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Kirchliche
Friedensbotschaft
Atomwaffen
"ethisch tolerierbar"
Mit großer
Geste hat die Deutsche Bischofskonferenz ein umfangreiches
Friedenspapier vorgestellt - über 100 Seiten lang, voller Bibelzitate,
kluger Erwägungen zur Konfliktlage der Welt und einer stolzen
Selbsteinschätzung der Kirche als
"Sakrament des Friedens". Ohne Zweifel ist Engagement für den
Frieden auf allen Ebenen notwendig - in Politik, Gesellschaft und erst
recht im religiösen Bereich. Was steckt hinter der
"sakramentalen"
Friedensbotschaft der Bischöfe?
Es ist erst
wenige Wochen her, dass die katholischen "Würdenträger", wie sie sich
immer noch nennen lassen, der deutschen Öffentlichkeit ein eher
unwürdiges Schauspiel boten. Zum Beispiel in der Zwangsarbeiterfrage:
Zunächst leugneten sie rundheraus, dass auch katholische Einrichtungen
Ausländer als Sklaven des Hitlerkrieges beschäftigten; dann berief man
sich auf das Fehlen von Beweisen; und schließlich musste man
eingestehen, dass gefangene Polen und Russen auch für die katholische
Kirche arbeiteten. Das war nicht gerade ein Vorbild Frieden schaffender
Vergangenheitsbewältigung, von den schäbigen Entschädigungszahlungen
ganz zu schweigen - 10 Millionen, davon nur die Hälfte unmittelbar an
die Opfer von einst. Auch die jüngste Seligsprechung Pius IX. war alles
andere als eine Friedenspalme, wenn man bedenkt, dass der "Selige" ein
erklärter Antisemit war, der nicht einmal davor zurückschreckte, einer
jüdischen Familie mit Hilfe der Polizei den Sohn zu entführen, um ihn
katholisch zu machen. Und wie sieht es mit Ratzingers jüngster Erklärung
zum Selbstverständnis seiner Kirche aus? Er nimmt für sie "Einzigkeit"
und "Absolutheit" in Anspruch und degradiert alle anderen Religionen zu
"Sekten" und ihre Gläubigen zu Gottsuchern zweiter
Klasse. Eher ein Rückfall in die alte Intoleranz als eine
Frieden fördernde Maßnahme.
Rückfällig wurden auch die deutschen Bischöfe, ausgerechnet beim Thema
nukleare Abschreckung, die bekanntlich sogar den möglichen Ersteinsatz
von Atomraketen vorsieht. Die seinerzeitige Position, dass die
Abschreckungsstrategie "nur befristet ethisch tolerierbar" sei,
verbunden mit der Pflicht zur Suche nach "Alternativen zur Androhung von
Massenvernichtung", habe "nichts von ihrer Gültigkeit verloren", heißt
es in dem jüngsten Bischofswort, denn "nach wie vor verfügen die
Großmächte über umfangreiche Atomwaffenarsenale". Hatten die Bischöfe
wohl darüber nachgedacht, ob Jesus von Nazareth die "befristete
Androhung von Massenvernichtung" ebenfalls für "ethisch vertretbar"
gehalten hätte, einschließlich der "Lehre vom gerechten Krieg",
die in dem Papier ausdrücklich bestätigt wird?
Wird hier nicht
aus dem "Sakrament des Friedens" ein Sakrileg gegenüber der Lehre des
Nazareners, der einschränkungslos zum Gewaltverzicht aufrief? Doch das
Bischofswort korrigiert ihn: "Wenn wir nach Gewaltfreiheit fragen, ist
das nicht gleichbedeutend mit Pazifismus." Es gehe darum, "innerhalb der herrschenden Ordnung Vorgriffe auf den
messianischen Frieden zu wagen ...". Was hätte der Revolutionär
Jesus von Nazareth, der die herrschende Ordnung zugunsten Seines
Friedensreiches gerade überwinden wollte, zu so viel Anpassung und
pastoralem Wortgeklingel wohl gesagt? Doch die deutschen Bischöfe
wissen es besser und handeln nach dem Motto von Dostojewskijs
Großinquisitor, der dem wiedererschienenen Jesus entgegenhielt: "Wir
haben Deine Lehre verbessert, lass’ uns in Ruhe!"
Für wen
sprechen diese Bischöfe eigentlich? Für Jesus von Nazareth jedenfalls
nicht. Für ihre Kirchenmitglieder, von denen sich nur mehr ein Bruchteil
zum Sonntagsgottesdienst einfindet - 7 % der Gesamtbevölkerung? Eine
Kirchenbürokratie, der das Gottesvolk abhanden kam, kreist nur noch um
sich selbst - in merkwürdigen Formulierungen: Es sei "wichtiger für sie, Sakrament des Friedens zu sein, als
etwas für den Frieden zu tun". Diese ihre Einstellung kostete
bekanntlich Millionen von Menschen das Leben. Dazu würde eine andere
Aussage der Bischöfe gut passen: "Von größter Wichtigkeit ist ein
sensibler Umgang mit belasteter Vergangenheit, der vor allem die Opfer
in ihrer Würde ernst nimmt ..." Doch damit sind die "Gesellschaften und
Völker" gemeint, denen "Denkmäler und Gedenkstätten"
empfohlen werden, um die Vergangenheit im Bewusstsein zu halten, um in
der Zukunft den Frieden zu wahren. Wie wäre es mit einem Denkmal für
die Opfer der Kirche?
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