Urteilen
Sie nicht, denken Sie mit und machen Sie sich selbst ein Bild über sich
und die Welt
Die meisten Menschen halten sich für tierliebend.
Wenn jemand seinen Hund oder seine Katze schlachten würde, um sie zu
verspeisen, würden ihn seine Nachbarn für einen grausamen Barbaren
halten, und der Staatsanwalt würde Anklage wegen unzulässiger
Tiertötung erheben. Ginge es um die Schafe und Gänse, die sich auf der
Wiese nebenan ihres Lebens erfreuen und schließlich einer
Hausschlachtung zum Opfer fallen, wäre das völlig in Ordnung.
Dieselben Tierliebhaber, die sich über den Hundeschlächter - zu Recht
- empören würden, hätten kaum Schwierigkeiten, das Federvieh von
ehedem genüsslich als Weihnachtsgänse zu verspeisen. Würde man sie
darauf ansprechen, würden sie vermutlich verwundert oder gar ärgerlich
reagieren - das sei schließlich etwas anderes. Wirklich?
Tierliebe
oder
Selbstliebe?
Der einzige Unterschied besteht darin, dass Hunde und
Katzen Haustiere sind, während Schafe und Gänse, Kühe und Schweine nicht
so privilegiert sind. Dabei können es Gänse an Intelligenz und Schweine
an Sensibilität mit den tierischen Hausgenossen des Menschen durchaus
aufnehmen. Junge Lämmer finden wir überdies besonders liebenswert; und
Kühe auf der Weide, die friedlich wiederkäuen, erfreuen uns als
malerischer Anblick. Doch all diese Vorzüge helfen den Tieren auf der
Weide nichts: Wir haben sie nicht in unser Haus genommen und deshalb
bleiben sie "Nutztiere", die wir bedenkenlos
schlachten und verspeisen.
Allzu weit scheint es also mit der Tierliebe des
Menschen nicht her zu sein. Das Leben seiner Mitgeschöpfe respektiert
er nur, soweit sie ihm zu seiner Unterhaltung oder als Seelentröster
dienen. Im Grunde genommen liebt er in erster Linie sich selbst. Die
sentimentale Zuwendung zu Schafen und Rindern auf der Weide verhindert
nicht den Wunsch nach einem guten Braten.
Ende der
Verdrängung
Bis vor einigen Jahren gaukelte man sich sogar noch
vor, dass Fleischgenuss zur Erhaltung unserer Gesundheit notwendig sei.
Das war zugleich der Motor einer gigantischen Überproduktion. Trotz
sinkenden Bevölkerungswachstums in Deutschland stieg die Produktion von
Schweinefleisch und Geflügel um ein Vielfaches. Inzwischen wissen wir,
dass die Überernährung mit eiweißhaltiger Nahrung für
Zivilisationskrankheiten wie Diabetes und Krebs mitverantwortlich ist.
Nach dem Stand der Wissenschaft ist heute unstreitig, dass Vegetarier
gesünder leben als Fleischesser. Geschlachtet wird also nur für unser
Wohlleben, aber nicht für unser Wohlbefinden. Bereits unser
Selbsterhaltungstrieb müsste uns eigentlich vom hemmungslosen
Fleischverzehr abhalten. Auch die Folgen der Massentierhaltung für die
Umwelt widersprechen unseren eigenen Interessen: Rund zwei Drittel des
angebauten Getreides werden inzwischen an Tiere verfüttert. Der Dünge-
und Pestizidverbrauch steigt ins Astronomische und führt zu einem
ökologischen Teufelskreis. Die Intensivlandwirtschaft führt zur
Erodierung der Böden und zur Belastung des Trinkwassers. Die Kot- und
Harnmengen, die von Tieren ausgeschieden werden, können kaum mehr
entsorgt werden. Als so genannter "Wirtschaftsdünger" gelangen
sie auf die Felder, wo sie das Bodenleben zerstören.
All das lässt sich zur Not noch verdrängen. Das
ökologische Gleichgewicht ist eine abstrakte Größe. Doch die Rinder,
Schafe, Schweine und Hühner, die den Qualen der Massentierhaltung
ausgesetzt sind, um schließlich als Steaks, Geschnetzeltes und
Gebratenes auf den Tellern zu landen, haben Augen, die uns anschauen,
wenn wir mit ihnen sprechen würden, es sind Lebewesen, die Hunger und
Durst haben, Freude und Schmerz empfinden und Angst haben können. Wie
ist es ihnen wohl ergangen, bis sie als Braten serviert werden?
