|
Die Kirche
und der Mammon (7)
Das
Blutgeld der Inquisition
"Nichts ist uns genug ..." Nirgends wurde die
kirchliche Geldgier so deutlich wie bei der Verfolgung Andersgläubiger.
"Kirchenfürsten haben immer wieder Blutgelder eingestrichen - so
exzessiv, dass ein geflügeltes Wort sagte, das schnellste und
leichteste Mittel, reich zu werden, sei das Hexenbrennen" (Herrmann,
Kirchenfürsten, S. 7).
Die ideologische Begründung dafür lieferte die Kirche
gleich mit, zum einen durch die Einführung der Inquisition zu Beginn des
13. Jahrhunderts, zum anderen durch die Absegnung des "Hexenhammers",
jener furchtbaren Anleitung zum Foltern und Töten von abertausenden
Frauen in Europa. Papst Innozenz III. gebot seinen Inquisitoren, "das
Eigentum der Ketzer zu konfiszieren, zu enteignen und Ketzerkinder zu
enterben". Um schnell und direkt zu den gewünschten
belastenden Geständnissen zu gelangen, ließen die Inquisitoren die
Ketzer foltern. Hernach zog man das Vermögen der Opfer ein. Durch diese
als Glaubensprozesse getarnte Raub- und Lynchjustiz "nahmen die
Einkünfte des Bistums Toulouse so zu, dass Papst Johann der
Zweiundzwanzigste im Jahre 1317 daraus sechs neue Bistümer machen
konnte" (Otto Rahn, Kreuzzug gegen den Gral, 1985, S. 193).
Die Konfiskation des Eigentums von Ketzern war jedoch
keine Erfindung des Mittelalters. Bereits der Codex Theodosianus, "das
438 zusammengestellte Reichsgesetzbuch, verzeichnet zwischen 380 und 438
ungefähr 80 Gesetze gegen ‘Ketzer’! Man verordnete die Wegnahme
ihrer Kirchen, verbot ihnen den Bau von neuen sowie die Benutzung von
Privathäusern zu kirchlichen Zwecken ... man bedrohte sie mit
Ausweisung, Verbannung und Konfiskation ihres Vermögens. Man sprach
ihnen das Recht ab, sich Christen zu nennen, Testamente zu machen oder
aufgrund von Testamenten zu erben; zuweilen erklärte man sie sogar für
unfähig, irgendwelche rechtsgültige Akte zu vollziehen. Und zuletzt
hatte man endlich auch die Todesstrafe ... für alle ‘Abtrünnigen’
bereit" (Deschner, Abermals krähte der Hahn, S. 475).
Während man jedoch in der Antike das Eigentum von
Ketzern nur dann konfiszierte, wenn ihre Erben gleichfalls Ketzer waren,
so rief auch in dieser Beziehung das Mittelalter zu einem Höhepunkt der
Grausamkeit auf. "Das große Konzil von Tours, das Alexander III.
1163 abhielt, befahl allen weltlichen Fürsten, die Ketzer einzukerkern
und ihr Eigentum zu konfiszieren" (Lea, Geschichte der
Inquisition im Mittelalter, Bd.1, S. 562).
Die
Kirche zwang den Staat
Dies galt auch dann, wenn die Ketzer ihrem Glauben
abschworen. Die weltlichen Herrscher mussten zunächst buchstäblich
gezwungen werden, solche Konfiskationen durchzuführen - zu sehr
widersprach es offensichtlich ihrem Rechtsempfinden. "Gerade in der
Unterlassung dieser Pflicht lag, wie Papst Innozenz 1210 erklärte, eines
der hauptsächlichen Vergehen, wofür Raimon VI. von Toulouse so bitter
hatte büßen müssen" (Ebda., S. 563). Schon bald hatte
sich diese Vorschrift zu einer reibungslos laufenden bürokratischen
Maschine entwickelt: "Sobald ein der Ketzerei Verdächtigter vorgeladen
und verhaftet worden war, belegten die weltlichen Beamten sein Vermögen
mit Beschlag und benachrichtigten seine Schuldner von dieser Maßregel"
(S. 565).
Der Anteil der Kirche am konfiszierten Gut war unterschiedlich, so z. B.
1369 in Deutschland ein Drittel, in anderen Fällen wurde zu gleichen
Teilen geteilt; oder es wurde gedrittelt zwischen Inquisitionsbehörde,
Bischof und Stadt bzw. Gemeinde. Im Kirchenstaat fiel natürlich der
gesamte "Erlös" an die Kurie. Dies galt ab dem 14. Jahrhundert
in der Regel auch für die übrigen Regionen Italiens. Doch oft genug
prozessierten Kirche und Staat auch um die Anteile, bisweilen sogar
jahrzehntelang.
Die
Inquisition lebte von der Konfiskation
Unbestritten ist jedoch, dass ohne die Konfiskation
die Inquisition ihre grausame Eigendynamik fast völlig eingebüßt
hätte. "Wir dürfen daher mit Recht behaupten, dass durch die Aussicht
auf den Gewinn aus den Geldstrafen und Konfiskationen die Arbeit der
Inquisitoren viel weniger gründlich gewesen und zu einer
verhältnismäßigen Bedeutungslosigkeit herabgesunken sein würde, sobald
der erste fanatische Verfolgungswahn erloschen war; sie hätte vielleicht
eine Generation hindurch gedauert, dann eine Zeitlang geruht, um bei
einem neuen Wiederauftauchen der Ketzerei von neuem wieder aufzuleben
... Erst als man durch die Konfiskationen die Ketzer zwang, selbst die
Mittel zu ihrer Vernichtung zu liefern, als die Habgier dem Fanatismus
die Hand reichte und beide zusammen die treibenden Kräfte für die
Inquisition wurden, erst da konnte jene hundertjährige, nicht
nachlassende, erbarmungslose Verfolgung einsetzen, die unbedingt zum
Ziele führen musste" (Lea, S. 597).
Auch Bernd Rill (Die Inquisition und ihre Ketzer, S. 85) bemerkt:
"Die
Spekulation ist erlaubt, ob das Heilige Offizium ohne seine
mannigfaltigen finanziellen Anreize wirklich Jahrhunderte lang hätte
aktiv bleiben können, oder ob es ohne diese nicht schon weit vor der
Aufklärungszeit sanft entschlafen wäre." Wie sehr das Geld der
"Treibstoff" für die Inquisition war, erkennt man auch daran, dass in
der spanischen Inquisition bevorzugt reiche "Ketzer" zu Opfern wurden -
vor allem reiche "conversos", d. h. bekehrte
Juden: "Die Mitte des 17. Jahrhunderts gehört zu den für wohlhabende
Conversos grausamsten Zeiten in Spanien" (Henry
Kamen, Die Spanische Inquisition, S. 158).
Bisweilen konnten sie sich auch durch Zahlung astronomischer Geldsummen
für einige Zeit freikaufen (Vgl. Rill, S. 32).
Im 18. Jahrhundert, als es praktisch keine wohlhabenden conversos
mehr gab, war der Niedergang der Inquisition nicht mehr aufzuhalten.
|
|