Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 21/00

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Die Kirche und der Mammon (7)

Das Blutgeld der Inquisition

"Nichts ist uns genug ..." Nirgends wurde die kirchliche Geldgier so deutlich wie bei der Verfolgung Andersgläubiger. "Kirchenfürsten haben immer wieder Blutgelder eingestrichen - so exzessiv, dass ein geflügeltes Wort sagte, das schnellste und leichteste Mittel, reich zu werden, sei das Hexenbrennen" (Herrmann, Kirchenfürsten, S. 7).

Die ideologische Begründung dafür lieferte die Kirche gleich mit, zum einen durch die Einführung der Inquisition zu Beginn des 13. Jahrhunderts, zum anderen durch die Absegnung des "Hexenhammers", jener furchtbaren Anleitung zum Foltern und Töten von abertausenden Frauen in Europa. Papst Innozenz III. gebot seinen Inquisitoren, "das Eigentum der Ketzer zu konfiszieren, zu enteignen und Ketzerkinder zu enterben". Um schnell und direkt zu den gewünschten belastenden Geständnissen zu gelangen, ließen die Inquisitoren die Ketzer foltern. Hernach zog man das Vermögen der Opfer ein. Durch diese als Glaubensprozesse getarnte Raub- und Lynchjustiz "nahmen die Einkünfte des Bistums Toulouse so zu, dass Papst Johann der Zweiundzwanzigste im Jahre 1317 daraus sechs neue Bistümer machen konnte" (Otto Rahn, Kreuzzug gegen den Gral, 1985, S. 193).

Die Konfiskation des Eigentums von Ketzern war jedoch keine Erfindung des Mittelalters. Bereits der Codex Theodosianus, "das 438 zusammengestellte Reichsgesetzbuch, verzeichnet zwischen 380 und 438 ungefähr 80 Gesetze gegen ‘Ketzer’! Man verordnete die Wegnahme ihrer Kirchen, verbot ihnen den Bau von neuen sowie die Benutzung von Privathäusern zu kirchlichen Zwecken ... man bedrohte sie mit Ausweisung, Verbannung und Konfiskation ihres Vermögens. Man sprach ihnen das Recht ab, sich Christen zu nennen, Testamente zu machen oder aufgrund von Testamenten zu erben; zuweilen erklärte man sie sogar für unfähig, irgendwelche rechtsgültige Akte zu vollziehen. Und zuletzt hatte man endlich auch die Todesstrafe ... für alle ‘Abtrünnigen’ bereit" (Deschner, Abermals krähte der Hahn, S. 475).

Während man jedoch in der Antike das Eigentum von Ketzern nur dann konfiszierte, wenn ihre Erben gleichfalls Ketzer waren, so rief auch in dieser Beziehung das Mittelalter zu einem Höhepunkt der Grausamkeit auf. "Das große Konzil von Tours, das Alexander III. 1163 abhielt, befahl allen weltlichen Fürsten, die Ketzer einzukerkern und ihr Eigentum zu konfiszieren" (Lea, Geschichte der Inquisition im Mittelalter, Bd.1, S. 562).

Die Kirche zwang den Staat

Dies galt auch dann, wenn die Ketzer ihrem Glauben abschworen. Die weltlichen Herrscher mussten zunächst buchstäblich gezwungen werden, solche Konfiskationen durchzuführen - zu sehr widersprach es offensichtlich ihrem Rechtsempfinden. "Gerade in der Unterlassung dieser Pflicht lag, wie Papst Innozenz 1210 erklärte, eines der hauptsächlichen Vergehen, wofür Raimon VI. von Toulouse so bitter hatte büßen müssen" (Ebda., S. 563). Schon bald hatte sich diese Vorschrift zu einer reibungslos laufenden bürokratischen Maschine entwickelt: "Sobald ein der Ketzerei Verdächtigter vorgeladen und verhaftet worden war, belegten die weltlichen Beamten sein Vermögen mit Beschlag und benachrichtigten seine Schuldner von dieser Maßregel" (S. 565).
Der Anteil der Kirche am konfiszierten Gut war unterschiedlich, so z. B. 1369 in Deutschland ein Drittel, in anderen Fällen wurde zu gleichen Teilen geteilt; oder es wurde gedrittelt zwischen Inquisitionsbehörde, Bischof und Stadt bzw. Gemeinde. Im Kirchenstaat fiel natürlich der gesamte "Erlös" an die Kurie. Dies galt ab dem 14. Jahrhundert in der Regel auch für die übrigen Regionen Italiens. Doch oft genug prozessierten Kirche und Staat auch um die Anteile, bisweilen sogar jahrzehntelang.