Die Folter der
Massentierhaltung
Schweine und Rinder leben in engen Pferchen auf
Böden mit Längsrillen, die das Säubern der Ställe ersparen, doch den
Tieren jede Trittsicherheit nehmen. Ihre Bewegungsmöglichkeit ist so
beschränkt, dass sich bei Schweinen und Kälbern die Hinterbeine
deformieren und die Gelenke schmerzhaft entzünden. Bis zu einem Drittel
der Tiere ist krank oder stirbt noch im Stall. Sie sehen kein
Tageslicht, sondern werden im Dunkeln gehalten, um eine helle und
verbrauchergerechte Hautfarbe zu bekommen. Die Schweine soll das
Halbdunkel in einen apathischen Zustand versetzen, durch dessen
Bewegungsarmut die Opfer schneller an Gewicht zunehmen. Nur zweimal im
Leben sehen viele Schweine das Tageslicht - auf dem Weg von der
Muttersau zum Mastbetrieb und auf dem Weg zum Schlachthof. Die jungen
Eber werden kastriert (meist ohne Narkose), weil sonst ihr Fleisch nicht
ganz so wohlschmeckend wäre.
Die extreme Enge, die in den Ställen der
Agrarfabriken herrscht, führt zu Aggressionen unter Artgenossen.
Mutterschafe fressen jungen Lämmern die Schwänze und Klauen ab;
Schweine beißen sich gegenseitig die Schwanzspitzen ab. Bei Hühnern
kommt es zu „Federpicken" und Rangordnungskämpfen bis hin zum
Kannibalismus. Legehennen in Käfigen leben auf einer Bodenfläche, die
nicht selten kleiner ist als ein DIN-A4-Blatt. Um Aggressionshandlungen
der Tiere zu unterbinden, kneift oder brennt man ihnen die Schnäbel ab,
damit sie sich nicht mehr blutig hacken können. Bei Hähnen amputiert
man das letzte Zehenglied; und um das Schwanzbeißen bei Schweinen zu
verhindern, kneift man ihnen die Zähne heraus oder schneidet ihnen kurz
nach der Geburt die Schwänze ab. Bei Mastbullen gilt entsprechendes. Um
die enorme Krankheitsanfälligkeit zu kompensieren, werden Antibiotika
und Chemotherapeutika ins Tierfutter gegeben; auch Psychopharmaka, um
Furcht und Angstzustände zu dämpfen, vor allem bei den
stress-empfindlichen Mastschweinen, damit sie nicht ihr Gewicht
verlieren oder an Herzversagen sterben.
Der letzte Weg
Nach der Folter im Massenstall folgt der Leidensweg
zum Schlachthof - quer durch Europa, per Lkw und per Schiff. Jedes Jahr
werden Hunderttausende von Lämmern und Schafen zum Schlachten von
Großbritannien nach Italien und Griechenland transportiert. Mehr als
eine Million Schweine wird von den Niederlanden nach Italien und Spanien
verfrachtet. Mit demselben Ziel verlassen 200.000 Rinder jährlich
Deutschland und Irland. Wie internationale Tierschutzorganisationen im
Mai in Brüssel berichteten, betragen die Transportzeiten bis zu 100
Stunden, in denen die Tiere unter furchtbarem Stress und Wassermangel
leiden. Viele von ihnen werden krank, nicht wenige sterben noch auf der
Fahrt oder kommen mit Knochenbrüchen, Augenverletzungen und
Blutergüssen am Zielort an. Wenn eine Kuh auf einer Rampe abrutscht
oder nicht mehr aufstehen kann, wird sie per Seilwinde vom Schiff oder
vom Lkw in die Schlachthöfe gehievt.
Und dann kommt die Abschlussqual vor der Schlachtung.
Exemplarisch sei die Beschreibung des letzten Ganges der Schweine in
einem modernen dänischen Schlachthof zitiert: „In den schmalen,
engen Treibgängen, immer wieder abgeschottet durch Tore, geht es voran.
Auch nach oben gibt es, durch Stangen geschlossen, kein Entrinnen.
Paarweise - Schweine sind gesellige Tiere (!) - rücken sie brüllend
und quiekend vor. Die Ohren schmerzen und einige Schlachter tragen
Ohrenschützer. Ein weiteres kurzes Stocken ist vor der
Betäubungsanlage zu beobachten. Aber die nachrückenden Artgenossen
warten nicht"1.
