Der Weihnachtsgottesdienst
1998 hatte in einer Kirche im Landkreis Coburg gerade begonnen, da trat
ein Familienvater an den Altar, zeigte auf den Pfarrer und sagte:
"Dieser Mann, der gerade das Wort Gottes verkünden will, hat
meinen Sohn mehrere Male missbraucht."
Anfang September 1999 sind die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft
weitgehend abgeschlossen. Gegen Pfarrer W. wird in dreizehn Fällen wegen
Kindsmissbrauch
ermittelt. In einigen Fällen missbrauchte er Messdiener im Auto, als er sie nach einer
Beerdigung nach Hause brachte.
In der Fernsehsendung Akte 97 wurde berichtet,
dass der katholische
Priester bereits vor Jahren in einer anderen Stadt wegen Missbrauchs vor Gericht gestanden
hatte. Das Verfahren war mit einer Geldbuße eingestellt worden.
"
Gegenüber Priestern, die Kinder missbraucht haben, wird in der
Kirche immer Nächstenliebe geübt", sagte in der Sendung Prof. Hubertus Mynarek.
"Da drückt man beide Augen zu. Man sagt: Tu es nicht mehr! Doch das nützt
nichts. Bei der nächsten Versuchung tut er es doch wieder. Solange es nicht an die
Öffentlichkeit geht, ist der Kirche das Schicksal der Kinder schnurzegal."
Hubertus Mynarek erwähnt in seinem Buch Eros und Klerus den Fall eines Priesters aus einem Eifeldorf,
der zehn Jahre lang Unzucht mit Minderjährigen treiben konnte, ehe es jemand wagte, ihm
das Handwerk zu legen. Der Bürgermeister sagte dazu, der Pfarrer habe "wie ein
Diktator im Dorf" regiert. "Natürlich haben die Kinder zu Hause erzählt, was
der Pastor mit ihnen gemacht hat", doch: "Wegen der Aussagen eines Kindes,
dachten wir, wäre die Polizei nicht gegen einen Pfarrer vorgegangen. Ein katholischer
Dorfbewohner: "Man kann doch eine geweihte Person nicht anzeigen"
(S. 90 f.). Auf
S. 135 ff. beleuchtet Mynarek Hintergründe, die zu solch skandalösen Vorgängen führen:
Der Pflichtzölibat der Kirche und die damit einhergehende Missachtung der Frau, die
manche Mütter dadurch zu kompensieren versuchen, dass sie ihre Söhne zu Priestern machen.