Clint Hallam leidet körperlich und seelisch unter
der Situation. Er muss ständig starke Medikamente einnehmen, die eine
Abstoßung des fremden Gewebes verhindern. Dadurch leidet er unter
chronischem Durchfall und steht in der Gefahr, dass bereits ein
Schnupfen sich aufgrund der verminderten körpereigenen Abwehr zu einer
gefährlichen Lungenentzündung auswachsen kann. Er will sein Leben
nicht länger wegen der fremden Hand aufs Spiel setzen.
Und seelisch? Hallam empfindet die Hand als
Fremdkörper. Man sieht schon äußerlich, dass es nicht seine eigene
ist: Sie ist rosig und größer als seine bräunliche und behaarte
andere Hand. „Ehe ich das ganze Leben so verbringen muss, sage ich
lieber: Nehmt sie mir wieder ab!"
Doch das ist gar nicht so einfach. Einer der damals durch die
Verpflanzung berühmt gewordenen Ärzte lehnt eine Entfernung der Hand
strikt ab. Hallam sei an seinem Zustand selber schuld, weil er die
Medikamente nicht regelmäßig nehme und auch die Bewegungsübungen
nicht mache. Man habe eben bedauerlicherweise den falschen Patienten
ausgewählt. Außerdem sei es ethisch nicht verantwortbar, eine im
Grunde funktionierende Hand zu entfernen.
Der Neuseeländer vermutet, dass die Ärzte vor der
Öffentlichkeit nicht eingestehen wollen, dass ihr berühmtes Experiment
letztlich gescheitert ist.
Ein anderes Organ wie Herz oder Niere ist im Inneren des Körpers
verborgen. Der Patient kann die Anwesenheit des Fremdorgans in seinem
Körper vielleicht eher verdrängen. Eine fremde Hand drängt sich
jedoch buchstäblich bei jedem Handgriff ins Bewusstsein. Und auch die
Mitmenschen sehen sofort, dass mit der Hand etwas nicht stimmen kann.
Vielleicht ahnt Clint Hallam auch etwas von den
seelischen Problemen, die mit einer Transplantation verbunden sind: Die
Seele des Verstorbenen hat sich unter Umständen noch nicht von dem
einstigen Körperteil gelöst. Wo hält sie sich auf? Versucht sie
vielleicht, auf ihn Einfluss zu nehmen? Vielleicht erfährt man es, wenn
Hallam, wie bereits angekündigt, ein Buch über seine Erlebnisse
geschrieben hat. Es soll den Titel tragen: Vergeudete Tage und
Nächte.