Ein angesehener Tierschutzrechtler schreibt in seinem nüchternen Bericht
weiter: "In den modernen Großschlachtbetrieben gibt es keine Zeit zur
mentalen Regeneration. Bevor sie durch Elektroschock oder durch CO2
betäubt werden, geraten die intelligenten Tiere durch den Geruch und
die hektische Betriebsamkeit des Schlachthofs in erhebliche Angst- und
Panikreaktionen. Nicht selten wirkt die Betäubung nicht, und die Tiere
kommen, noch vor dem Entblutungsschnitt am Fließband hängend, wieder
zu Bewusstsein, bevor sie schließlich abgestochen werden."2
Tierfeindschaft von
Bibel
und Kirche
Wer sich das vergegenwärtigt, dem müsste eigentlich
das Steak im Halse stecken bleiben. Dass es dennoch am Fleischkonsum
wenig ändert, ist eine Folge unserer kulturellen Prägung - soweit hier
von „Kultur" überhaupt die Rede sein kann. Die Menschheit lebte
in ihrer Frühzeit vermutlich vegetarisch, was auf den ersten Seiten der
Bibel noch nachklingt, auf denen Gott den Menschen nicht das Fleisch
ihrer Mitgeschöpfe, sondern Pflanzen und Früchte als Speise empfiehlt
(1. Mose 1, 29). Doch dann verkündet die Bibel eine heillose und
grausame Botschaft: "Furcht und Schrecken vor euch sei über allen
Tieren auf Erden und über allen Vögeln unter dem Himmel, über allem,
was auf dem Erdboden wimmelt und über allen Fischen im Meer; in eure
Hände seien sie gegeben. Alles, was sich regt und lebt, das sei eure
Speise; wie das grüne Kraut hab’ ich’s euch alles gegeben"
(1. Mose 9, 2f.). Hier werden den Menschen die Tiere nicht nur
als Nahrungsmittel angeboten, sondern als Objekte seiner
Gewalttätigkeit, die mit Schrecken für die Opfer einhergeht. Der
Schöpfergott des friedlichen Anfangs wirkt wie ausgewechselt. Und nach
dem ersten Mordaufruf gegen die Tiere geht es erst richtig los: Sie
sollen nicht nur vom Menschen verspeist, sondern dem Gott der Bibel als
Opfer dargebracht werden: "Wer unter euch dem HERRN ein Opfer bringen will,
der bringe es von dem Vieh, von Rindern oder von Schafen und Ziegen ...
Dann soll er das Rind schlachten vor dem HERRN, und die Priester, Aarons
Söhne, sollen das Blut herzubringen und ringsum an den Altar sprengen
... Die Eingeweide aber und die Schenkel soll er mit Wasser waschen und
der Priester soll das alles auf dem Altar in Rauch aufgehen lassen ..."
(3. Mose 1, 2 ff.). Auf diese Weise wurden Hekatomben von Tieren
geopfert. Bei Errichtung des Tempels "22.000 Rinder und 100.000
Schafe" (1. Könige 8, 63), beim Dank Salomos für die positive
Entwicklung der Gemeinde "1.000 junge Stiere, 1.000 Widder, 1.000
Lämmer ..." (1. Chronik 29, 21).
Während kultische Vorschriften in
der Zeit des Alten Testaments einige Tiere wie Hase und Schwein vor der
Schlachtung bzw. Opferung schützten, fielen im Neuen Testament alle
Schranken. Dort lehrte Paulus: "Alles, was auf dem Fleischmarkt verkauft wird, das
esst, und forscht nicht nach, damit ihr das Gewissen nicht
beschwert" (1. Korinther 10, 25). Zwar führten die Kirchenchristen keine
Opferungen mehr durch, dafür schlachteten sie die Tiere um so mehr "zum
Wohle ihres Leibes". Alles, was die sich hinter den Namen der
Evangelisten verbergenden anonymen Verfasser der Bibel Jesus von
Nazareth noch sagen lassen, ist die Bezugnahme auf den Propheten Hosea:
"Ich habe Wohlgefallen an der Barmherzigkeit und nicht am Opfer"
(Matthäus 9, 13 und 12, 7). Bemerkenswert wenig, wenn man
bedenkt, wie sehr der Nazarener davor warnte, "zum Schwert zu greifen" und wie
einschränkungslos er in seiner Bergpredigt zur Friedfertigkeit
aufforderte. Kaum vorstellbar, dass er nicht auch etwas zur
Friedfertigkeit gegenüber den Tieren gesagt hat. Nur in den apokryphen
Schriften klingt es noch an, etwa im Thomas-Evangelium, wo er davor
warnt, Kadaver zu essen, um nicht selbst zum Kadaver zu werden und
gegessen zu werden.3
Die biblische Geringschätzung der
Tiere besiegelte deren Schicksal für die nächsten 2000 Jahre. Man
behandelte sie im Anschluss an das römische Recht als "Sachen" - als
"würdelose" oder "nonpersonale" Kreatur, wie in kirchlichen Verlautbarungen
immer wieder verkündet wurde. Zum Beispiel in einem Fastenhirtenbrief
des katholischen Bischofs von Hildesheim aus dem Jahr 1949: "Tiere
haben keine geistige Seele und kennen kein Fortleben nach dem Tode.
