"Wir
sind die letzten, die erfahren, was unser Gehirn vorhat", sagt der
amerikanische Hirnforscher Michael Gazzangia. Sein Kollege Benjamin
Libet will sogar den zeitlichen Abstand zwischen dem vermeintlichen
Willensentschluss und einer Handlung gemessen haben: Das Gefühl, eine
Bewegung absichtlich ausgeführt zu haben, sagt er, stellt sich exakt
350 Millisekunden nach der Bewegung ein.
Ist der freie Wille des Menschen also eine Illusion?
"Das Gefühl, eine Entscheidung getroffen zu haben, ist - um es
überspitzt zu sagen - Einbildung"
- so fasst der Berliner Tagesspiegel
die neusten Forschungsergebnisse zusammen
(17.7.2000). Dennoch
bleibt Wolf Singer, Direktor des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung,
gelassen:
"Was ich als nächstes tue, ist die Folge dessen, was ich bin."
Das Hirn entscheide nicht willkürlich, sondern auf der Grundlage vorher
gesammelter Erfahrungen.
"Das Gehirn hat also durchaus die Initiative."
Die Frage, woher das Bewusstsein des Menschen
eigentlich komme und wo es genau sitze, sei für die Hirnforschung aber
nach wie vor ungelöst.