soldat, später dann ein fanatischer Verfolger heidnischer Minderheiten und Zerstörer ihrer Kultstätten. Die katholischen Franken trugen seinen angeblichen Mantel (oder die Hälfte davon) als Kriegsfahne bei ihren Schlachten vor sich her. Auch die "Würzbüschel", die im Sommer in katholischen Gegenden gesammelt werden, sind ursprünglich ein germanischer Brauch zu Ehren der Liebesgöttin Freya.

Der Reliquienkult hat hingegen im Heidentum nur schwache Vorläufer. So verehrten die Griechen Erinnerungsstücke an ihre Heroen bei deren Gräbern. Hier hat sich die Kirche den zweifelhaften Ruhm erworben, das Heidentum mit ihrem schwunghaften Reliquienhandel (seit dem 4. Jahrhundert) weit in den Schatten gestellt zu haben. Hierbei wurde so mancher "Heilige" in Gestalt seiner Knochen auf wundersame Weise "vervielfältigt".

Auch die spezielle Verehrung Mariens als "Mutter Gottes" (also de facto über Gott stehend!) geht auf heidnische Vorbilder zurück. Die ägyptische Göttin Isis und die griechische Artemis (römisch: Diana) wurden in gleicher Weise verehrt, oft sogar wörtlich mit den gleichen Begriffen belegt ("Himmelskönigin", "Meerstern" usw.) wie später Maria. Bezeichnenderweise wurde der Mutter Jesu der offizielle Titel der "Gottesmutter" 431 auf dem Konzil von Ephesos zuerkannt. Ephesos war zu dieser Zeit eine Hochburg des Diana-Kultes.

Was lehrte Jesus von Nazareth?

"Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder?" fragte Jesus von Nazareth, als ihm die Ankunft seiner Mutter und seiner Brüder gemeldet wurde. Und Er gab selbst die Antwort: "Jeder, der den Willen meines Vaters im Himmel tut, ist mir Bruder, Schwester und Mutter" (Mt. 12, 50). Die spezielle Verehrung einzelner Menschen hat mit der Lehre des Nazareners nichts zu tun. Ihre angeblich hilfreiche "Fürsprache" lenkt die Menschen davon ab, sich direkt in ihrem Herzen Christus und Gott-Vater zuzuwenden. Hätte man die Menschen nicht durch die Lehre eines angeblich strafenden Gottes von ihrem himmlischen Vater entfremdet, so käme wohl niemand auf die Idee, nach solchen Fürsprechern zu suchen. Der Heiligenkult lenkt die Menschen weiter davon ab, dass sie, wie Jesus lehrte, selbst ein Tempel Gottes sind und sich auf den Weg zur Vollkommenheit machen können, die in jedem von uns grundgelegt ist: "Werdet vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist."

Und hinter Ritualen wie Prozessionen oder Wallfahrten steckt noch immer die alte heidnische Vorstellung eines unberechenbaren Gottes, der durch äußere Werke besänftigt und gnädig gestimmt werden muss. Das Werk, durch das man Gott näher kommen kann, ist jedoch ein Leben nach Seinen Geboten, die wir in der Bergpredigt und den Zehn Geboten auszugsweise wieder finden.

Literatur:
Der Prophet Nr. 12 - Brauchen wir Heilige?
http://www.universelles-leben.org/cms/prophetie/
publikationen/broschueren-der-prophet/der-prophet-nr-12.html

Inhalt Ausgabe 17/00
Hauptseite
Archiv - alle früheren Ausgaben
Suchen
Abo-Service
Impressum
Post an uns


Der Inhaltsverzeichnis der Serie über die Praktiken der Kirche finden Sie hier



Copyright © Verlag DAS WEISSE PFERD GmbH, Marktheidenfeld, Germany

http://www.das-weisse-pferd.com
- E-Mail: info@das-weisse-pferd.com

Verlag »Das Weisse Pferd«, Max-Braun-Straße 2, 97828 Marktheidenfeld-Altfeld,
Fax: 09391 / 504 - 210
 

Fernsehtipp: www.erde-und-mensch.tv

Hit Counter