Das Weisse Pferd - Urchristliche Zeitung für Gesellschaft, Religion, Politik und Wirtschaft

Ausgabe 23/00

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Was bewirken Demonstrationen?

Fremdenfeindlichkeit
und ihre Wurzeln

Kaiser Heinrich II, Gründer des Bistums Bamberg (1007), und seine Frau Kunigunde wurden heilig gesprochen. Gegenüber den dort lebenden Slawen waren sie rechtsradikal und ausländerfeindlich"Wir stehen auf für Menschlichkeit und Toleranz!" Unter diesem Motto fanden zum Jahrestag des Novemberpogroms vom 9.11.1938 überall in Deutschland Protestmärsche gegen die wachsende Fremdenfeindlichkeit und den zunehmenden Rechtsradikalismus statt. Mit dabei waren Parteien, Gewerkschaften, Prominente, Kirchenvertreter ...

Ein wichtiges Ansinnen, ohne Zweifel. Doch was können Aufmärsche bewirken, solange man nicht nach den Wurzeln der Fremdenfeindlichkeit sucht?

"Ich will meine Pfeile mit Blut trunken machen und mein Schwert soll Fleisch fressen, mit Blut von Erschlagenen und Gefangenen, von den Köpfen streitbarer Feinde." Das soll Gott angeblich zum Thema "Umgang mit fremden Völkern" gesagt haben - laut der Bibel durch den Propheten Mose. Es gibt in der Bibel noch viele andere Stellen, in denen Gott angeblich zur Ermordung der Fremden aufruft - neben Stellen, wonach die Fremden so gut behandelt werden sollen wie die Einheimischen. Woran soll man sich also halten? Im Neuen Testament werden Andersgläubige als "schmutzige Schandflecken" (2. Petrus 2) bezeichnet, die wie Tiere seien, "die von Natur aus dazu geboren sind, gefangen zu werden und umzukommen".

Die Kirche entschied sich für eine Ausgrenzungs- und Sündenbockpraxis. Der deutsche Kaiser Heinrich II., von Klerikern erzogen, gründete 1007 das Bistum Bamberg mit dem öffentlich bekundeten Zweck, "dass das Heidentum der Slaven vernichtet werden soll".* Die damals in Oberfranken lebenden Slawen wurden so zu den ersten Opfern der Kirche in der Geschichte Bambergs. Der rechtsradikale und ausländerfeindliche Heinrich hingegen wurde von der katholischen Kirche heilig gesprochen und wird bis heute hoch verehrt (siehe dazu "Der Theologe Nr. 29" - 1000 Jahre Bistum Bamberg, kein Grund zum Feiern).

Dieselbe Kirche hat vor kurzem den erklärten Antisemiten Pius IX. (19. Jahrhundert) selig gesprochen. Und die evangelische Schwesterkirche weigert sich bis heute, der Umbenennung von Straßen und Plätzen zuzustimmen, die nach dem furchtbaren Antisemiten Martin Luther oder dem antisemitischen bayerischen Landesbischof Meiser benannt sind.

Wenn sich nun ausgerechnet die Kirchen zu Kämpfern gegen den Rechtsradikalismus aufschwingen wollen, dann sollten sie sich zuvor von den Grausamkeiten der Bibel lossagen, sich von ihren rechtsradikalen Heiligen distanzieren und ihre Rufmordkampagnen gegen religiöse Minderheiten beenden. Das heißt, sie müssten den Kampf gegen den Rechtsradikalismus zunächst im eigenen Lager führen.

Man könnte weiter fragen: Warum gibt es bis heute, 2000 Jahre nach Jesus von Nazareth, soviel Fremdenfeindlichkeit? Liegt es nicht auch daran, dass die meisten Menschen sich selbst fremd sind? Sie kennen sich selbst nicht, die Inhalte ihrer Gedanken und Gefühle, und projizieren daher ihr Negatives, das sie ins Unterbewusstsein gedrängt haben, auf "den anderen": den Fremden, den Ausländer, den Andersdenkenden. Doch nur wer sich selbst kennen lernt und sein Negatives mit Christus bereinigt, der gewinnt Verständnis für seinen Nächsten, der noch gleiche oder ähnliche Fehler hat, und wird ihn nicht verurteilen, sondern zuerst den Balken aus seinem eigenen Auge ziehen.

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* Karlheinz Deschner, Kriminalgeschichte des Christentums, Band 6, S. 71 [Zurück]


 



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