Darum haben sie auch keinerlei Würde, auf die sie Rechte bauen
könnten."4
Im heute gültigen Katechismus der
römisch-katholischen Kirche schlug sich die biblische Nichtachtung
erneut nieder: Weil Gott sie „unter die Herrschaft des Menschen
gestellt" habe, dürfe man sich "der Tiere zur Ernährung und zur
Herstellung von Kleidern bedienen". Auch medizinische und
wissenschaftliche Tierversuche werden ausdrücklich erlaubt. Das Leid von
Tieren wird nur verurteilt, soweit es "der Würde des Menschen
widerspricht". Und nicht zuletzt: "Man darf Tiere gern haben,
soll ihnen aber nicht die Liebe zuwenden, die einzig Menschen
gebührt."
Dementsprechend findet sich auch nirgends eine
päpstliche Enzyklika gegen die grausame Behandlung der Tiere in den
Käfigen und Pferchen der Massentierhaltung, auf Tiertransporten und
Schlachthöfen. Statt dessen schwärmen hohe kirchliche Würdenträger von
blutigen Stierkämpfen und verteidigen grausame Spiele mit Tieren an
kirchlichen Festtagen. Da werden Ziegenböcke von Kirchtürmen gestürzt
und gefesselte Tauben mit Knallkörpern bestückt und als lebende Orakel
missbraucht, wie jährlich an Pfingsten in Orvieto. Und an Weihnachten
findet allerorten ein Rekordschlachten statt, um das "Fest der
Liebe" angemessen zu feiern.
Mensch und Tier aus Gottes Atem
Tiere haben in der kirchlichen Ethik keinen Platz.
Nur deshalb wurde Vandalismus gegen die Tierwelt zur Tradition. Wie
wenig dies mit den göttlichen Gesetzen vereinbar ist, ergibt sich aus
der Botschaft aus dem All Das ist Mein Wort, in der
Christus die Menschen durch das Prophetische Wort für die Jetztzeit
ermahnt:
"Seid also rücksichtsvoll, gütig, mitfühlend und freundlich nicht
allein mit euresgleichen, sondern auch mit aller Kreatur, die in eurer
Obhut ist; denn ihr seid für sie wie Götter, zu denen sie aufblicken
in ihrer Not. Hütet euch vor dem Zorn, denn viele sündigen im Zorn und
bereuen es, wenn ihr Zorn vergangen ist. Schlachtet nie ein Tier für
euren persönlichen Gebrauch. Sehet, die Natur, das Leben der
Schöpfung, sorgt für euch. Die Früchte des Feldes, der Gärten und
der Wälder sollen euch genügen."
Viele Beispiele der Tierliebe des Jesus, des
Christus-Gottes, werden in diesem Buch offenbart. Unter anderem auch
folgendes: "Jesus zog nach Jerusalem und begegnete einem Kamel mit
einer schweren Last Holz. Das Kamel konnte sie nicht den Berg
hinaufschleppen, und der Treiber schlug es und misshandelte es grausam,
aber er konnte das Tier nicht von der Stelle bringen. Und als Jesus es
sah, sprach Er zu ihm: ‘Warum schlägst du deinen Bruder?’ Und der
Mann erwiderte: ‘Ich wusste nicht, dass es mein Bruder ist. Ist es
nicht ein Lasttier und dazu gemacht, mir zu dienen?’ Und Jesus sprach:
‘Hat nicht derselbe Gott aus dem gleichen Stoff dieses Tier geschaffen
und deine Kinder, die dir dienen, und habet ihr nicht denselben Atem
beide von Gott empfangen?’"
Dementsprechend findet sich auch nirgends eine
päpstliche Enzyklika gegen die grausame Behandlung der Tiere in den
Käfigen und Pferchen der Massentierhaltung, auf Tiertransporten und
Schlachthöfen. Statt dessen schwärmen hohe kirchliche Würdenträger von
blutigen Stierkämpfen und verteidigen grausame Spiele mit Tieren an
kirchlichen Festtagen. Da werden Ziegenböcke von Kirchtürmen gestürzt
und gefesselte Tauben mit Knallkörpern bestückt und als lebende Orakel
missbraucht, wie jährlich an Pfingsten in Orvieto. Und an Weihnachten
findet allerorten ein Rekordschlachten statt, um das "Fest der
Liebe" angemessen zu feiern.