Von
der Wiege bis zur Bahre, so stellten wir in den vergangenen vier Folgen
unserer Serie fest, ist der Kirchenchrist eingebunden in ein festes
Korsett von kirchlichen Praktiken, die seinen Lebenslauf immer wieder
auf die Institution hin ausrichten. In katholischen Gegenden ist aber
auch die Lebensumgebung eines Katholiken mit kirchlichen Symbolen
angefüllt: Kirchen, die bestimmten
"Heiligen"
gewidmet sind und die als Ziel von Wallfahrten und Prozessionen immer
wieder in das Bewusstsein der Menschen gerückt werden.
Der sportliche Ehrgeiz oder die Freude am Wandern in
freier Natur wird so schon frühzeitig an kirchliche Rituale und endlose
Gebete gebunden. Und nicht nur das: Für jeden Berufsstand, für jede
Lebenslage gibt es einen speziellen "Heiligen", den man um
Beistand anflehen kann, vom Patron der Bierbrauer (Peter von Mailand)
bis zu demjenigen der Heiratslustigen (Antonius von Padua), von der
Standesheiligen der Kanoniere (Barbara) bis zu derjenigen der
Prostituierten (Magdalena).
Kerzen oder Lampen werden vor ihren Standbildern angezündet, und ein
jeder hat seinen Feiertag im Jahreslauf.
Vielfach genießen auch ihre Knochen oder sonstigen Erinnerungsstücke
besondere Verehrung - in jeder katholischen Kirche muss im Altar
irgendein Reliquienstück eingemauert sein, sonst ist er nicht
"betriebsbereit". Und wo die "Heiligen" nicht mehr helfen, ruft man eben
die "Gottesmutter
und Jungfrau Maria" an. Alles christlich?
Woher
stammen all diese Bräuche?
All diese Bräuche stammen nicht von Jesus von
Nazareth. Sie wurden vielmehr im Laufe des ersten Jahrtausends der
Kirchengeschichte aus vielerlei heidnischen Kulten übernommen.
Die Griechen und Römer beispielsweise verehrten eine Vielzahl von Göttern,
Halbgöttern und Heroen. Diese sind die unmittelbaren Vorgänger der
kirchlichen "Heiligen". Teilweise wurden sogar die genauen
Termine der Festtage im Jahreslauf mit übernommen: Mariä
Lichtmess (2. Februar) entspricht dem Fest der griechischen Göttin
Demeter; Mariä Himmelfahrt (15. August) war ursprünglich das Datum
eines Festes der Göttin Diana. Kastor und Pollux verwandelten sich
unter kirchlicher Regie flugs in Kosmas und Damian, wobei sie ihre
angeblichen Wunderfähigkeiten beibehielten. Auch das Heidentum kannte
genaue "Zuständigkeiten" seiner Idole. Die Römer sammelten alle
Heiligen im Pantheon-Tempel, der dann 610 zu einer christlichen Kirche
gemacht wurde - nicht ohne bei dieser Gelegenheit das Fest "Allerheiligen"
einzuführen.
Auch die Heroen hatten schon ihre Statuen; oft
stellte ein und dieselbe antike Firma Öllampen für heidnische und
kirchliche "Heilige" her. Heiligenkult dieser Art lässt sich in der
Kirche frühestens in der Mitte des zweiten Jahrhunderts feststellen. Im
vierten Jahrhundert - Konstantin hatte die Kirche bereits zur
staatlichen Institution gewendet - setzten dann die großen Pilgerströme
zu den "Wallfahrtsorten" ein. Auch hier das
Vorbild: heidnische Tempel, die man regelmäßig mit Prozessionen
aufsuchte.
Später wurden dann auch germanische Bräuche und
Festtage in das kirchliche Leben integriert; schließlich wollte man
es den soeben - oft mit Druck und Gewalt - zum "rechten" Glauben
Bekehrten so einfach wie möglich machen. So ist das Martinsfest
am 11. November ursprünglich ein germanischer Schlachttag. Geändert hat
sich nichts, denn heute müssen die Gänse dran glauben. Und der Name des
angeblichen "Heiligen" passt auch dazu: Martin von Tours war
ursprünglich römischer Soldat, später dann ein fanatischer Verfolger
heidnischer Minderheiten und Zerstörer ihrer Kultstätten. Die
katholischen Franken trugen seinen angeblichen Mantel (oder die Hälfte
davon) als Kriegsfahne bei ihren Schlachten vor sich her. Auch die "Würzbüschel", die im Sommer in katholischen
Gegenden gesammelt werden, sind ursprünglich ein germanischer Brauch zu
Ehren der Liebesgöttin Freya.
Der Reliquienkult hat hingegen im Heidentum
nur schwache Vorläufer. So verehrten die Griechen Erinnerungsstücke an
ihre Heroen bei deren Gräbern. Hier hat sich die Kirche den
zweifelhaften Ruhm erworben, das Heidentum mit ihrem schwunghaften
Reliquienhandel (seit dem 4. Jahrhundert) weit in den Schatten gestellt
zu haben. Hierbei wurde so mancher "Heilige" in Gestalt seiner Knochen
auf wundersame Weise "vervielfältigt".
Auch die spezielle Verehrung Mariens als "Mutter
Gottes" (also de facto über Gott stehend!) geht auf heidnische
Vorbilder zurück. Die ägyptische Göttin Isis und die griechische Artemis
(römisch: Diana) wurden in gleicher Weise verehrt, oft sogar wörtlich
mit den gleichen Begriffen belegt ("Himmelskönigin", "Meerstern" usw.)
wie später Maria. Bezeichnenderweise wurde der Mutter Jesu der
offizielle Titel der "Gottesmutter" 431 auf dem
Konzil von Ephesos zuerkannt. Ephesos war zu dieser Zeit eine Hochburg
des Diana-Kultes.
Was
lehrte Jesus von Nazareth?
"Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder?"
fragte Jesus von Nazareth, als ihm die Ankunft seiner Mutter und seiner
Brüder gemeldet wurde. Und Er gab selbst die Antwort: "Jeder, der den Willen meines Vaters im Himmel tut, ist mir Bruder,
Schwester und Mutter" (Mt. 12, 50). Die spezielle Verehrung
einzelner Menschen hat mit der Lehre des Nazareners nichts zu tun. Ihre
angeblich hilfreiche "Fürsprache" lenkt die Menschen davon ab, sich
direkt in ihrem Herzen Christus und Gott-Vater zuzuwenden. Hätte man die
Menschen nicht durch die Lehre eines angeblich strafenden Gottes von
ihrem himmlischen Vater entfremdet, so käme wohl niemand auf die Idee,
nach solchen Fürsprechern zu suchen. Der Heiligenkult lenkt die Menschen
weiter davon ab, dass sie, wie Jesus lehrte, selbst ein Tempel Gottes
sind und sich auf den Weg zur Vollkommenheit machen können, die in jedem
von uns grundgelegt ist: "Werdet vollkommen, wie euer Vater
im Himmel vollkommen ist."
Und hinter Ritualen wie Prozessionen oder Wallfahrten
steckt noch immer die alte heidnische Vorstellung eines unberechenbaren
Gottes, der durch äußere Werke besänftigt und gnädig gestimmt werden
muss. Das Werk, durch das man Gott näher kommen kann, ist jedoch ein
Leben nach Seinen Geboten, die wir in der Bergpredigt und den Zehn
Geboten auszugsweise wieder finden.
Literatur:
Der Prophet Nr. 12 - Brauchen wir Heilige?
http://www.universelles-leben.org/cms/prophetie/
publikationen/broschueren-der-prophet/der-prophet-nr-12.html