Die Inquisition lebte von der Konfiskation

Unbestritten ist jedoch, dass ohne die Konfiskation die Inquisition ihre grausame Eigendynamik fast völlig eingebüßt hätte. "Wir dürfen daher mit Recht behaupten, dass durch die Aussicht auf den Gewinn aus den Geldstrafen und Konfiskationen die Arbeit der Inquisitoren viel weniger gründlich gewesen und zu einer verhältnismäßigen Bedeutungslosigkeit herabgesunken sein würde, sobald der erste fanatische Verfolgungswahn erloschen war; sie hätte vielleicht eine Generation hindurch gedauert, dann eine Zeitlang geruht, um bei einem neuen Wiederauftauchen der Ketzerei von neuem wieder aufzuleben ... Erst als man durch die Konfiskationen die Ketzer zwang, selbst die Mittel zu ihrer Vernichtung zu liefern, als die Habgier dem Fanatismus die Hand reichte und beide zusammen die treibenden Kräfte für die Inquisition wurden, erst da konnte jene hundertjährige, nicht nachlassende, erbarmungslose Verfolgung einsetzen, die unbedingt zum Ziele führen musste" (Lea, S. 597).
Auch Bernd Rill (Die Inquisition und ihre Ketzer, S. 85) bemerkt: "Die Spekulation ist erlaubt, ob das Heilige Offizium ohne seine mannigfaltigen finanziellen Anreize wirklich Jahrhunderte lang hätte aktiv bleiben können, oder ob es ohne diese nicht schon weit vor der Aufklärungszeit sanft entschlafen wäre." Wie sehr das Geld der "Treibstoff" für die Inquisition war, erkennt man auch daran, dass in der spanischen Inquisition bevorzugt reiche "Ketzer" zu Opfern wurden - vor allem reiche "conversos", d. h. bekehrte Juden: "Die Mitte des 17. Jahrhunderts gehört zu den für wohlhabende Conversos grausamsten Zeiten in Spanien" (Henry Kamen, Die Spanische Inquisition, S. 158).
Bisweilen konnten sie sich auch durch Zahlung astronomischer Geldsummen für einige Zeit freikaufen (Vgl. Rill, S. 32).
Im 18. Jahrhundert, als es praktisch keine wohlhabenden conversos mehr gab, war der Niedergang der Inquisition nicht mehr aufzuhalten.

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Das Unglück der Menschen ist das Glück der Kirche
 

Fest steht in jedem Fall: "Wohl nirgends in der Geschichte hat sich der Eifer, aus dem Unglück der Mitmenschen Gewinn zu ziehen, in so abstoßender Weise gezeigt als bei den Geiern, die den Spuren der Inquisition folgten, um sich an dem von ihr angerichteten Elende zu mästen" (Lea, S. 575).

Weitere Teile der Serie:
1 - Woher kommt der Reichtum der Kirche? - in Nr. 7/2000
2 - Wie die Klöster reich wurden - in Nr. 9/2000
3 - Mönche als Fälschungsexperten - in Nr. 11/2000
4 - Unnachgiebig eingetrieben - der Zehnt - in Nr. 12/2000
5 - Unversiegbare Einnahmequellen - in Nr. 19/2000
6 - Ablasshandel - ohne Geld kein Trost - in Nr. 20/2000
8 - Kirche der Geldgier - in Nr. 22/2000


 



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