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"Vegetarier
schauen doch alle
dürr und ausgemergelt aus? Oder?"
Erfahrungen
an einem Infostand gegen das Leid der Tiere
Mitten
in der Fußgängerzone standen wir, vor uns ein Tisch mit Informationen
über Tiere, Tierversuche, dazu Einladungszettel für einen
entsprechenden Tiervortrag. Viele Menschen - Einheimische und Touristen
- belebten die Straße.
"Man kann nicht nicht kommunizieren",
lautet ein Axiom der Kommunikationspsychologie und bedeutet hier: Wer
des Infostandes ansichtig wurde, würde in irgendeiner Weise reagieren
(müssen) - auch wenn er einfach weitergeht.
So waren die Reaktionen unterschiedlich wie die Menschen
selbst. Viele blieben stehen und lasen den Titel des Plakats, das auf
den Vortrag hinwies. Sehr viele nahmen den dargebotenen Handzettel und
gingen weiter. Einige kamen an den Info-Tisch und schauten. Manche
gingen nachdenklich weiter.
¤
"So ein
Schwachsinn", war plötzlich zu hören. "Wir wünschen Ihnen viel Erfolg
mit ihrem heißen Thema!" meinten andere. "Wie ist
der Titel des Vortrags Schlachtet
die Tiere zum Wohle unseres Leibes
gemeint?"
¤
"Jesus hat doch
auch Fleisch gegessen und Fische zum Essen vermehrt!" Einer konnte die
Erklärung, die wir gaben, annehmen (vgl.
Jesus und die Fischvermehrung in "Der Theologe Nr. 7"), während
ein anderer ironisch zurückfragte: "Habt
ihr eine eigene Bibel? Und die ist dann die wahre?"
¤
"Wozu sind die
Tiere denn da? Die sind doch auch für unseren Verzehr bestimmt, nur bei
Haustieren ist das anders." "Was soll man denn
dann essen? Davon werde ich nicht satt!"
¤
"Pflanzen
sind ja Lebewesen. Die werden doch auch getötet und gegessen. Entweder
dürfen wir überhaupt keine Lebewesen essen oder alle." Der
Mensch ist ursprünglich ein Früchteesser; das Verzehren einjähriger
Pflanzen ist ebenfalls gesetzmäßig.
¤
"Und:
Die Tiere fressen sich doch auch gegenseitig auf." Zu
Beginn des Falls aßen die Tiere kein Fleisch. Aggressives Verhalten und
Fleischessen wurden ihnen durch das Verhalten der Fallwesen aufgeprägt.
¤
"Was?
Löwe und Lamm sollen friedlich nebeneinander liegen? Das glaube ich nie
und nimmer." Die
Feindschaft hat der Mensch gebracht. In dem Maße, wie er wieder zum
inneren und äußeren Frieden findet, werden auch die Tiere wieder zu
ihrer ursprünglichen Friedfertigkeit zurückkehren.
¤
Eine Jugendliche reagiert aufgebracht: "Ihr könnt doch nicht so einen
Titel nehmen, das ist ja wie eine Aufforderung zum Töten!" Und sie
zerreißt - bevor wir zu Wort kommen - den dargebotenen Handzettel,
obwohl deutlich dabeisteht, wie es gemeint ist: dass wir nämlich dagegen
sind. Sie und ihre Freundinnen kommen von Bauernhöfen. Sie weisen
darauf hin, dass es ein Unterschied sei, wie und wo die Tiere
geschlachtet würden. Und außerdem: Wovon sollen die Bauern denn leben?
Ihre Existenz hänge ja davon ab! Wer bezahle ihnen die teuren
Investitionen, wenn sie ihren Hof umstellen und etwas anderes anbauen
oder auf einen anderen Beruf umsteigen sollten? Alle drei ziehen - immer
noch erregt - ab. Ein Mann, der das Gespräch mit angehört hat, sagt
bedauernd, er sei nicht von hier und fragt, ob der Vortrag nicht auch
woanders gehalten würde. Wir informieren ihn über die anderen Termine
in anderen Städten. Danach sagte er, dass er beruflich Tiere schlachte,
und er schien zum ersten Mal darüber nachzudenken, ob es richtig sei, so
etwas zu tun, nur weil es scheinbar keine andere Möglichkeit gebe. Er
nahm den Prophet Nr. 15 mit (Tiere klagen - der Prophet klagt an;
siehe
http://www.das-wort.com/cgi/gen_article.cgi?article=p015de&type=toc).
¤
Zwei andere, die anscheinend nicht dazugehören, bleiben und stellen
kritische Fragen: "Essen Sie auch Fisch? Eier? Trinken Sie Milch? Töten
Sie nicht auch Spinnen?" Sie sind erstaunt über die Antwort, dass wir
sie inzwischen schon fangen und ins Freie tragen. "Tragen
Sie Lederschuhe?" Und: "Was habt ihr für Alternativen zu
bieten?" Dann aber wird deutlich, dass sie sich ernsthaft und
idealistisch mit dem Thema auseinandersetzen. Obwohl sie glauben, dass
der Einzelne nichts tun kann, suchen sie doch nach Lösungen.
¤
"Vegetarier
schauen doch alle dürr und ausgemergelt aus? Sie brauchen künstliche
Vitamine." Wir fragen
zurück: "Schauen wir etwa dürr und ausgemergelt aus?" Sie
müssen lachen. Doch sie erklären es sich damit, dass wir nicht schon
als Kind Vegetarier waren ...
¤
"Warum kämpfen Sie
nicht zuerst einmal gegen Massentierhaltung, Tiertransporte,
Tierversuche?" Wir tun es ja, und dies hier ist ein erster Schritt. Das
können sie noch nicht so sehen, "vielleicht
später", so der dennoch positive Abschied.
¤ Ein
Mann kommt noch einmal
zurück und bittet seine Frau, doch den Zusatztext auf dem Plakat noch
einmal für ihn zu lesen. Sie erklärt: "Ich bin nämlich kein
Vegetarier - er schon!"
¤ Ein
junger Mann wäre vorher nie auf den Gedanken gekommen, dass
Fleischkonsum mit dem Hunger in der Welt zu tun haben könnte. Weil
die Getreideproduktion der Welt zum großen Teil für die Tiermast
verwendet wird, wobei für ein Kilo Fleischnahrung das Sieben- bis
Zehnfache an Pflanzennahrung benötigt wird.
¤ Einige
nehmen Handzettel und den Prophet
Nr. 15 für Freunde und
Bekannte mit, die sich auch für dieses Themen interessieren und
eventuell zum Vortrag kommen wollen.
¤ Ein
älteres Kind will einen Prophet
Nr. 15 mitnehmen - die
Mutter ist einverstanden, wenn es ihn wirklich liest! Auch viele andere
- Jugendliche und Erwachsene - nehmen den Prophet Nr. 15 mit.
¤ Plötzlich
sehen wir uns einer Profi-Kamera auf Stativ gegenüber. Auf die Frage,
für welchen Sender diese Aufnahme sei, deutet der Mann an, er sei aus
Russland und könne nicht deutsch sprechen.
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